Krebsbehandlung in der Corona-Pandemie

Während Corona: So funktioniert das Arbeiten in der onkologischen Schwerpunktpraxis Hanau

Workshop vor Weltkrebstag
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So wie auf dieser Archivaufnahme können Onkologen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr arbeiten. Jetzt müssen strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

„Krebspatienten haben keine Wahl. Sie benötigen medizinische Versorgung.“ – Dr. Florian Fauth macht das mit Nachdruck deutlich. Der Arzt in der onkologischen Schwerpunktpraxis Dres. Med. Lautenschläger/Fauth/ Geis/Luft behandelt Krebspatienten trotz Covid-19 Pandemie.

Wie das sicher und nach Hygienevorschrift gelingen kann, erzählt er gemeinsam mit Kollegin Yvonne Luft in ei-nem Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER. „Gerade Krebspatienten benötigen entsprechende Versorgung. Sie sind darauf angewiesen. Deswegen haben wir das Team in unserer Praxis geteilt. Eine Mannschaft ist da, eine ist daheim. Das Ganze in 14-tägigem Wechsel“, erklärt der Mediziner.

Sollte es zu einem Kontakt mit einem positiv getesteten Patienten kommen, ist dadurch das zweite Team in der Lage, umgehend die Weiterführung der Praxis zu übernehmen.

Enorme Arbeitsbelastung durch Schichtsystem

Allerdings führt das Zweischichtsystem zu einer erheblichen Arbeitsverdichtung. „Weil wir eben eine nahezu volle Praxis mit einer halben Mannschaft bewältigen müssen. Für uns ist die Corona-Situation keine Arbeitsentlastung. Die Kollegen zu Hause können zwar die schriftlichen Arbeiten erledigen. Aber letztlich ist Medizin Patientenkontakt“, erläutert der Mediziner.

Kurzarbeit hat die Praxis bislang noch nicht angemeldet. Als der Lockdown im März kam, hat die Praxis umgehend reagiert und auf das Zweischichtsystem umgestellt. „Wir sind eine Gemeinschaftspraxis, mit drei Inhabern und haben umgehend und unbürokratisch beschlossen, dieses Zweischichtsystem umzusetzen“, sagt Medizinerin Luft.

Von einem Tag auf den anderen, zum Schutz der Patienten und zum Schutz der Praxisstruktur, die zur Patientenversorgung notwendig ist. „Erst, wenn vonseiten der Gesundheitsämter das Signal kommt, dass wir nicht komplett dichtmachen müssen, wenn wir einen Coronapatienten hatten, können wir wieder zum Normalbetrieb übergehen“, so Fauth.

Krebstherapie duldet keinen Aufschub

Aber die Masken und die umfangreichen Hygienemaßnahmen werden die Praxis noch lange begleiten. Genau wie das Verschieben von nicht dringend notwendigen Behandlungen, zum Beispiel Nachsorgeuntersuchungen. Diese könnten gegebenenfalls auch ein paar Wochen verschoben werden. „Das muss man aber immer individuell betrachten. Unverantwortlich wäre es, beispielsweise eine Verlaufskontrolluntersuchung unter Chemotherapie zu verschieben. So etwas darf nicht sein“, sagt Fauth.

Und: „Auch bei Nachsorgen teilen wir Patienten mit, dass, sollten irgendwelche Sorgen, Beschwerden, Probleme auftreten, sie sich auf jeden Fall melden sollen. Sie bekommen dann sehr kurzfristig einen Termin bei uns“, ergänzt Luft. Krebstherapie dulde keinen Aufschub, machen Luft und Fauth deutlich.

Praxis muss Risiken abwägen

Es sei Aufgabe der onkologischen Versorgungsstruktur, der Angst vor Ansteckung mit Corona durch den Besuch in einer Praxis entgegenzuwirken. „Wichtig ist, das Risiko einer unzureichend behandelten Krebserkrankung gegenüber dem zusätzlichen Behandlungsrisiko in Zeiten von Covid-19 abzuwägen. Das muss immer individuell geschehen, für jeden Patient einzeln durch den Onkologen entschieden werden“, sagt Luft.

Für Krebspatienten ist das Coronavirus so gefährlich, weil Krebspatienten aufgrund ihrer Krankheit und der Therapien, die sie bekommen, eine Immunschwäche haben. Dadurch besteht für sie ein erhöhtes Risiko an Covid-19 zu erkranken. Eine Therapie unter einem akuten Infekt sei nicht zeitgerecht durchführbar. „Aber genau das ist essenziell“, betont Luft. „Daher empfehlen wir jedem Patienten, Kontakte jeglicher Art zu vermeiden. Die meisten unserer Patienten machen das ohnehin von sich aus“, sagt Luft.

Soziale Kontakte für Krebspatienten enorm wichtig

Trotzdem seien soziale Kontakte für Patienten wichtig. „Isolation ist Gift für die Therapie und auch Gift für den Patienten. Die Gefahr von depressiven Episoden nimmt dadurch zu. Wir empfehlen, soziale Kontakte über soziale Medien zu halten“, so das Ärzteteam.

Fauth stellt klar: „Auch eine unzureichende oder unbehandelte Krebserkrankung schwächt das Immunsystem. Einen Krebs nicht zu behandeln und den Zustand eines Patienten wegen Covid-19 verschlechtern zu lassen ist kontraproduktiv. Weil er geschwächt wird und dadurch umso leichter Covid-19 bekommt.“ 

In der onkologischen Schwerpunktpraxis Hanau, die pro Quartal mehrere hundert Chemotherapiepatienten behandelt, werde deshalb immer individuell nach den Patienten geschaut, genau hingesehen, was konkret dieser Patient jetzt braucht. „Wir kennen unsere Patienten, wir können das gut beurteilen, was für den jeweiligen Patienten in der Situation gut ist oder auch nicht“, so Fauth.

Patientenaufkommen auch in der Corona-Pandemie stabil

Weniger Patienten verzeichnet die Praxis seit Ausbruch der Corona-Epidemie nicht. Was leicht abgenommen habe, sagt Florian Fauth, seien Dinge, die nicht einer akuten Behandlung bedürften und die derzeit auch bei den Hausärzten nicht so häufig auflaufen. Das Patientenaufkommen sei dennoch nahezu normal, allerdings ist die Arbeitsweise in der Praxis eine andere, wegen der Hygienevorkehrungen.

„Es hat sich einiges geändert bei uns. Wir halten uns an die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen, das bekommen wir sehr gut umgesetzt. Zum Beispiel arbeiten nicht nur wir mit Masken, alle Patienten, die die Praxis betreten, müssen eine Maske tragen. Jeder Patient muss, wenn er hier rein kommt, die Hände desinfizieren“, beschreibt Luft das Arbeiten im Praxisbetrieb.

Chemotherapie erfordert Kontakt mit Patienten

Im Therapiebereich werden FFP2 Masken getragen und es wird versucht, so wenig Kontakt wie möglich am Patienten zu haben. Aber durch die Chemotherapie sei natürlich immer wieder der Kontakt am Patienten nötig. Der Wartebereich in der Praxis wurde stark ausgedünnt, die Anzahl der Warteplätze deutlich verringert. Die Wartezeiten sollen so kurz wie möglich gehalten werden. Angehörige dürfen, sofern es sich nicht um einen dementen Patienten handelt, nicht mit in den Wartebereich, einfach um die Ansteckungsgefahr für alle zu reduzieren.

Bei Erstdiagnosen oder Behandlungsstrategien dürfen Angehörige allerdings dabei sein. Das sei sehr wichtig für die psychische Stabilität und die Information der Angehörigen. Denn eine Krebserkrankung betreffe ja nicht nur den Patienten, sondern auch sein familiäres Umfeld. „Es ist eine Herausforderung für uns alle“, so das Ärztegespann.

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