Streit unter Döner-Bratern eskaliert

Versuchter Totschlag: Sechs Jahre Haft für Messerstecher

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Hanau - Für die Messerattacke auf einen 28-jährigen Ex-Kollegen am Abend des 10. Dezember vergangenen Jahres auf dem Freiheitsplatz schickt die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Hanau den 26-jährigen Yunus A. für sechs Jahre in Haft. Von Erwin Diel

Für die Kammer hat sich der Angeklagte des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert, der Verteidiger für eine Bewährungsstrafe plädiert, weil sein Mandant angegriffen worden sei und in Notwehr gehandelt habe. Dem Notwehr-Gedanken mochte das Gericht nicht folgen. Dagegen spreche schon, dass das Opfer vom Täter regelrecht verfolgt wurde und dabei mit mehreren heftig ausgeführten Stichen mit einem Fleischmesser verletzt worden ist.

Der Angeklagte bleib bis zum Urteilsspruch seiner Linie treu, sich selbst als Opfer darzustellen. Nach seinem 40-minütigen, weinend vorgetragenen Schlusswort am letzten Verhandlungstag (wir berichteten), hatte der Mann noch einen Brief an die Schwurgerichtskammer geschrieben. Er müsse sofort freigelassen werden, damit er in Deutschland eine Ausbildung machen oder studieren könne.

Vorgänge von Stadtbus gefilmt

Das Ansinnen mache die Kammer doch etwas betroffen. „Sie haben doch auch den Film gesehen,“ rief der Vorsitzende Richter Dr. Grasmück dem Angeklagten in Erinnerung. Da sei deutlich zu sehen, dass Yunus A. hinter dem Opfer mit dem Messer her renne und versuche, mehrfach einzustechen. Die Vorgänge auf dem Freiheitsplatz waren teilweise von der Videokamera eines Stadtbusses aufgenommen worden. „Ich kenne kein Land der Welt, das sowas ungestraft durchgehen lässt,“ sagte Grasmück.

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Der Kurde war im Januar vergangenen Jahres nach Bayern eingereist und hatte Asyl beantragt. In Hanau hielt er sich im Dezember widerrechtlich auf, arbeitete illegal in einer Dönerbude an der Fahrstraße. Dort war auch sein ebenfalls aus der Türkei stammendes Opfer zeitweise beschäftigt. Die Männer hatten sich im Verlauf des Tattages in dem Imbiss gestritten. Nach Schließung des Lokals trafen die Kontrahenten auf dem Freiheitsplatz aufeinander, traktierten sich zunächst mit Fäusten. Dann, davon ist das Gericht nach Zeugenaussagen unter anderem eines Busfahrers überzeugt, zog der Angeklagte ein aus der Dönerbude mitgebrachtes Messer und ging auf seinen Ex-Kollegen los. Der Mann erlitt fünf Stiche in Bein und Rücken, zwei davon führten zu lebensbedrohlichen Blutungen. Das Opfer überlebte nur dank einer Notoperation im nahen Klinikum.

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Die Heftigkeit und Hartnäckigkeit, mit der Yunus A. mit der 20 Zentimeter langen Klinge seinem Opfer zusetzte, könne nur als Tötungsabsicht gewertet werden, so das Gericht. Die vom Angeklagten vorgebrachten Erinnerungslücken an das Geschehen „nehmen wir Ihnen nicht ab“. Die Kammer hält den Kurden, der in seiner Heimat gefoltert worden sein will, für voll schuldfähig. Auch eine Tat in einem schweren Affekt sei auszuschließen. Dagegen spreche schon der sehr lange und komplexe Tatablauf. Das Gericht ordnete die Fortdauer der Haft an. Gegen das Urteil ist Revision zulässig.

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