Tauziehen ums Planungsrecht

Für „Love Family Park“ gibt Stadt keine Garantie

+

Großauheim - Der Vorverkauf für die Techno-Party „Love Familiy Park“ am 7. Juli auf den Mainwiesen läuft schon seit vier Wochen. Ob die Veranstaltung auch tatsächlich stattfinden kann, ist noch offen. Von Erwin Diel

„Dafür gibt es keine Garantie, das weiß auch der Veranstalter,“ sagte Stadtentwickler Martin Bieberle am Donnerstagabend im Ortsbeirat Großauheim/Wolfgang.

Gegen die sonntägliche Party der privaten Veranstaltungsagentur „cosmopop“ im ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet „Hessische Mainauen“ mit ihren mittlerweile 20.000 Besuchern legt sich seit Jahren zunehmend die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt quer. Für dieses Jahr wollten die behördlichen Naturschützer für die Party keine Ausnahmegenehmigung mehr erteilen. Bedenken des RP über negative Auswirkungen des „Love Family Parks“ auf Flora und Fauna der Wiese wollte die Stadt mit einem Gutachten entkräften. Der Schuss ging nach hinten los, denn der Gutachter sagt einen Artenrückgang voraus, sollte die Wiese weiter einmal im Jahr von tanzwütigen Besuchern plattgetrampelt werden. Dauerhafte Schäden seien jetzt schon zu beobachten.

Um die Veranstaltung zu retten, will Hanau nun eine gut fünf Hektar große Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauslösen - in einem ehrgeizigen Zeitplan. Ein solches Verfahren könnte drei Monate dauern, sagte Bieberle auf Nachfragen im Großauheimer Ortsbeirat. Klappt die Herauslösung bis zum 7. Juli nicht, fällt die Party ins Wasser.

Dabei ist offenbar noch unklar, welchen Umfang das Verfahren annehmen wird. Die Oberste Naturschutzbehörde beim hessischen Umweltministerium geht offenbar von wesentlich aufwendigeren planungsrechtlichen Verfahren aus, als sie die Stadt für notwendig erachtet. Die Löschung des Landschaftsschutzes macht die Wiese planungsrechtlich zum „Außenbereich“. Dass auch dort nicht alles genehmigungsfähig ist, darauf weist Staatssekretär Mark Weinmeister vom Hessischen Umweltministerium die Stadt in einem Brief hin. Eine Rechtfertigung für eine Großveranstaltung wie der „Love Family Park“ sei „bei der Größe des Veranstaltungsgeländes jedenfalls nicht ohne Weiteres erkennbar“. „Für die tatsächlich von Ihnen intendierte Umnutzung der Mainwiesen in ein Veranstaltungsgelände für wiederkehrende Veranstaltungen wäre deshalb vermutlich eine Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Es ist im Übrigen durchaus nicht unüblich, für derartige Veranstaltungsplätze einen Bebauungsplan aufzustellen,“ heißt es in dem Schreiben an die Stadt von Mitte Januar. Ein solches Verfahren bedeutet eine umfangreiche Beteiligung von Öffentlichkeit, Behörden und Verbänden und wäre kaum bis zum Sommer zu schaffen, räumte gestern auch Bieberle auf Nachfrage ein. Und: Es gebe Überlegungen, ein Bebauungsplanverfahren parallel zum von der Stadt favorisierten Verfahren zu betreiben

Love Family Park in Bildern

Love Family Park in Bildern

Recht locker sind Stadt und Veranstalter offenbar mit den Eigentumsverhältnissen auf dem Wiesengelände umgegangen. Die stetig wachsende Veranstaltung bezog immer mehr Flächen ein, darunter mehr als 70 Privatgrundstücke. Nur mit einem Teil der Eigentümer seien Nutzungsregelungen getroffen, sagte Manfred Gutberlet, Leiter des städtischen Fachbereichs Grundstücke und Logistik. Auf rund 8000 Quadratmetern des 69.000 Quadratmeter großen Areals wurde gefeiert, ohne die Eigentümer zu fragen. Die haben die Party offenbar stillschweigend geduldet. Nur im vergangenen Jahr habe es eine Beschwerde eines Grundbesitzers gegeben.

Stadt und Veranstalter wollen jetzt alle Eigentümer anschreiben. Kommen von dort Widersprüche, muss das betreffende Privatgelände während des Festivals, so es stattfindet, eingezäunt werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare