„Jung & Abgedreht“: Preisträger im Kinopolis gekürt

Teilnahmerekord beim 4. Kurzfilm-Festival

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Mit rund 300 Zuschauern war der große Saal des Kinopolis fast voll besetzt, in dem die 26 Finalbeiträge des Kurzfilm-Wettbewerbs „Jung & Abgedreht“ gezeigt wurden.

Hanau - Der größte Saal im Hanauer „Kinopolis“ war am Sonntagnachmittag wieder voll besetzt, als die Entscheidung über die besten der insgesamt 26 ausgewählten Arbeiten in vier Kategorien des Hanauer Kurzfilmfestivals „Jung & Abgedreht“ fielen.

Und nicht nur die Jury durfte urteilen. Auch die Gäste konnten ihre Favoriten ankreuzen und über die Vergaben des Publikumspreises entscheiden. Moderatorin Dominique Macri eröffnete den Filmnachmittag gewohnt locker-flockig und Oberbürgermeister Claus Kaminsky ließ es sich nicht nehmen, die mittlerweile weit über Hanau hinausreichende Bedeutung des von der Hanauer Kulturverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Studio „Schnittstelle“ vor vier Jahren ins Leben gerufenen Festivals zu unterstreichen. Mit mehr als 40 Einsendungen konnten die Festivalmacher einen neuen Teilnehmerrekord verbuchen. Kaminsky dankte ausdrücklich allen Sponsoren, die mit dafür gesorgt haben, das Kurzfilmfestival trotz Sparzwang zu erhalten.

Die Beiträge, die nach einem Videogrußwort des Schirmherren, Schauspieler Dominic Raake, über die große Leinwand flimmerten, bestachen durch Inhalt und Qualität. Schon in der ersten Gruppe mit Filmen von 14- bis 17-jährigen Teilnehmern, bewiesen die jungen Filmemacher große Kreativität. In „Coloureful“ lebt eine Hanauer Jugendliche in einer schwarz-weißen Welt. Die Kamera begleitet die junge Frau auf ihrem Weg durch eine graue Stadt und durch den grauen Alltag, folgt ihr bis in den nächtlichen Traum, in dem die Welt dann plötzlich bunt wird. Und nach dem Erwachen ist wieder alles schwarz-weiß. Alles, bis auf eines der Kuscheltiere neben dem Bett. Und als die Protagonistin dieses erstaunt berührt, geht die Farbe auf sie über, auf das Zimmer, auf die Straßen, die Menschen, die Stadt.

Auch die Filmworkshopwoche war gut besucht

Mit rund 300 Zuschauern war der große Saal des Kinopolis fast voll besetzt, in dem die 26 Finalbeiträge des Kurzfilm-Wettbewerbs „Jung & Abgedreht“ gezeigt wurden.

Die Arbeit war das Ergebnis einer gut besuchten Filmworkshopwoche, die im Herbst von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung ausgeschrieben und ausgerichtet worden war. Das Ergebnis war überzeugend.

Ebenso beim Streifen „The Past,“ bei dem ein ständig gemobbter Schüler sich irgendwann wehrt. Mit fatalen Folgen für alle Beteiligten. Im Stile eines Stummfilms haben junge Filmemacher aus Seligenstadt ihre „Kopftuchliebe“ inszeniert. Da wirkt der große Bruder von Medina, die sich in einen christlichen Jungen verliebt hat, schon gewaltbereit, um die Beziehung zu unterbinden. Aber im Traum erscheint ihm der verstorbene „Babba“ und lässt ihn wissen, dass die Verbindung in Ordnung sei. In „Toleranz“ begegnen an Vielfalt gewohnte Jugendliche der Minderheit von Neonazis mit einem ungewohnten Mittel: die Finger der zum Hitlergruß erhobenen Hände werden einfach abgeknickt, bis sie ein Peace-Zeichen zeigen.

Deutliche politische und gesellschaftliche Stellungnahmen, nachdenkliche Streifen über Themen wie Liebe, Karriere oder mangelndes Selbstwertgefühl. So umfänglich die Themen, so vielfältig auch die technischen Mittel, mit denen die selbst verfassten Drehbücher der Kurzfilme in allen Kategorien umgesetzt worden sind. Bis hin zu nicht ganz jugendfrei, so dass beim letzten Film in der Kategorie der 18- bis 27- jährigen Filmemacher die unter 16-Jährigen mit einer Aktion aus dem Vorführsaal gelockt wurden, um den gesetzlichen Vorschriften Genüge zu tun. dk

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