Viel Luft fürs Gewölbe

Langzeitprojekt der Gastronomie in Philippsruhe auf Zielgerade

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Das künftige Wirtshaus im Gewölbekeller von Schloss Philippsruhe an prominenter Stelle am Mainufer soll 120 Sitzplätze bieten. Bei unbestuhlten Veranstaltungen sind bis zu 300 Personen zugelassen.

Hanau - Kein Gastronomie-Umbau in Hanau hat für so viele Schlagzeilen gesorgt wie die Lokalitäten von Schloss Philippsruhe. Und für so viele Verzögerungen. Zuletzt musste die immer wieder angekündigte Eröffnung des Gewölbekellers erneut verschoben werden. Von Christian Spindler

Nun wähnt man sich endlich auf der Zielgeraden. Thorsten Bamberger kann ausführlich über Bauvorschriften reden, DIN-Normen, Brandschutzvorgaben, Plasma-Luftreiniger, Fettabscheider oder Inhaltsstoffe von Mitteln, mit den man historisches Mauerwerk abstrahlen und versiegeln kann. „Ich habe viel gelernt auf dieser Baustelle“, sagt er in der künftigen Küche des Gewölbekellers, wo die Lüftungsanlage zentimetergenau ans Halbrund der Decke angepasst wurde. Im Technikraum laufen jede Menge Rohre zusammen. Ein Stück weiter zieht Bamberger Bretter von einem Schacht. Ein breites Rohr verschwindet hier tief im Boden. Einige Meter von der Außenmauer entfernt kommt es im Freien wieder zum Vorschein. Es ist Teil der aufwendigen Lüftungsanlage, die eingebaut werden musste. Auch das Installieren einer großen Fettabscheideanlage, die alle Abwässer filtert, bevor sie in die Kanalisation gelangen, war kein leichtes, dafür ein teures Unterfangen.

Das gerade entstehende Funktionsgebäude soll Haustechnik und Müllcontainer aufnehmen. Es wird mit Corten-Stahl verkleidet.

Bamberger ist einer der bekanntesten Gastronomen in Hanau. Seit 18 Jahren betreibt der gelernte Kfz-Mechaniker den Culture Club in Wolfgang, eine Lokalität mit Veranstaltungsbühne und Restaurant. Zuvor organisierte er bereits große Partys und Feiern. Zwischenzeitlich führte Bamberger außerdem die Congress-Park-Gastronomie und war fürs Festspiel-Catering zuständig. 2014 bekam er den Zuschlag als neuer Pächter der Gastronomie von Schloss Philippsruhe mit Weißem Saal, „Schlossstube“ und Gewölbekeller. Eigentlich sollten die Sanierungsarbeiten recht schnell gehen. Aber es gab Verzögerung um Verzögerung. Ins Schlossgebälk hatte sich der Hausschwamm gefressen, unerwartet wurden Fresken gefunden, vor dem Gewölbekeller waren zwischenzeitlich Archäologen zugange, und und und. Zudem sollen Dissonanzen zwischen Baufachleuten der Stadt und dem Pächter zu Verzögerungen beigetragen haben.

Nachdem die Schlossterrasse schon seit Jahren in Betrieb ist - Saisoneröffnung ist am 1. Mai - wurden Ende vorigen Jahres die neue „Schlossstube“ und dann der sanierte Weiße Saal eröffnet. Letzterer ist „mittlerweile an Wochenenden bis Herbst ausgebucht“, freut sich der 50-jährige Gastronom, der auch an einer Schlossgastronomie in Weinheim beteiligt ist.

Allein beim Gewölbekeller ging es nicht so recht voran. Avisierte Eröffnungstermine wurden immer wieder verschoben. Auch der zuletzt genannte 1. Mai ist nicht zu halten. „Weil es so lange kalt war, konnten Außenrohre nicht geschweißt werden“, sagt Bamberger. Das ist nun aber erledigt. Im Gewölbekeller selbst werden gerade kubusförmige Einbauten unter anderem für Toiletten und Theke installiert. Und der städtische Eigenbetrieb Immobilien- und Baumanagement lässt ein Funktionsgebäude vor dem Gewölbekeller errichten, in dem auch die Lüftungsrohre münden. 90.000 Euro soll das kosten.

Bilder: Bürgerfest in Hanau

Bamberger selbst hat nach eigenen Angaben mehrere hunderttausend Euro in den Ausbau des Gewölbekellers gesteckt. Im Gegenzug hat ihm die Stadt ein mietfreies Nutzungsrecht über 15 Jahre eingeräumt. Für Weißen Saal, Schlossstube und Terrasse zahlt der Unternehmer freilich Pacht.

Im Gewölbekeller, der effektvoll illuminiert werden soll, sollen moderne und wenige rustikale Elemente verbunden werden. Ausgeschenkt wird Allgäuer Bier. Die Speisekarte soll dazu passend sein. Beiderseits des Eingangs ist zunächst eine Außengastronomie für 60 bis 80 Gäste vorgesehen. Keller und die Gastronomie am Mainuferweg sollen von Mittwoch bis Freitag jeweils abends, samstags und sonntags auch tagsüber offen haben. Und wann geht es denn nun los? „Ich will das noch im Mai schaffen“, sagt Bamberger. Von der Stadt heißt es, dass es wohl Juni wird. Für nächstes Jahr plant Bamberger neben dem Gewölbekeller noch einen großen SB-Biergarten nach bayerischem Vorbild. Wer mag, soll sein Essen selbst mitbringen können.

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