Lokschuppen bleibt erhalten

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Auf absehbare Zeit bleibt es wohl bei den Bahnübergängen in den Heideäckern. Die Stadt Hanau beteiligt sich nicht an den Kosten für den Bau einer Brücke über die Bahnstrecke Frankfurt-Göttingen.

Hanau - Freunde bei den Museumseisenbahnern Hanau, Entsetzen bei den Geschäftführern der anliegenden Firmen: Die Stadt Hanau wird sich nun doch nicht am Bau einer Bahnüberführung in den Großauheimer Heideäckern beteiligen. Von Dirk Iding

Man werde keine Mittel für den Brückenbau in den Doppelhaushalt 2012/13 einstellen, erklärte gestern Hanaus Verkehrsdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) auf Anfrage unserer Zeitung. Darauf hätten sich die hauptamtlichen Dezernenten im Rahmen ihrer Haushaltsberatungen geeinigt. Damit verfällt der 2007 für das Brückenbauwerk getroffene Planfeststellungsbeschluss, dessen Rechtskraft Ende 2012 ausläuft.

Für das Brückenbauwerk über die Bahnstrecke Frankfurt-Göttingen hätte der historische Ringlokschuppen des früheren Bahnbetriebswerks Hanau abgerissen werden müssen. Der aber wird vom Verein „Museumseisenbahn Hanau“ genutzt, der dort historische Dampflokomotiven unterstellt und wartet.

Eisenbahnmuseum im ehemaligen Betriebswerk

Die Museumseisenbahner hatten über eine Unterstiftung der Deutschen Stiftung Eisenbahn das ehemalige Bahnbetriebswerk Hanau mit mehren Gebäuden gekauft. „Herzstück“ des Ensembles ist der auffällige Ringlokschuppen. Die Dampfbahnfreunde wollen im ehemaligen Bahnbetriebswerk ein Eisenbahnmuseum einrichten und das Gelände zu einem wichtigen Stützpunkt für den überregionalen Verkehr historischer Dampfbahnzüge ausbauen.

„Diese Nachricht vom Verzicht auf den Brückenbau gibt uns für unsere Arbeit mordsmäßigen Auftrieb“, freute sich Dr. Klaus Kröger, Vorsitzender der Museumseisenbahner, als er gestern von der Entscheidung der Hanauer Dezernenten erfuhr. „Ohne Ringlokschuppen hätte ich nicht gewusst, wie es mit unseren Verein hätte weitergehen sollen.“

Bauunternehmen von der Stadt enttäuscht

Des einen Freud ist des anderen Leid: Peter Mautner, Geschäftsführer des Bauunternehmens Fey, zeigte sich enttäuscht: „Ich habe immer gedacht, man könne sich auf Planfeststellungsbeschlüsse und Zusagen der Stadt Hanau verlassen.“ Mautner erinnerte daran, dass die sich täglich auf Stunden summierende Wartezeiten vor den geschlossenen Bahnübergängen den Betrieb der zwischen den Bahnstrecken Frankfurt-Göttingen und Hanau-Friedberg liegenden Firmen erheblich beeinträchtigten. Neben dem Tiefbauunternehmen Fey ist vor allem der Bauschutt-Recycler RMU betroffen. Nicht zuletzt sei der Bau der Brücke ja auch aus Verkehrssicherheitsgründen geplant worden, so Mautner. Immerhin habe es bei Unfällen an den Bahnübergängen schon zwei Tote gegeben. Im Vertrauen auf die Zusagen zum Bau der Brücke hätten die anliegenden Firmen auch erhebliche Investitionen am Standort vorgenommen, sagt Mautner.

Bereits 1993 begann der Planungsprozess zur Beseitigung der schienengleichen Bahnübergänge in den Heideäckern vor dem Hintergrund des geplanten Ausbaus der Bahnstrecke Frankfurt-Göttingen. 2007 wurde für den Brückenbau ein rechtsverbindlicher Planfeststellungsbeschluss gefasst.

Verkehrlicher Nutzen zu gering

Ursprünglich war neben dem Brückenbauwerk sogar noch eine Rad- und Fußgängerunterführung unter der Bahnstrecke Friedberg-Hanau vorgesehen. Die hatte die Stadt Hanau bereits aus Kostengründen gestrichen.

Jetzt will sie sich auch nicht mehr an den Kosten für den Brückenbau beteiligen. Mit mindestens 600.000 Euro, so eine Kostenschätzung bereits aus dem Jahr 2004, hätte sich die Stadt an den Baukosten beteiligen müsse. „Dafür ist der verkehrliche Nutzen der Brücke zu gering“, begründete Stadtrat Weiss-Thiel gestern den Verzicht auf die Bereitstellung entsprechender Mittel - zumal überhaupt nicht absehbar sei, ob überhaupt und wann es zum Ausbau der Bahnstrecke Frankfurt-Göttingen kommt. Die Erschließung der anliegenden Grundstücke sei auch im gegenwärtigen Zustand gesichert, so der Stadtrat. Das gelte selbst für den Fall, dass die Bahnstrecke Frankfurt-Göttingen doch noch ausgebaut werden sollte. Dann bliebe immer noch die Zufahrt über den Bahnübergang Hanau-Friedberg.

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