Kunststücke in der Kantine

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Das Weltmeisterrad von 1952 gehört zu den Exponaten, die Sammler Bruno Schmück (rechts) für die Jubiläums-Ausstellung zur Verfügung stellt. Maria Grimm und Herbert Huber nahmen die Zweiräder in Augenschein.

Klein-Auheim - Für den 280 Kilometer langen Rundkurs in Luxemburg brauchte Heinz Müller exakt 7 Stunden, 5 Minuten, 51 Sekunden, Dann war er Fahrradweltmeister. Das war 1952. Dass Müller so schnell unterwegs war, verdankte er auch einem guten Rad. Von Holger Hackendahl

Das stammte aus den Bauer-Werken in Klein-Auheim, die damals ihre Blütezeit erlebten. Dieser Tage wäre das Unternehmen 100 Jahre alt geworden. 1968 ging es in die Insolvenz.

Zum Jubiläum 100 Jahre Bauer-Werke bereitet der Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim eine große Ausstellung vor. Dort wird neben vielen besonderen Exponaten auch das Bauer-Weltmeisterrad von 1952 zu sehen sein.

Bis zu 500 Mitarbeiter waren in den Klein-Auheimer Werkshallen der Firma Bauer beschäftigt. 1968 ging das Unternehmen in die Insolvenz.

Die Ausstellung findet an den Wochenenden, 6. und 7. August sowie 13. und 14 August jeweils von 10 bis 18 Uhr im Zentrum für Ortsgeschichte an der Schönfelder Straße statt. Unter dem Motto „Von der Carbidlampe bis zum Weltmeisterfahrrad“ gehört das Bauer-Jubiläum zur Veranstaltungsreihe „Route der Industriekultur“.

Vorsitzende Maria Grimm und Vorstandsmitglied Herbert Huber haben für die Schau besondere Bauer-Produkte ausfindig gemacht. So steuert etwa der Dietesheimer Techniksammler Bruno Schmück Exponate bei.

1911 war die Firma Bauer in Frankfurt-Fechenheim als Metallwarenhersteller gegründet worden. Drei Jahre später zog das Unternehmen nach Klein-Auheim und widmete sich mit bis zu 500 Beschäftigten der Entwicklung und Herstellung von Fahr- und Motorrädern. Auch Fahrradzubehör wie Dynamos oder Lampen wurden in den Werkshallen gefertigt.

„Die Privatsammler stellen mit ihren Exponaten den Löwenanteil an unserer Ausstellung“, erläutert Maria Grimm. Zwei Bauer-Fahrräder stammen aus der Rosso-Bianco-Sammlung Aschaffenburg. Sie sind Leihgaben im Besitz der Stadt Hanau.

Es gibt viel zu sehen

Im Zentrum für Ortsgeschichte werden an den zwei Wochenenden neben Fahrrädern und Zubehör wie Dynamos und Carbidlampen auch umfangreiches Bauer-Prospektmaterial, Plakate, Kataloge, Anstecknadeln, Fotos oder Rennplaketten zu sehen sein. Auch der letzte noch erhaltene Fahrrad-Montagetisch, an dem einst Drahtesel gefertigt wurden, wird gezeigt.

Bauer-Sachs-Motorräder und Mopeds wurden vor allem in den 50er-Jahren hergestellt.

Viele Blicke auf sich ziehen werden auch Bauer-Sachs-Mopeds aus den frühen 50er Jahren sowie ein 98 Kubik-Motorrad aus der Vorkriegszeit. Aus der Sporthistorie sind Saalräder aus dem Kunstradbereich zu sehen, zudem ein Fahrrad mit Hilfsmotor, der Prototyp eines Tandemfahrrads oder Klappräder.

Bauer unterhielt bis Ende der 50-er Jahre sogar einen eigenen Rennstall. „Weltmeister Heinz Müller wurde nach seinem Titelgewinn ein entsprechender Empfang bereitet“, berichtet Sammler Bruno Schmück. Alte Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, dass es in den Bauer-Werken immer wieder Grund zum Feiern gab. Ein Bild zeigt die Klein-Auheimer Kunstradfahrerin Karin Meyer, die ihre Künste hoch zu Rad in der Bauer-Kantine zeigte.

Ein weiterer Höhepunkt zum Jubiläum ist am Sonntag, 7. August, eine Sternfahrt, zu der am Zentrum für Ortsgeschichte ab 11 Uhr Liebhaber alter Bauer-Fahrräder aus ganz Deutschland erwartet werden.

Die Bauer-Werke meldeten am 6. Dezember 1968 Insolvenz an. „Grund hierfür waren wohl Unregelmäßigkeiten“, so Heimatvereins-Vorsitzende Maria Grimm. Das Fabrikgebäude wurde danach für einige Jahre von der Firma Rowenta betrieben.

Bei der Ausstellung werden auch Zeitzeugen zugegen sein. Etwa Norbert Ostheimer, 1953 Deutscher Jugendmeister im Straßenradfahren, und Eleonore Bauer, Tochter des Mitinhabers Josef Bauer.

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