Ausgaben bewilligt

Krisenstab und Lager für Hygieneartikel: Corona kostet Hanau weitere Millionen

Tagte ab März im Gefahrenabwehrzentrum: Der Krisenstab kostet die Stadt Hanau viel Geld.
+
Tagte ab März im Gefahrenabwehrzentrum: Der Krisenstab kostet die Stadt Hanau viel Geld.

Hanau – Ein sieben Millionen Euro schweres Corona-Hilfspaket brachte das Stadtparlament bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig auf den Weg 2,5 Millionen der Gesamtsumme sollen als Kapitaleinlage das Eigenkapital der BeteiligungsHolding stärken, 2,3 Millionen Euro sind für ein Lager für Hygiene- und Schutzartikel vorgesehen.

1,5 Millionen Euro fließen an den Corona-Krisenstab, 700 000 Euro sind als Investitionszuschüsse Digitalisierung vermerkt.

Auch die CDU – „wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“ – steht hinter der Finanzspritze. Ihr Finanzexperte Dr. Peter Schäfer wies allerdings darauf hin, dass im Krisenstab nur im Einzelfall externe Berater mitfinanziert werden sollten und zusätzliche Personalkosten auch durch Umsetzungen innerhalb der städtischen Gesellschaften eingespart werden könnten.

Eigenkapital BeteiligungsHolding: Vor dem Hintergrund wieder steigender Corona-Zahlen – in Hanau lag die Zahl der Neuinfektionen im Laufe der letzten sieben Tage bei 32 – mahnte Oberbürgermeister Claus Kaminsky zur Wachsamkeit. Auch der Kostendruck werde zunehmen, betonte er, insbesondere bei den städtischen Eigengesellschaften. 2,5 Millionen Euro will die Stadt zusätzlich zu den 1,5 Millionen Euro, mit denen sie bisher jährlich das Eigenkapital bei Hanauer Straßenbahn (HSB), Bädergesellschaft und Parkhausgesellschaft gestärkt hat, ins Eigenkapital stecken. Kaminsky geht davon aus, wie er im Nachgang erklärte, dass die städtischen Eigenbetriebe zum Jahresende wegen leerer Busse, zeitweise geschlossener Bäder und Parkhäuser mit einem Minus von vier Millionen Euro abschließen werden.

Aufbau eines Lagers für Hygiene- und Schutzartikel: Für eine schnelle Versorgung der Bevölkerung mit Hygiene- und Schutzausstattung wurde in der Feuerwache ein Lager angelegt, in dem Masken und Desinfektionsmittel vorgehalten werden, deren Wert sich auf insgesamt 2,3 Millionen Euro beläuft. Zu den Beständen gehören eine Viertelmillion Einmalhandschuhe und über eine Million dreilagige Masken.

Corona-Krisenstab: Über die Verteilung der 1,5 Millionen Euro für den Krisenstab, der bereits im Mai Gegenstand einer kritischen Berichterstattung unserer Zeitung war, lieferte das OB-Büro auf Nachfrage unserer Zeitung eine genaue Aufstellung. Der größte Brocken, nämlich 413 500 Euro, betrifft demnach Dienstleistungen der BauPro. OB Kaminsky erklärte auf Nachfrage, dass dieser Posten bereits für die Baupro im Haushalt an anderer Stelle eingestellt gewesen sei. Da aber die Leistungen, etwa für Konversion, coronabedingt nicht stattfanden, sei dieser Betrag jetzt umgewidmet worden.

Es handele sich also nicht um zusätzliche Mittel. Die Aufgaben der Gesellschaft seien um die Unterstützung bei der Bewältigung der Coronapandemie ergänzt worden. Die teilweise neu befristet angestellten Beschäftigten und die mit den neuen Aufgaben betrauten bisher Beschäftigten hätten unter anderem Aufgaben wie das Erstellen und Umsetzen eines Hygienekonzepts und die Beratung und (auch logistische) Unterstützung von Einzelhandel und Bürger.

IT-Kosten in Höhe von 335 000 Euro: Davon entfallen 95 000 Euro auf die zusätzliche IT-Ausstattung der Hauptfeuerwehr. Vorübergehend wurde eine temporäre Telefonanlage installiert, weil die vorhandene Anlage defekt war und repariert werden musste. Dazu kamen Auswahl, Test, Rollout und Dokumentation von Videokonferenzlösungen. Weitere IT-Kosten in Höhe von 240 000 Euro betreffen der Aufstellung zufolge die Einrichtung von IT-Zugängen für Homeoffice-Arbeit der gesamten Stadtverwaltung und viele weitere Maßnahmen wie den Aufbau und die Kapazitätsausweitung von Firewall, Remote WLAN und VPN-Zugängen. Außerdem wurde die Service-Hotline verstärkt, um die Mitarbeiter, die erstmalig im Homeoffice waren, bei der Einrichtung und Erlernen der neuen Arbeitsweisen zu unterstützen.

190 000 Euro Sachkosten Hygiene sind vorgesehen, um Hygiene-Informationsmaterial zu erstellen, drucken und zu verteilen oder Sicherheitspersonal auszustatten. Zum Verteilen von Hygiene- und Infomaterial will die Stadt ein Lastenfahrrad und ein Kleinfahrzeug anmieten.

Unter den sonstigen Posten befinden sich neben 70 000 Euro für Anzeigen in Printmedien und Infomaterial auch rund 78 300 Euro für die Unterstützung, Beratung und den Aufbau von Social Media und sonstige Kommunikation (ballcom, Digital Naturals). Auf die Rückfrage unserer Zeitung, weshalb Mitarbeiter von ballcom oder Digital Naturals unter den eigentlich nur städtischen Mitarbeitern vorbehaltenen hanau.de-E-Mail-Adressen zu finden sind, antwortete das OB-Büro, dies diene einer schnelleren und effektiveren Zusammenarbeit. Keiner der genannten Externen sei Mitarbeiter der Stadt. Somit hätten Mitarbeiter wie etwa Lutz Hanus oder Dominik Kuhn auch nur Zugang zu Daten, die in Zusammenhang mit der Arbeit des Krisenstabes stünden.

Mit 13 000 Euro schlägt der Kauf von Spuckschutzscheiben zu Buche, mit 7000 Euro der Kauf von Stoffen, Bändern und Garn für die Herstellung von Brüder-Grimm-Festspiel-Masken.

Die aufgeführten Posten summieren sich auf etwas über 1,1 Millionen Euro. Laut Auskunft des OB-Büros sind aber die bestellten Leistungen zum Teil noch nicht abgerechnet, weshalb man ein Gesamtbudget von 1,5 Millionen angesetzt habe.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare