Neuer Verein praktiziert „Foodsharing“

„Lebensmittel teilen, statt sie zu vergeuden“

Die Lebensmittelretter von „Foodsharing Hanau und Main-Kinzig-Kreis“ kooperieren auch mit einigen Beschickern des Hanauer Wochenmarktes.
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Die Lebensmittelretter von „Foodsharing Hanau und Main-Kinzig-Kreis“ kooperieren auch mit einigen Beschickern des Hanauer Wochenmarktes.

Hanau - Der Vergeudung von Lebensmitteln hat der neue Verein „Foodsharing Hanau und Main-Kinzig-Kreis“ den Kampf angesagt. Mit Informationen und Aktionen wollen die Vereinsmitglieder zu einem bewussten Umgang mit den Gaben der Natur beitragen. Von Dieter Kögel

Das Konzept, das die Lebensmittelretter in und um Hanau bereits seit längerer Zeit verfolgen, ist ein denkbar Einfaches. Über Facebook oder über eine App auf dem Smartphone teilen die angeschlossenen Partner mit, was sie an Lebensmitteln abgeben wollen. Abnehmer nehmen Kontakt auf und vereinbaren einen Abholtermin. Was ansonsten in den Müll gewandert wäre, erfährt so eine sinnvolle Weiterverarbeitung, sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Bernt. Er selbst zählt auch zu den „Abholern.“ Zweimal in der Woche besucht er kooperierende Händler im Bereich Hanau, sammelt Obst, Gemüse und Backwaren ein, die ansonsten als Abfall enden würden. Und über die elektronische Kommunikation stellt er die aktuellen Angebote für die Interessenten ins Netz oder in die App zur kostenlosen Abholung.

Rund 150 Menschen verschiedenen Alters nehmen im Hanauer Bereich an dieser Art der Lebensmittelweiterverwendung teil, etwa 30 sind es, die sich bei Bernt im Bruchköbler Bereich versorgen. „Tendenz steigend,“ wie der Vereinsvorsitzende sagt. Denn das Thema bewegt auch jenseits der Not durch Bedürftigkeit. Dass etwa ein Drittel der Lebensmittel auf dem Müll lande, das sei schlichtweg nicht hinnehmbar. Die seit Jahren bundesweit agierende Foodsharing-Bewegung, von der auch die Hanauer Gruppe mit ihren derzeit rund 42 Mitgliedern ein Teil ist, setzt der Vernichtung deshalb den Gedanken des Teilens entgegen.

Wirbt für einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln: Thomas Bernt.

Die Rettung der Lebensmittel, die ansonsten auf dem Müll landen würden, ist für Thomas Bernt und seine Mitstreiter ein Aspekt. Ein weiterer Gesichtspunkt in der Vereinsarbeit ist die Verarbeitung. Im Generationenzentrum von Hanau-Nord beispielsweise wird zuweilen gemeinsam gekocht – natürlich mit „geretteten Lebensmitteln“ als Zutaten. Dabei gibt es Informationen über die Gemüsesorten, auch solche, die weniger häufig in den Küchen auftauchen. Verarbeitungs- und Zubereitungstipps werden gegeben, Rezepte ausgetauscht, die Wertschätzung für die Naturprodukte wird vertieft.

„Das sind Abende, die für alle offen sind,“ sagt Thomas Bernt. Der Verein will sie zur regelmäßigen Einrichtung werden lassen. Die Anerkennung als gemeinnütziger Verein, auf die der Verein noch wartet, soll weitere Türen öffnen. Beispielsweise für die Nutzungsmöglichkeit öffentlicher Einrichtungen. Denn auf die kostenlose Überlassung der Räume ist der Verein angewiesen, der weder Mitgliedsbeiträge erhebt noch Geld einnimmt für die Weitergabe von Lebensmitteln. Die gesamte Arbeit wird ehrenamtlich und kostenlos geleistet.

Als Konkurrenz für die Tafeln sehen sich die Lebensmittelretter keineswegs. „Die Tafeln“, so Thomas Bernt, „haben immer Vorrang.“ Aber es ist trotzdem noch genug da. Auch und gerade weil die Lebensmittelretter die Spenden abholen und am selben Tag noch an die Endverbraucher zur Verarbeitung weitergeben können.

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Neben einem zentralen Lager für die gesammelten Lebensmittel, aus dem die Spenden abgeholt werden können, wünscht sich der Verein vor allem auch „eine mobile Küche,“ sagt Bernt. Eine mobile Küche, mit der man auch auf öffentlichen Plätzen auffahren und zeigen könne, wie man was aus den wertvollen Naturprodukten machen kann. Denn Information steht bei der Arbeit von „Foodsharing Hanau und Main-Kinzig-Kreis“ mit an vorderer Stelle der Vereinsaufgaben. Auch Schulen will man für dieses Angebot gewinnen. Aktuelle Termine und Informationen können auf der Internetseite der Hanauer Lebensmittelretter unter www.foodsharing-hu-mkk.de abgerufen werden. Mit dem Abo des vereinseigenen Newsletters bleiben die Empfänger ständig auf dem Laufenden.

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