Kreisparteitag in Langenselbold

FDP vor einer Zerreißprobe?

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - Eigentlich müsste die FDP Main-Kinzig auf einer Euphoriewelle schwimmen: Die Kommunalwahl hat einen ordentlichen Stimmenzuwachs ergeben, kreisweit haben die Liberalen 20 Mandate zusätzlich in den Parlamenten ergattert und mancherorts ist die FDP sogar wieder begehrter Koalitionspartner.

Doch auf dem jüngsten Kreisparteitag in Langenselbold war es mit der Feierstimmung schnell vorbei. Alte Grabenkämpfe scheinen nicht überwunden, vor allem eine mögliche Koalition auf Kreisebene unter Mitwirkung der Grünen könnte die Partei spalten. „Wenn die Kreis-FDP in eine Koalition mit den Grünen geht, dann bin ich nicht mehr FDP-Mitglied“, kündigte ein Liberaler aus Wächtersbach gar seinen Parteiaustritt an, sollte auf Kreisebene ein Bündnis mit SPD, Grünen und Freien Wählern geschlossen werden. Vor allem beim Thema Windkraft gibt es unüberbrückbar scheinende gegensätzliche Positionen. Einen weiteren Ausbau lehnen viele in der FDP ab.

„95 Prozent des Gesprächs drehten sich um Windenergie“, berichtete FDP-Fraktionschef Alexander Noll von einem ersten Treffen mit den Grünen. Eine Tendenz, wer sich wohin bewegen könnte, verriet er nicht. „Ich weiß nicht, was auf uns zukommt, aber die Anderen wissen, was auf sie zukommt“, will Noll in jedem Fall zumindest in Koalitionsverhandlungen einsteigen, „um einige unserer wichtigen Punkte umsetzen zu können“.

Alles zur Kommunalwahl 2016

Allerdings bleibt Alexander Noll auch eine Reizfigur in seiner eigenen Partei. Liselotte Pfeil, bisheriges Kreisausschussmitglied, erzürnte sich über Aussagen Nolls und des wiedergewählten Kreisvorsitzenden Kolja Saß hinsichtlich eines angeblich mangelnden Engagements von Frauen in der FDP. Für einen Eklat sorgte der Vorwurf von Pfeil, dass sich der Hanauer FDP-Vorsitzende Dr. Ralf-Rainer Piesold das Thema „Sportsfield Housing“ von FDP-Ortsbeiratsmitglied Marion Oberesch angeeignet hätte. „Sie sollten das zurücknehmen und keine falsche Behauptungen in die Welt setzen“, wehrte sich Piesold und zog damit den Unmut des bisherigen Kreistagsabgeordneten Oliver Braun aus Bruchköbel auf sich, der jedoch mit seinem Antrag scheiterte, Piesold als Versammlungsleiter abwählen zu lassen.

Viele Diskussionen bei der FDP Main-Kinzig, die sich auf einer neuerlichen Mitgliederversammlung sogar noch weiter steigern könnten. Denn sollten die Koalitionsverhandlungen mit SPD, Grünen und Freien Wählern auf Kreisebene tatsächlich in eine unterschriftsreife Vereinbarung münden, sollen alle FDP-Mitglieder über den Einstieg in ein Regierungsbündnis abstimmen. (azi)

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