„Haus der Musik“ plant deutsch-türkisches Jugend-Chor und -Orchesterprojekt

Kulturübergreifende Kooperationen

Steinheim – Trotz Corona-Krise will das „Haus der Musik“ laut Mitteilung musikalische Nachwuchstalente weiterhin fördern, von der Nachmittagsbetreuung bis zur Hochschulvorbereitung. Seit September verfüge die Hanauer Bildungseinrichtung mit Jan Schiller über einen eigenen Projektmanager, der für die Organisation von Veranstaltungen bis hin zu internationalen Austauschprojekten verantwortlich ist.

Gleich zu Beginn wartet auf den 29-Jährigen eine besondere Herausforderung: In der Woche vom 14. bis zum 18. Oktober 2021 ist ein deutsch-türkisches Jugend- Chor und -Orchester-Event in Hanau und Wiesbaden geplant. 25 Jugendliche aus der Provinz Bursa treffen auf 30 hessische Premiumschüler, um gemeinsam zu proben und zwei Konzerte zu geben – im Congress Park Hanau und in einer Konzertlokation in Wiesbaden. Dabei kooperiert die heimische Talentschmiede mit der Musikschule der Hanauer Partnerstadt Nilüfer. Hintergrund des Vorhabens sind die Beziehungen beider Länder, die sich bereits vor dem rassistischen Anschlag am 19. Februar in Hanau deutlich verschlechtert hatten.

„Wenn wir es schaffen, mithilfe der Kultur wieder für mehr gegenseitiges Verständnis zu werben, können wir einen wichtigen Beitrag für die Freundschaft der Menschen in den beiden Ländern leisten“, ist Jan Schiller überzeugt. Der 29-jährige Hanauer gehört dem neuen Vorstand der Bildungseinrichtung als Schriftführer an und ist zugleich neuer Projektmanager für Kultur und Konzerte. „Das ist in Zeiten zunehmender Spaltung und politischen Unruhen wichtiger denn je“, sagt Schiller. „Musik und Kunst im Allgemeinen sind, wie der Sport, gesellschaftlicher Kitt.“ Dabei denke er auch an die Corona-Krise. So will das „Haus der Musik“ anderen Vereinen und Institutionen dabei helfen, trotz der Pandemie aktiv zu sein und diese bei organisatorischen Aufgaben unterstützen.

Ebenfalls stehe die Familienförderung im Fokus der Talentschmiede. An allen sieben Niederlassungen bietet der Verein Nachmittagsbetreuung für Kinder ab vier Jahren an. „Viele Musikschulen haben ihre Leistungen in der Pandemie heruntergefahren“, betont Vorsitzender Michael Schnadt. „Wir wollen Familien unterstützen.“ Neben der Hausaufgabenbetreuung kämen auch das Spiel und natürlich das Musizieren nicht zu kurz. Betreut werden die Kinder in Kleingruppen mit höchstens fünf Mitgliedern und durch ausgebildete Dozenten.

Auch Erwachsenen möchte die Talentschmiede helfen, die coronabedingte Isolation zu überwinden: In sämtlichen Niederlassungen erfreuten sich die Klavier-AGs großer Nachfrage. Das gelte auch für den Gitarren-Stammtisch, der 14-tägig in Langenselbold stattfindet und zu dessen Auftakt bereits elf Teilnehmer gekommen sind.

Und jetzt ist der Startschuss für ein weiteres Projekt gefallen. So hat das „Haus der Musik“ einen Chor gegründet, der sich ausschließlich italienischsprachigen Stücken widmet. Die Leitung übernimmt Michael Schnadt.

„Es gibt so viele italienischstämmige Menschen in und um Hanau, für die noch kein entsprechendes Angebot besteht“, so Kassenwartin Antonietta Sini, die aus Sardinien stammt. „Mit unserer neuen Formation wollen wir also keinen bestehenden Gesangvereinen Konkurrenz machen, sondern eine vorhandene Lücke schließen.“  das

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