Krise hat den Arbeitsmarkt eingeholt

Hanau - Deutlicher Anstieg von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit / „Zeitarbeitsbranche der erste Verlierer“

Hanau/Main-Kinzig-Kreis (did) Einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Main-Kinzig-Kreis registrierte die Agentur für Arbeit Hanau von Dezember bis Januar. Die Quote stieg kreisweit um 0,6 Prozent auf aktuell 6,1 Prozent. 12 748 Personen sind derzeit als arbeitssuchend registriert. Neben saisonalen und strukturellen Gründen sieht Agenturleiter Alexander Noblé in den steigenden Arbeitlosenzahlen auch „erste Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise“. So sei der Anstieg von Dezember 2008 auf Januar 2009 deutlich größer gewesen als im Vorjahr. Wuchs vor zwölf Monaten im genannten Zeitraum die absolute Zahl der Arbeitslosen „nur“ um 845 Personen, waren es diesmal 1204 Betroffene. „Verlierer dieser Entwicklung ist vor allem die Zeitarbeitsbranche“, konstatierte Agenturleiter Noblé.

Auch die rasante Zunahme der Kurzarbeit deutet auf Folgen der Wirtschaftskrise hin. Im abgelaufenen Monat meldeten zusätzlich 57 Betriebe mit 652 betroffenen Mitarbeitern Kurzarbeit an. Mittlerweile sind es rund 220 Firmen im Main-Kinzig-Kreis, die Kurzarbeit angemeldet haben.

Wohin die Reise in den nächsten Monaten auf dem regionalen Arbeitsmarkt gehen wird, kann Noblé schwerlich prognostizieren: „Im Moment hält der Arbeitsmarkt die Luft an.“ Auf der einen Seite wird für Deutschland die schwerste Wirtschaftsrezession seit 60 Jahren vorhergesagt, auf der anderen Seite wird mit dem größten Konjunkturpaket aller Zeiten gegengesteuert. Ein Paket, das im Bereich der Arbeitsmarktpolitik darauf abzielt, Arbeitsplätze möglichst über die Krise zu retten und den Unternehmen daher vor allem bei der Kurzarbeit völlig neue Möglichkeiten eröffnet. „Hier werden für eine Übergangszeit sämtliche Bremsen von der Bundesregierung gelöst“, so Noblé.

So wurden Bedingungen für das Anmelden von Kurzarbeit gelockert und die Höchstdauer auf 18 Monate erhöht. Firmen, die statt zu entlassen, Kurzarbeit anmelden, werden künftig bei den Sozialabgaben deutlich entlastet. Wird die Kurzarbeit dann noch mit Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter verknüpft, werden die Sozialabgaben sogar komplett von der Bundesagentur übernommen. In den nächsten Tagen will die Agentur für Arbeit Hanau von Kurzarbeit betroffene beziehungsweise bedrohte Unternehmen über die neue Rechtslage informieren und mit ihnen über geeignete Qualifizierungsmaßnahmen diskutieren.

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