„Hanaus größtes Klassenzimmer“ 

Lernen in der Stadtbibliothek wird immer beliebter

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Fast jeder Platz ist besetzt: Auch gestern Nachmittag nutzten etliche Jugendliche die Hanauer Stadtbibliothek als Lernort.

Konzentriert sitzen Jugendlichen an den Tischen, einzeln oder in Gruppen. Vor ihnen liegen Bücher und Hefte, einige haben ihre Laptops dabei. Es herrscht eine ruhige Arbeitsatmosphäre, so wie sie sich viele Lehrer sicher wünschen. Von Dirk Iding

Hanau – Doch es ist keine Schule, in der hier gelernt wird. Es ist die Stadtbibliothek im Kulturforum am Freiheitsplatz. Sie hat sich zu einem unter Jugendlichen außerordentlich beliebten Lernort entwickelt. Fast könnte man von Hanaus größtem Klassenzimmer sprechen.

Auch der 18-jährige Jan kommt regelmäßig zum Lernen in die Stadtbibliothek: „Hier ist es einfach cool. Man hat alles, was man braucht zum Lernen, vor allem aber auch seine Ruhe.“

Auf diese Entwicklung der Stadtbibliothek zum außerschulischen Lernort ist Beate Schwarz-Simon, Leiterin des Kulturforums am Freiheitsplatz, besonders stolz. Sie präsentierte im Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung den Jahresbericht 2018 für das Kulturforum, in dem neben der Stadtbibliothek auch das Stadtarchiv und das Medienzentrum, die Bildungsberatung Hessen-Campus, der Hanauer Geschichtsverein sowie die Wetterauische Gesellschaft zu finden sind.

Neu hinzugekommen ist im Herbst 2018 die „Lernwerkstatt“, eine Kooperation von Volkshochschule, Hessencampus und Stadtbibliothek, die hilft, das Lernen zu lernen. Dabei unterstützen sogenannte „Lernbegleiter“ niedrigschwellig Menschen, die lernen möchten. Ein Schwerpunkt der Lernwerkstatt ist die Alphabetisierung.

Die wachsende Bedeutung der Stadtbibliothek als Lernort nicht nur für Jugendliche unterstreicht, dass im vergangenen Jahr weitere 13 Tische aufgestellt werden mussten. Im Kulturforum gibt es nun rund 180 Lernplätze – auch in separaten Lernräume, die nahezu durchgehend belegt sind.

Digitale Infrastruktur

Zur digitalen Infrastruktur gehören 16 PCs mit Office-Paket, Drucker und Internetanschluss. Sie seien durchschnittlich zu 70 Prozent ausgelastet, erklärte Schwarz-Simon. Zusätzlich würden sich jeden Monat rund 4000 Besucherinnen und Besuchern mit ihren Laptops, Tablets oder Smartphones ins WLAN des Kulturforums einwählen und ein Datenvolumen von insgesamt rund drei Terra-Byte bewegen.

Im vergangenen Jahr verbuchte die Hanauer Stadtbibliothek mehr als 384.350 Medienausleihen, wobei die Ausleihezahl bei den analogen Medien leicht zurückging und durch den Anstieg der Ausleihen von digitalen Medien nicht kompensiert werden konnte. 2017 wurden noch fast 414.800 Medien ausgeliehen.

Fast 13.000 Bibliotheksausweise sind mittlerweile ausgegeben. 28 Prozent der Bibliotheksausweis-Besitzer seien Schüler, Studenten und Auszubildende, die die Stadtbibliothek vor allem als Lernort nutzten, so Schwarz-Simon. Die Zahl der tatsächlich dort Lernenden sei aber weit größer, da man die Infrastruktur der Stadtbibliothek auch ohne Leseausweis nutzen könne.

Leseclubs für Kinder in digitalen Zeiten

Dass die Hanauer Stadtbibliothek auch von Menschen weit über die Grenzen der Brüder-Grimm-Stadt hinaus genutzt wird, zeigt ein Blick auf die Inhaber eines Leseausweises. Lediglich 8695 Bibliotheksausweise wurden für Hanauer ausgestellt. 3291 Frauen, Männer und Kinder, die regelmäßig die Hanauer Stadtbibliothek nutzen, kommen aus dem Main-Kinzig-Kreis. Daneben gibt es zahlreiche Nutzer aus Stadt und Kreis Offenbach, Frankfurt, ja sogar aus dem Wetteraukreis und dem Kahlgrund.

Allerdings hat all das auch seinen Preis: 2,1 Millionen Euro investierte die Stadt Hanau in die Erstausstattung des Kulturforums. Jährlich fällt eine Miete von 1,71 Millionen Euro an, hinzu kommen jährliche Betriebskosten in Höhe von mehr als 530.800 Euro. Dagegen nehmen sich die Einnahmen aus den Gebühren für die Leseausweise mit rund 9500 Euro bescheiden aus. Ein Leseausweis kostet 24 Euro im Jahr für Erwachsene. Kinder und Jugendliche sowie Schüler und Studenten über 18 Jahre zahlen keine Gebühren.

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