Loks bleiben unter Dampf

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Wie auf diesem Bild von Detlef Schikorr aus dem Jahr 1965 sollen auf dem Gelände des Bahnbetriebswerks Hanau künftig wieder Dampflokomotiven mit Wasser versorgt werden können.

Großauheim ‐ „Unter unseren Mitgliedern herrscht eine richtige Aufbruchsstimmung seitdem klar ist, dass wir dauerhaft eine Zukunft haben“, sagt Dr. Klaus Kröger, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Bahnbetriebswerk Hanau“. Von Dirk Iding

Die haftungsbeschränkte Firma Historisches Bahnbetriebswerk Hanau UG, deren Gesellschafter die Stiftung und der Verein Museumseisenbahn Hanau sind, hat nämlich nach knapp einjährigen Verhandlungen das Bahnbetriebswerk in den Großauheimer Heideäckern von der DB-Immobilientochter Aurelis erworben. Damit ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt dieses eisenbahnhistorisch bedeutenden Ensembles getan. Mittelfristig planen die Stiftung und der 100 Mitglieder zählende Verein den Aufbau eines „lebendigen“ Eisenbahnmuseums auf dem 1,8 Hektar großen Gelände.

Seit vielen Jahren nutzt der Verein der Museumseisenbahner das Bahnbetriebswerk mit seinem charakteristischen Ringlokschuppen, einem Rechteckschuppen sowie zwei noch funktionstüchtigen Gleisdrehscheiben als Domizil. Dort hat der Verein etliche aufgearbeitete Lokomotiven und Waggons untergestellt, richtet regelmäßig seine Lokschuppenfeste aus und organisiert vom Bahnbetriebswerk ausgehende Dampfeisenbahnfahrten, die die wichtigste Einnahmequelle des Vereins sind.

Altlasten stellen keine Gefahr dar

Doch bislang waren die Museumseisenbahner nur geduldete Pächter auf Grundlage befristeter Verträge. Denn seit Jahren versuchte die Bahn über ihre Immobilientochter Aurelis das Gelände anderweitig zu vermarkten. Letztlich vergeblich. Denn für eine bahnfremde gewerbliche Nutzung hätte das Gelände zunächst aufwendig altlastensaniert werden müssen. Da für die Zwecke der Museumseisenbahner das Areal jedoch weiterhin als Eisenbahngelände genutzt werden kann, ist nach Angaben von Dr. Kröger ein umfangreicher Bodenaustausch nicht notwendig: „Die festgestellten Schadstoffe, es handelt sich im wesentlichen um aromatische Kohlenwasserstoffe, sind weitgehend im Boden gebunden und stellen deshalb keine Gefahr dar.“ Eine an einer Stelle des Geländes gleichwohl festgestellte Grundwasserbelastung werde in Absprache mit dem RP Darmstadt weiter beobachtet und würde - falls notwendig - vom bisherigen Grundstückseigentümer saniert, sieht Dr. Kröger die Museumseisenbahner daher in Sachen Altlasten „weitgehend auf der sicheren Seite“.

Eine kleine Unwägbarkeit stellen allerdings die nach wie vor vorhandenen Pläne für eine Gleisüberführung in den Heideäckern dar, deren Trasse derzeit noch so verläuft, dass dafür der Ringlokschuppen abgerissen werden müsste. Zwar gibt es für dieses Vorhaben seit mehr als drei Jahren einen für zehn Jahre geltenden Planfeststellungsbescheid, doch mit einer Realisierung in dieser Frist rechnet niemand, da andere Projekte für die Bahn eine wesentlich höhere Priorität haben. Zumal sich auch die Stadt Hanau zwischenzeitlich dafür einsetzt, die Brückentrasse so zu verschieben, dass der Lokschuppen stehen bleiben kann. „Und als neuer Eigentümer des Bahnbetriebswerks haben wir bei künftigen Planungen natürlich auch ein größeres Mitspracherecht“, ist Dr. Kröger optimistisch, dass der Ringlokschuppen dauerhaft erhalten bleibt.

Rechteckschuppen dürfte noch viel Arbeit machen

Der Erhalt der Bausubstanz ist für die kommenden Jahre die vordringlichste Aufgabe der Museumseisenbahner. Schon in der Vergangenheit hätten die Vereinsmitglieder dafür viel getan, so Dr. Kröger. Vor allem der Rechteckschuppen, dessen Dach teilweise eingestürzt ist, dürfte den Mitgliedern aber noch jede Menge Arbeit bescheren.

Vorgesehen ist auch der Aufbau von zwei Wasserkränen zur Versorgung von Dampflokomotiven, so wie es sie schon früher auf dem Gelände des Bahnbetriebswerk gab. Denn wegen seiner zentralen Lage ist das Bahnbetriebswerk in den Heideäckern von besonderer Bedeutung, damit auch künftig Dampfloks auf Nostalgiefahrten deutschlandweit unterwegs sein können.

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