Corona-Krise

Licht bleibt aus im Lichtspielhaus Lockerungsregelungen nur schwer umsetzbar: Kinopolis Hanau wird auch weiterhin keine Filme zeigen

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Seit Mitte März ist das Kinopolis Hanau geschlossen. Den Filmfreunden bleibt bis auf unbestimmte Zeit nur das Kopfkino, denn Stand jetzt wird das Lichtspielhaus auch nicht so schnell wieder öffnen können.

Die Popcorn-Maschine bleibt ausgeschaltet, die 58 Mitarbeiter sind beschäftigungslos und die 13 Fest- oder Teilzeitkräfte in 100 Prozent Kurzarbeit. Eine kleine Mannschaft hält das Gebäude in Schuss, betätigt die Spülungen und schaut nach den Servern.

Das Kinopolis Hanau ist seit Mitte März geschlossen und es wird wohl auch noch einige Zeit dauern, bis wieder die ersten Filme über eine der acht Leinwände flimmern, bedauerte Dr. Gregory Theile im Gespräch mit unserer Zeitung. „Unter den derzeitigen Bedingungen und Vorgaben ist ein wirtschaftlicher Betrieb des Lichtspielhauses nicht darstellbar“, so die Aussage des Geschäftsführenden Gesellschafters der Kinopolis Management Multiplex GmbH. 

Eigentlich dürfen die Kinos in Hessen schon seit dem 9. Mai wieder Filme zeigen, doch die Verordnung aus Wiesbaden hält einige gravierende Fallstricke bereit. Zum einen die Zahl von einer Person auf fünf Quadratmetern, was die Besucherzahl in den acht Sälen des Kinopolis Hanau erst mal einschränkt. Des Weiteren die Abstandsregeln von eineinhalb Metern, die nur eine sehr begrenzte Anzahl von Filmfreunden in den Vorführräumen zulässt, weil diese eineinhalb Meter in alle Richtung vom Besucher aus gemessen werden: nach links und rechts, nach vorne und hinten und in vier Richtungen schräg vom Besucher aus gesehen, erläutert Theile. 

Dr. Gregory Theile: Wirtschaftlich nicht machbar

Das hieße, dass rund um einen einzelnen Besucher zwölf Plätze frei gehalten werden müssten. „Bei einem Kinosaal mit 80 Plätzen würde das auf eine Auslastung von zehn Prozent führen“, rechnet Theile vor. Eine weitere Bestimmung ist aber letztlich ausschlaggebend, dass der Betrieb weiter ruht. Denn sollte ein Besucher während der Vorstellung auf die Toilette müssen, darf er nur mit einem Abstand von eineinhalb Metern an anderen Besuchern vorbeigehen. 

„Gerade in den kleinen Sälen mit nur einem Aufgang dürfte dann in jeder zweiten Reihe nur ein Gast sitzen, damit er nicht in derselben Reihe nahe an einem anderen Besucher vorbeigehen muss, wenn ihn ein Bedürfnis plagt. Und in den großen Sälen mit zwei Aufgängen wären es dann zwei Gäste pro jeder zweite Reihe, das ist wirtschaftlich nicht machbar“, verdeutlicht Dr. Gregory Theile. 

Kritik an der Politik 

Am Mittwoch hat in Hanau ein Gespräch mit der zuständigen städtischen Behörde stattgefunden, wobei klargestellt worden ist, dass die Vorgaben der hessischen Landesregierung eingehalten werden müssen. Diese Haltung versteht Theile, in einer anderen Kommune lege man diese Vorschrift allerdings laxer aus, dort denke man über eine Wiedereröffnung nach, stellte der geschäftsführende Gesellschafter fest. 

„Wir und unser Bundesverband hatten gehofft, dass die Politik bundesweit einheitliche, mit ausreichend Vorlauf ausgestattete und wirtschaftlich umsetzbare klare Vorgaben beschließt. Das ist leider nicht so gekommen. Aber wir sind weiter bemüht, die politisch Verantwortlichen nicht nur auf den Stellenwert des kulturellen Gemeinschaftserlebnisses Kinobesuch hinzuweisen, sondern auch Überzeugungsarbeit zu leisten, dass die Vorschriften so angepasst werden, dass eine betriebswirtschaftlich vertretbare Öffnung der Kinos möglich wird“, betonte Dr. Gregory Theile. 

Sorge um die Festangestellten

Eigentlich sei man von einer Schließung der Lichtspielhäuser für eine Dauer von drei Monate ausgegangen. Den meisten Betreibern seien deshalb die Mieten für diesen Zeitraum gestundet worden. Nun laufe diese Frist aus und vor allem kleinere Häuser stünden vor dem Nichts. „Wenn sich die Politik nicht bald bewegt, dann droht bei den Kinos eine Pleitewelle“, prophezeit Theile. 

Vergessen sollte man in dieser Situation auch nicht die vielen geringfügig Beschäftigten und natürlich die Festangestellten, denen die Arbeitsplätze wegbrechen würden. „Denn die Erfahrung ist: Hat ein Kino erst mal geschlossen, wird es auch nicht mehr eröffnet“, weiß der geschäftsführende Gesellschafter. 

Theile hat Hoffnung noch nicht aufgegeben

In Hanau sei man damals in der glücklichen Lage gewesen, das Gebäude in Eigenregie zu errichten und den Übergang von der Schließung des Lichtspielhauses am Freiheitsplatz zur Eröffnung des Kinopolis nahtlos zu bewerkstelligen. Der ehemalige Kinobetreiber sei heute noch für Kinopolis in Hanau tätig. „Mit dem Kinobesuch sind aber auch noch anderen Dienstleistungen verknüpft, zum Beispiel Restaurant- oder Barbesuche vor oder nach den Vorstellungen. Selbst Parkhäuser profitierten von einem Kino in Laufweite. Und Kinos sind für eine abendliche Belebung der Innenstadt von großem Wert“, betont Theile. 

Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass mit der Politik doch noch eine machbare Lösung gefunden werden kann, denn die Kinos seien produktabhängig und auf die Gunst der Verleihfirmen angewiesen, die keine teuren Marketingmaßnahmen für Filme starteten, wenn nur in wenigen Häuser die Streifen gezeigt werden können. Dann werden Filmstarts wie der neue James Bond eben verschoben. 

Abstandsregel sei nicht umsetzbar

Und dann schiebt Theile noch eine selbst gemachte Erfahrung nach: Er sei vor Kurzem mit der Bahn unterwegs gewesen und da wäre der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern von vielen Fahrgästen nicht eingehalten worden. Ein Kollege habe ein Flugreise machen müssen und sei dort in einer Dreierreihe mit zwei anderen Fluggästen gesessen. „Im öffentlichen Nahverkehr zu Berufsverkehrzeiten ist die Abstandsregel auch nicht umzusetzen, auch wenn man das versucht“, vergleicht Theile.

Von Thomas Seifert

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Quelle: Hanauer Anzeiger

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