Landrat unterstützt Hanau bei seinem Bemühungen, die 400 Sportsfield-Wohnungen zu erhalten

„Nur der Gesetzgeber kann einen Ausweg weisen“

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Landrat unterstützt Hanau bei seinem Bemühungen, die 400 Sportsfield-Wohnungen zu erhalten

Hanau bekommt Unterstützung bei seinen Bemühungen, die ehemaligen US-Wohnblocks der Sportsfield Housing im Stadtteil Wolfgang als Wohnungen zu erhalten.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – „In einer Zeit des Wohnungsmangels und der enorm steigenden Hanau/Main-Durchschnittsmieten ist es völlig unverständlich, dass Wohngebäude, die jahrzehntelang gut genutzt werden konnten, nun nicht mehr nutzbar sein sollen“, so Landrat Thorsten Stolz (SPD).

Kurzfristig könnten 400 zusätzliche Wohneinheiten auf den Markt gebracht werden. Wie berichtet, steht die geltende Rechtslage dem entgegen. Demnach dürfen die Wohnungen wegen der Nähe zum benachbarten Reifenhersteller Goodyear Dunlop nicht dauerhaft bewohnt werden. „Das lässt sich schwerlich nachvollziehen, geschweige denn akzeptieren“, unterstützt Stolz die Position der Stadt Hanau.

Die 22 gut erhaltenen Wohnblocks, die zuletzt für die Flüchtlingsunterbringungen für rund sechs Millionen Euro an öffentlichen Geldern hergerichtet wurden, sind im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Stadt will Sportsfield Housing kaufen. Mit ihrer jüngsten Initiative strebt sie an, dass ins Baugesetzbuch eine Experimentierklausel aufgenommen wird, die in solchen Fällen eine Ausnahmegenehmigung für Wohnungen zulässt.

Nach derzeitigem Stand ist eine Neunutzung zum Wohnen rechtlich nicht möglich, da der Abstand zu den Werks-hallen von Goodyear Dunlop unter- und die Lärm- und Geruchsimmissionen zulässige Werte überschritten werden.

„Ich kann jeden Standortbürgermeister verstehen, in dessen Brust zwei Herzen schlagen: Wohnungen werden dringend gebraucht und könnten hier in Kürze nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig braucht man Rechtssicherheit, um vor der Projektentwicklung eines weiteren Wohngebiets dieser Größe mit allen weiteren notwendigen Maßnahmen für die soziale Infrastruktur kein zu hohes Risiko einzugehen. Den rechtssicheren Ausweg kann nur der Gesetzgeber in Berlin und Wiesbaden weisen“, so der Landrat. Er hat sich nun, wie bereits die Stadt Hanau, an Berlin und Wiesbaden mit der Bitte gewandt, „die bau- und immissionsschutzrechtlichen Optionen konstruktiv im Sinne der stark wachsenden Rhein-Main-Region zu überprüfen“. Stolz fordert, die anstehende Novellierung des Baugesetzbuchs zu nutzen, um den Städten und Gemeinden eine leichtere Ausweisung und Entwicklung von Wohngebieten zu ermöglichen. „Es ist klar, dass die Gesundheit und die Lebensqualität der Bürger höchste Güter sind, die es zu schützen gilt. Doch die Spielräume bei Grenzwerten und der Häufigkeit von Überschreitungen sollte sich die Gesetzgeber noch einmal vornehmen.“

Ob Sportsfield Housing für Wohnzwecke oder nur als Gewerbegebiet genutzt werden kann – den 22 Wohngebäude droht dann der Abriss –, hat freilich auch Auswirkungen auf den Kaufpreis. Falls die Wohnnutzung nicht kommt, werden als Optionen die Ansiedlung städtischer Betriebe (Bauhof, Wertstoffhof, HSB) und ein Nahversorgungszentrum gehandelt.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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