Hanau setzt weiter auf Zuzug

Kröte contra Wohnhäuser in Großauheim?

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Einfamilien- und Doppelhäuser sollen im südlichen Bereich der früheren New Argonner-Kaserne in Großauheim entstehen.

Grossauheim - Es waren hochtrabende Pläne, die in der Vergangenheit für das frühere US-Sportgelände auf dem Areal der New Argonner-Kaserne in Großauheim ventiliert wurden: Ein Sportzentrum unter Federführung der Turngemeinde Hanau (TGH) könnte dort entstehen, hieß es. Von Christian Spindler 

Spätestens nachdem der Traditionsverein von einer Finanzmisere gebeutelt wurde, und auch die Stadt wegen der Sparauflagen kaum mehr finanziellen Spielraum hat, rückte das ehrgeizige Vorhaben in immer weitere Ferne. Nun ist es vom Tisch. Der neue Plan: Ein Wohngebiet mit 180 Einfamilien- bzw. Doppelhäusern soll auf mehr als zehn Hektar entstehen. Ein Projekt, bei dem freilich mehrere Hürden zu nehmen sind. Die TGH werde „absehbar kein Sportzentrum errichten“ und auch „die Stadt wird das nicht leisten können“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) im parlamentarischen Ausschuss zur Änderung des Bebauungsplans, die der Magistrat nun auf den Weg gebracht hat.

Die Stadt will demnach das derzeit ihr gehörende Gelände an die K.W. Projektsteuerung und Bauträger New Argonner KG des Hanauer Investors Albrecht Krebs zurückgeben, der auch schon das Wohngebiet „Argonner Park“ entwickelt hat. Ein Rückkauf „in Millionenhöhe“, heißt es. Neben Einfamilien- und Doppelhäusern auf Grundstücken zwischen 200 und über 500 Quadratmetern sieht die neue Planung im öffentlichen Bereich weiterhin eine Kindertagesstätte vor sowie einen Sportplatz für die angrenzenden Paul-Gerhardt-Schulen.

Realisierung des Wohngebiets „wird nicht einfach“

Allerdings: Die Realisierung des Wohngebiets „wird nicht einfach“, räumt OB Kaminsky ein. Auch Ralf Werneke vom gleichnamigen Planungsbüro sagt: „Wir werden etliche Probleme lösen müssen.“ Das vordringlichste: Der Lärmschutz an der Bahnlinie. Den will man mit einem 6,50 Meter hohen Wall sicherstellen, der üppig bepflanzt werden soll. Ob das reicht? Grünen-Fraktionschef Kamil Kasalak ist skeptisch: „Wir haben Bedenken.“ Aber auch in Sachen Naturschutz tun sich Hürden auf: Erst vor kurzem ist die Kreuzkröte vom benachbarten Flora-Fauna-Habitat (FFH-Schutzgebiet) in Entwässerungsmulden vor der Paul-Gerhardt-Schule eingewandert. Die kleine Krötenart ist äußerst selten und streng geschützt. In der gesamten Europäischen Union besteht die rechtliche Verpflichtung, die Art und ihre Bestände zu sichern. Wie damit im konkreten Fall umzugehen ist, ist derzeit noch unklar.

In der Hutier-Kaserne sollen neben Gewerbe und Gastronomie auch Wohnungen und ein Ärztezentrum entstehen.

Im Zuge des Aufstellungsverfahrens für einen geänderten Bebauungsplan soll auch „die Deutsche Bahn Farbe bekennen“ (Kaminsky), was ihre Ausbauplanung für die Strecke Hanau-Fulda-Wiesbaden anbelangt. Dass dies das Vorhaben gefährdet, ist indes unwahrscheinlich. Denn eine bahninterne Studie für eine Tunnel-Trasse zwischen Hauptbahnhof und der „Kohlebahn“ (Güterverkehrstraße) soll äußerst vage sein. Wenn das Neubaugebiet auf dem früheren US-Sportgelände realisiert wird, will die Stadt im Gegenzug auf die zuletzt bereits nicht weiter verfolgte Bebauung des „Flurkreuzes“ in Klein-Auheim auch planungsrechtlich verzichten.

Wohnen in „Lamboy Höfen“

Aus dem Jahr 1906 stammen die Hutier-Kasernen-Gebäude, die die Firma R+S Immobilien GmbH (Fulda) von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vor gut drei Jahren gekauft hatte. Der Plan: Die Ansiedlung von Gewerbe in den Bauten zwischen Ruhr- und Johann-Carl-Koch-Straße. Ein Vorhaben, dem bis dato offenbar kein durchschlagender Erfolg beschieden war. Nun soll auch hier der Bebauungsplan geändert werden Ziel: Es soll in den rückwärtigen Gebäuden eine Mischnutzung geben - also auch Wohnungen. „Lamboy Höfe“ soll das neue R+S-Projekt heißen.

Zwei Gebäude an der Lamboystraße hat der Fuldaer Investor bereits saniert, sie werden von Firmen genutzt. Ein weiteres Gebäude an der Ecke Ruhrstraße ist schon vermarktet, das daneben stehende wurde gerade verkauft. Ein Kernstück der künftigen „Lamboy Höfe“: Ein so genanntes „Medicum“ mit Ärzten, Praxen und Gesundheitsangeboten in zwei Gebäuden, erläuterte Armin Alt von R+S bei einer Ausschusssitzung des Stadtparlaments. Im Innenbereich des Hutier-Karrees soll neben einem begrünten Platz auch ein moderner Flachbau für Gastronomie entstehen, sagte Stadtplanungsamtschef Hans-Ulrich Weicker.

Mit der Bebauungsplan-Änderung für die denkmalgeschützte Ex-Kaserne erfolgt die Erschließung des Geländes in privater Hand durch den Investor. Kalkulierte Erschließungskosten von 700.000 Euro entfielen damit für die Stadt. R+S will möglicherweise auch ein Gebäude des Hutier-Ensembles übernehmen, das der städtischen Bauprojekte GmbH gehört. Es war im Zuge der Planungen für die neue Feuerwache gekauft, aber nicht gebraucht worden. „In den nächsten Jahren“, so Manager Alt, wolle R+S die Hutier-Kaserne entwickeln. Wenn dort auch Wohnen möglich wird, dürften freilich Nachzahlungen an die BImA fällig werden. Verhandlungen darüber stünden an, heißt es. Es soll um erhebliche Summen gehen.

cs

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