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Wohnen in der US-Kaserne

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Von: Lisa Mariella Löw

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Bauen unter Denkmalschutz: In einem der zehn „Brüder“ im Pioneer Park entsteht derzeit das Ärztezentrum Chariseum.
Bauen unter Denkmalschutz: In einem der zehn „Brüder“ im Pioneer Park entsteht derzeit das Ärztezentrum Chariseum. © PATRICK SCHEIBER

32 Mietwohnungen entstehen in einem der zehn „Brüder“ im Pioneer Park.

Hanau – Der Bohrer meißelt schrill eine Trennwand auf. Nebenan zerteilt die Säge Betonplatten. Bagger heben Sandgruben aus. Rüttelplatten verdichten den Boden. Hämmer schlagen gegen Wände. Kurzum: Es ist laut auf der Großbaustelle im Pioneer Park. Auf dem Gelände der ehemaligen US-amerikanischen Kaserne entstehen aktuell neben einem Hotel und dem Ärztezentrum Chariseum in zwei der zehn „Brüder“ derzeit 32 Mietwohnungen über dem ehemaligen Kasino. Urban-Projects-Geschäftsführerin Dr. Nadja Henkel hat bei einer Leserführung unserer Zeitung gezeigt, wie das Wohnkonzept aussehen soll.

Die Kaserne, die ursprünglich das deutsche Eisenbahnregiment beherbergte, wurde 1938 fertiggestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen US- Soldaten in die Kaserne. Fast 100 Jahre später stehen Teile des Geländes unter Denkmalschutz. Daher gibt es beim Bauen für die Urban Projects GmbH einige Vorgaben zu beachten: „Für alle Bäume, die auf der Fläche stehen, übernehmen wir im Fall eines Schadens Haftung“, sagt Dr. Henkel. Das kann mitunter ganz schön teuer werden. Die wertvollste Pflanze ist eine Rotbuche im Wert von 250 000 Euro.

Die Mietwohnungen selbst entstehen oberhalb des ehemaligen Speisesaals. Denn im Speisesaal selbst darf – ebenfalls wegen des Denkmalschutzes – nichts verändert werden. Der Raum, in dem täglich 5000 Essen an amerikanische Soldaten ausgegeben wurden, soll immer in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden können. So können nachfolgende Generationen auch in 100 Jahren noch die Geschichte des Ortes rekonstruieren. Genutzt werden soll er voraussichtlich für Büroflächen.

Auf den Speisesaal werden rechts und links Betonflügel gebaut. Von der 50-Quadratmeter-Wohnung bis zur 150-Quadratmeter-Penthouse-Maisonette sollen bis Ende des Jahres 32 barrierefreie Mietwohungen entstehen.

Bislang stehen nur die Grundrisse. Über eine sogenannte freihängende Faltwerktreppe führt Dr. Henkel die Leser in den Rohbau eines zukünftigen Zwei-Zimmer-Heims: „Unabhängiges Wohnen mit einem persönlichen Rückzugsort in den eigenen vier Wänden, gesellige Abende in der Gemeinschaftslobby und ein umfassender Service durch eine Concierge sind die drei Kernpunkte unseres Wohnkonzeptes“, sagt die Geschäftsführerin. Die Gruppe steht in einem 50-Quadratmeter-Domizil mit Blick auf den Pioneer Park. Auch ein Balkon soll dazu einladen, die Aussicht zu genießen. Küche, Bad, Boden und Smarthome sollen als Grundausstattung in jeder Wohnung enthalten sein.

Urban-Projects-Geschäftsführerin Dr. Nadja Henkel (links) führte Leser durch das Gebäude.
Urban-Projects-Geschäftsführerin Dr. Nadja Henkel (links) führte Leser durch das Gebäude. © Patrick Scheiber

Einst hat Leser Robert Lee Kegerreich während des Kalten Krieges als amerikanischer Soldat auf dem Gelände des Pioneer Parks gedient. Nun interessieren er und seine Frau sich für eine der Wohnungen in der ehemaligen Kaserne - „aber größer als 50 Quadratmeter, damit auch unsere Klamotten ins Schlafzimmer passen“, sagt er augenzwinkernd.

Die größeren Mieteinheiten werden zurzeit noch gebaut. Einige werden zwei Schlafzimmer und zwei Bäder bekommen: „Für jeden Anspruch wird es die passende Wohnung geben“, sagt Dr. Henkel.

Die Tiefgarage werde etwa 40 Stellplätze bieten. Ab Juli wolle die Urban Projects GmbH mit der Mietersuche beginnen. Die Quadratmeterpreise werden sich voraussichtlich zwischen 16 und 18 Euro bewegen, teilt Dr. Henkel mit.

Bereits zum Jahreswechsel könnten die ersten Mieter einziehen. Bis es so weit ist, werden noch viele Bagger und Bohrer auf der Baustelle im Einsatz sein. „Wir sind beeindruckt, wie schnell die Wohnungen entstehen und wie viele Arbeiter hier sind“, sagt Robert Lee Kegerreich. (von Lisa Mariella Löw)

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