Löschen mit Muskelkraft

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Feuerwehrtechnik früher und heute konnte man beim Tag der offenen Türe erleben, der am Samstag auf dem Gelände der Hauptfeuerwache am Steinheimer Tor stattfand.

Hanau - „Löschen Sie nie brennendes Fett mit Wasser!“ Eindringlich warnt Rainer Kunze von der Feuerwehr Hanau Mitte den großen Kreis der Zuschauer vor diesem Kardinalfehler, der ganz schnell lebensgefährlich werden kann. Von Dieter Kögel

Beim Tag der offenen Tür in der Hanauer Hauptfeuerwache am Steinheimer Tor untermauerten die Wehrleute die Warnungen mit einer explosiven Demonstration: nur ein halber Liter Wasser auf brennendes Fett gegossen genügt, um eine meterhohe Feuerwand hochschießen zu lassen.

Wenn möglich Deckel auf den brennenden Topf oder die Pfanne, um dem Feuer die Sauerstoffzufuhr zu nehmen, und die Feuerwehr rufen - das sei die einzig richtige Lösung für das brennende Problem.

Wasser indes floss auch genug am Samstag. Beispielsweise beim Containerbrand, den die Jugendfeuerwehr nach dem Auslegen der Schläuche mit mehreren Rohren schnell unter Kontrolle brachte, bevor die Pumpen des Löschfahrzeuges wieder abgeschaltet werden konnten.

Früher war Muskelkraft gefragt. Eine Staffel Wehrleute, gekleidet in historischen Kostüme, hatte nicht nur die 100 Jahre alte Feuerspritze an einen Brandherd zu schieben, auch die Pumpe musste per Hand betrieben werden und aus den Zuschauern rekrutierte Helfer schleppten Wasser in Eimern herbei. Eine nahezu authentische Szene, wie sich ein Feuerwehrveteran erinnerte. „Früher mussten auch die Bürger ran. Da hat jede helfende Hand gezählt“, Brandschutz war die Sache des ganzen Dorfes.

400.000 Euro für den Wagen für Umwelt-und Messtechnik

Allerdings waren die Probleme damals auch nicht so vielfältig wie heute. Etwa 70 Prozent der Feuerwehrarbeit, so der stellvertretende Leiter der Hanauer Feuerwehr, Peter Hack, entfallen heutzutage auf andere Hilfeleistungen. Und genau für diese konnte die Hanauer Wehr am Samstag auch ein neues Fahrzeug in Dienst nehmen. Rund 400.000 Euro teuer ist der Wagen für Umwelt- und Messtechnik, der eine schnelle Inhaltsbestimmung von Rauch- oder Gaswolken erlaubt. Ein Labor auf vier Rädern, wie Hack das mit hochwertiger Technik ausgestattete Fahrzeug bezeichnet. „Eines der ersten, die es in Hessen gibt.“

Den jüngsten Besuchern indes war die Art des Fahrzeuges, in das sie hineinkrabbeln durften, nicht so wichtig. Wichtig war das Gefühl, einmal am großen Lenkrad eines richtigen Feuerwehrautos zu sitzen und in der Fantasie schnellstmöglich den Einsatzort anzusteuern.

Der Tag der offenen Tür, er sollte auch Kinder und Jugendliche an die Tätigkeit der Feuerwehr heranführen. Und die findet ab dem kommenden Jahr in der neuen Feuerwache auf dem Gelände der Hutier-Kaserne an der Lamboystraße statt.

Bereits Mitte September soll der Grundstein gelegt werden für die neue Feuerwache, die eine ähnliche Dimension haben wird wie die derzeit im Umbau befindliche Halle, die für die Feuerwehr übernommen werden kann. Dann, so hofft die Hanauer Wehr, bekommt endlich auch die Jugend ihre Räume und das seit 25 Jahren währende Provisorium hat ein Ende. Insofern wird nicht mit Wehmut aus der jetzigen Feuerwache ausgezogen, die am Wochenende ihren wohl letzten Tag der offenen Tür erlebt hat.

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