Anklage: Betriebsausgaben massiv fingiert

Landgericht Hanau: Montagefirma soll rund 1,1 Millionen an Steuern hinterzogen haben

+
Die Firma soll über eine Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben.

Ein 44-Jähriger musste sich vor der 5. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht verantworten. Die Anklage: Er soll den Fiskus um Einkommen-, Gewerbe und Umsatzsteuer von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro betrogen haben

 „Ich habe doch Verträge mit diesen Firmen, die Buchungen liegen alle vor“, beteuert der 44-jährige A. zu seiner Verteidigung. „Ich habe diese Leute zur Unterstützung gebraucht, weil wir viele Aufträge hatten“, so der gelernte Schreiner, der in Hanau als Möbelmonteur gearbeitet hat und sich darauf spezialisiert hat, bundesweit für namhafte Firmen vor allem Küchen auf- und abzubauen. Die Geschäfte scheinen zu florieren. 

Und so habe er, als Geschäftsführer eines Einzelunternehmens, „immer flexibel“ sein müssen. Habe Mitarbeiter und Transportunternehmen ausleihen – und die Leistungen bezahlen müssen. Das sagt A., der zusammen mit seinem Verteidiger auf der Anklagebank der 5. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht sitzt. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze glaubt dem Angeklagten, dass dieser ganz ordentlich gearbeitet und Gewinn gemacht hat. 

„Er hat in seinen Steuererklärungen Betriebsausgaben bewusst zu hoch angesetzt“

Aber Heinze hat vor sich einen dicken Aktenstapel, mit dessen Inhalt er A. konfrontiert und schwere Vorwürfe erhebt. Denn der 44-Jährige soll auch bei seinen Steuererklärungen recht „flexibel“ vorgegangen sein. „Er hat Steuern verkürzt und Steuerhinterziehung im großen Ausmaß betrieben“, so Heinze, der danach – wie gewohnt – aus zwei Anklageschriften riesige Zahlenkolonnen in schnellem Tempo und ohne Versprecher vorträgt, kommt unter dem Strich zu einer erheblichen Summe: Der Angeklagte soll den Fiskus um Einkommen-, Gewerbe und Umsatzsteuer von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro betrogen haben. 

„Er hat in seinen Steuererklärungen Betriebsausgaben bewusst zu hoch angesetzt“, so der Oberstaatsanwalt zur Vorgehensweise. Diese offenbar kriminellen Gewinne kommen jedoch ans Tageslicht, als die Steuerfahndung des Finanzamts die Unterlagen unter die Lupe nimmt und einen bösen Verdacht hat: Offenbar gibt es in der Region ein „Netzwerk“, das sich gegenseitig Rechnungen stellt. „Es sind fingierte Rechnungen“, meint Heinze. Es seien „Fremdleistungen und Transporte, die es gar nicht gegeben hat“. Als Betriebsausgaben stehen sie jedoch in den Erklärungen an das Finanzamt. „Steuerverkürzung“ heißt das im Juristendeutsch. 

Fünf weitere Verhandlungstage sind anberaumt

Für den Schreiner, der die Vorwürfe abstreitet, geht es um viel. Ihm droht im Falle eines Schuldspruchs eine Freiheitsstrafe. Und auch finanziell könnte es unangenehm werden, denn der Oberstaatsanwalt hat bereits beantragt, dass A. für den entstandenen Steuerschaden gerade stehen muss – im schlimmsten Falle also 1,1 Millionen Euro von ihm eingezogen werden. Weil zahlreiche Zeugen, vor allem die angeblichen Subunternehmer, gehört werden müssen, ist der Prozess zunächst auf fünf weitere Verhandlungstage angesetzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare