Kritik aus dem Denkmalamt

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Als Computersimulation bereits fertig: Das „Forum Hanau“ auf der Westseite des Freiheitsplatzes wird von einer großen Mehrheit im Stadtparlament befürwortet. Kritiker haben gleichwohl Proteste angekündigt.

Hanau - Für den Bau eines Einkaufszentrums mit Stadtbibliothek auf dem Freiheitsplatz und der angrenzenden Fläche der früheren Karstadt-Barthel-Immobilien zeichnet sich die erwartet breite Mehrheit ab. Von Erwin Diel

Ausschüsse des Stadtparlaments haben die entsprechenden Bebauungspläne am Dienstag einstimmig beschlossen. Widerstand kam nur von den im Ausschuss nicht stimmberechtigten Linken. Am kommenden Montag wird die Stadtverordnetenversammlung die Planungen endgültig absegnen.

Die Lübecker HBB errichtet auf der Westseite des Freiheitsplatzes ein Einkaufszentrum mit maximal 22.500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die benachbarten Häuser Karstadt und Sport-Barthel werden abgerissen, die Flächen mit Gewerbeimmobilien neu bebaut. Unter dem gesamten Komplex entsteht eine Tiefgarage mit 500 Stellplätzen.

Konkurrenzdruck für Einzelhändler

Im Mittelpunkt der dreistündigen Ausschusssitzung, an dem auch der Ortsbeirat Innenstadt teilnahm, standen die Einwendungen von Anliegern und Behörden zu dem Projekt. Die Stadt habe die Planungen in Abstimmung mit dem Investor verändert, und sich bemüht, eine optimalen Interessensausgleich zu schaffen, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Er sieht dank frühzeitiger und intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Verfahren eine „hohe Akzeptanz“. Es sei „außerordentlich bemerkenswert“, dass ein solches Projekt ohne Gegenwind aus dem örtlichen Einzelhandel umgesetzt werden könne. Der Neubau werde den Konkurrenzdruck verschärfen und könne „jedenfalls kurzfristig zu Umsatzumverteilungen zu Lasten bestehender Einzelhandelslagen führen“. Die neuen Verkaufsflächen sollen mehr Käufer nach Hanau locken und damit die Innenstadt als Einkaufsstandort insgesamt stärken.

Belange des Denkmalschutzes berührt

Eine Einigung hält Kaminsky auch mit dem Eigentümer des so genannten Y-Hauses an der Ecke Freiheitsplatz/Bangertstraße für möglich. Der Eigentümer rügt eine Verschattung unterer Etagen durch den gegenüber geplanten Neubau und sieht Belange des Denkmalschutzes berührt. Der Eigentümer behaupte ein wirtschaftliches Risiko, die Stadt gehe dagegen von einer Wertsteigerung der Immobilie durch das Einkaufszentrum aus. Es gebe Gespräche zwischen Stadt, Eigentümer und Investor und die Bereitschaft, das behauptete wirtschaftliche Risiko zu tragen.

Starke Bedenken hat die Obere Denkmalbehörde gegen die geplante Brücke über die Hammerstraße geäußert, die die Freiheitsplatzbebauung und den Neubau auf dem Ex-Karstadt-Komplex künftig verbindet. Der Übergang störe den historischen Grundriss der Neustadt. Investor und Stadt beharren auf dem 14 Meter breiten Übergang aus Sorge, die künftigen Einzelhandelsgeschäfte auf dem Karstadt-Barthel-Areal könnten von den Besucherströmen des Einkaufszentrums Freiheitsplatz abgeschnitten werden.

Zu den von der Planung Belasteten gehören die Anlieger der Tiefgaragenzufahrt am Bangert. Es sei mit dem Investor vertraglich vereinbart, dass bereits früher und umfassender als rechtlich gefordert Maßnahmen des passiven Schallschutzes für die Betroffenen realisiert werden können, sagte Kaminsky.

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