Fakten geschaffen

Hubschrauberlandeplatz der Firma Ebbecke: Kritik an voreiligem Handeln

Der Standort der Firma Ebbecke Verfahrenstechnik in Kilianstädten. Firmeneigner Axel Ebbecke hat hier einen Hubschrauberlandeplatz gebaut.
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Der Standort der Firma Ebbecke Verfahrenstechnik in Kilianstädten. Firmeneigner Axel Ebbecke hat hier einen Hubschrauberlandeplatz gebaut.

Wie kann man den Fehler eines anderen heilen, ohne dabei selbst das Gesicht zu verlieren. Das war die entscheidende Frage im Schönecker Bauausschuss am Mittwochabend (28.10.2020), als es um die Aufstellung eines Bebauungsplanes für einen privaten Hubschrauberlandeplatz auf dem Gelben Berg ging.

Schöneck - Beschlossen werden sollte an diesem Abend die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet „Auf der Windecker Hohle“, die bisher als Ausgleichsfläche galt und vor einiger Zeit von der Bruchköbeler Firma Ebbecke von der Gemeinde Schöneck gekauft und inzwischen zu einem Hubschrauberlandeplatz ausgebaut hat. Sowohl der eigentliche Landeplatz als auch die Zufahrt dorthin wurden gepflastert und am Rand des Platzes wurde ein kleines Gebäude, eine Art Hangar errichtet.

Bauherr hält Baugenehmigung für Formalie

„Ich habe den Antrag auf Bau eines Hubschrauberlandeplatzes auf meinem Firmengelände im Januar 2019 beim Regierungspräsidium in Darmstadt eingereicht. Als sich das Genehmigungsverfahren immer weiter in die Länge zog, habe ich nach Vorlage der Teilgenehmigung für die Flugsicherheit mit den Baumaßnahmen begonnen. Ich hielt den zweiten Teil, nämlich die Baugenehmigung durch den Main-Kinzig-Kreis, nur noch für eine Formalie“, berichtet Axel Ebbecke, Inhaber der Firma Ebbecke Verfahrenstechnik vor dem Bauausschuss. Doch für das Kreisbauamt war es eben keine Formalie, für die eine einfache Baugenehmigung gereicht hätte.

Da die vorgesehene Fläche für den Hubschrauberlandeplatz sich innerhalb einer förmlich festgelegten Ausgleichsfläche des Bebauungsplanes Auf der Windecker Hohle befindet, ist eine Befreiung von den Festsetzungen dieses Bebauungsplanes für den Hubschrauberlandeplatz im Rahmen eines einfachen Baugenehmigungsverfahrens nicht zulässig. Alle erforderlichen Belange müssen somit im Rahmen eines Bebauungsplanänderungsverfahrens neu abgestimmt werden. Beispielsweise, wo eine neue Ausgleichsfläche stattdessen angelegt werde und ob auch alle Lärmschutzvorkehrungen eingehalten werden.

Ohne Genehmigung Fakten geschaffen

Die Stimmung im Ausschuss war sehr angespannt. „Sie muten uns eine Menge zu. Sie schaffen Fakten und machen den Fehler, ohne gültige Baugenehmigung den Landeplatz zu bauen, und wir sollen für Sie die Suppe nun auslöffeln“, macht der Ausschussvorsitzende Markus Mühlebach (CDU) gleich zu Beginn der Debatte klar, dass man die Handlungsweise des Firmeninhabers nicht einfach so hinnehmen wolle.

Axel Ebbecke

Die Stimmung änderte sich auch nicht, als Ebbecke immer und immer wieder betonte, dass der Landeplatz nicht seinem Hobby diene, sondern zum einen seiner Firma und zum anderen Polizei und Rettungskräften, die den Landeplatz zukünftig als Übungsort nutzen wollen.

Ausschussmitglieder zeigen wenig Verständnis

Auch wenn er sich mit seinen 350 Mitarbeitern, davon 100 allein in Schöneck, als Mittelständler bezeichnete, der auf schnelle Verbindungswege geschäftlich angewiesen sei, blieben die Ausschussmitglieder skeptisch. „Warum haben Sie nicht einfach die Baugenehmigung abgewartet, dann wäre doch alles in trockenen Tüchern. So aber habe ich Probleme bei meiner Stimmabgabe“, meinte das FDP-Ausschussmitglied Angelika Klußmann.

Skepsis auch bei Claudia Ditzel (SPD). „Wenn wir mal von einer Win-Win-Situation durch den Landeplatz ausgehen, dann erklären sie mir doch bitte mal den Gewinn für die Allgemeinheit“, wandte sich die SPD-Politikerin direkt an Ebbecke. Doch der wiederholte, dass es zum einen um den Erhalt der Arbeitsplätze gehe und zum anderen als Anlaufstation für Rettungsflüge gedacht sei.

„So ein Verhalten soll keine Schule machen“

Eigentlich lag der Antrag auf Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes schon in der letzten Sitzung zur Abstimmung vor. „Aber auch da war die Verwunderung groß, dass bereits Fakten geschaffen wurden, bevor die Genehmigung überhaupt erst vorliegt“, erinnerte Bürgermeisterin Conny Rück (SPD).

Deshalb sollte sich der Bauausschuss noch einmal damit befassen. Und der hatte am Ende der eingehenden Diskussion immer noch Probleme, der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für die besagte Fläche zuzustimmen. „Wir wollen einfach, dass so ein Verhalten keine Schule macht“, sagte Mühlebach verärgert. Weil aber über den eigentlichen Bebauungsplan auch noch einmal abgestimmt werden muss, machte man mit fünf Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen den Weg für das weitere Bauleitverfahren frei.

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