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Krokodil kam aus dem Krieg

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Spindler, Christian
Annette Nordberg (links) kaufte mit ihrer Familie in Steinheim ein Haus samt Riesen-Krokodilhaut. Wie sich herausstellte, ist das Krokodil ein besonderer Teil einer Familiengeschichte.

Steinheim - Jagdtrophäe eines US-Offiziers? Hinterlassenschaft eines Krokodiljägers in Diensten einer Offenbacher Gerberei? Es gab etliche Hinweise zur Geschichte des Steinheimer Krokodils, über das unsere Zeitung berichtet hat. Von Christian Spindler

Jetzt folgt eine überraschende Wende - und die Auflösung: „Das ist mein Krokodil“, sagt Helga Fecher, die in der Nähe von Aschaffenburg lebt und durch ihre Tochter auf den Artikel aufmerksam wurde. Als sie sechseinhalb Jahre alt war, bekam sie die Krokodilhaut von ihrem Vater geschenkt. Der Soldat war im November 1944 auf Fronturlaub in Steinheim. Es sollte sein letzter sein. Wenige Tage später, am 28. November, fiel er an der Westfront. Er wurde nur 31 Jahre alt.

Dass die heute 74-jährige Helga Fecher so unvermittelt mit dem fünf Meter langen Krokodil und dem letzten Geschenk ihres Vaters konfrontiert wurde, weckt schmerzliche Erinnerungen, hat für sie aber auch etwas Versöhnliches.

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Ihr Vater Karl Baier war seit 1939 im Krieg, erst an der Ostfront, später im Westen in der Nähe von Aachen. Beim Heimaturlaub brachte er seiner Tochter 1944 die fünf Meter lange Haut des Nilkrokodils mit. „Das war ein großes Staunen“, erinnert sich Helga Fecher. „Ich habe das Krokodil immer geputzt.“ Was die kleine Helga damals aufschnappte: Das Krokodil war wohl eine Kriegsbeute und stammt offenbar aus einem Museum in Frankreich. Damals war ein Transport geplündert worden, hat Helge Fecher erfahren, jemand muss den Schädel des Krokodils abgetrennt haben. Ihr Vater, ein passionierter Jäger, nahm die Riesen-Reptilhaut an sich - und schenkte sie seiner Tochter.

Lange hing das Nilkrokodil in einer Kelterei, die die Familie Baier damals an der Ecke Ludwigstraße/Am Marstall nebst Apfelweinwirtschaft betrieb. 1956 wurde beides geschlossen. Das Krokodil kam in das Haus, das Helga Fechers Tante 1936 am Albanusweinberg hatte bauen lassen. Dann fügen sich die anderen Mosaiksteine zusammen. Das Haus war, wie andere dort auch, nach dem Krieg zeitweise von US-Offizieren besetzt. Das Krokodil überdauerte verschiedene Bewohner und kam nun in Besitz der Familie Nordberg, die das Haus in diesem Sommer gekauft hat.

Mittlerweile ist das Steinheimer Krokodil im Senckenberg Museum in Frankfurt und soll womöglich als Anschauungsobjekt für Schulen dienen (wir berichteten). Für Helga Fecher ein versöhnliches Ende des Krokodils, das ein besonderer Teil ihrer Familiengeschichte ist. „Das mit dem Museum freut mich“, sagt sie.

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