„Viele lustige Dialekte“

„Made in Germany“ begeistert bei „Wilhelmsbader Sommernacht“

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Mehrere tausend Besucher erlebten im Staatspark das Open-Air-Konzert mit der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Hanau - Als „unbestrittenen Höhepunkt des Hanauer Kultoursommers“ bezeichnete Stadtrat Thomas Morlock in seiner Begrüßung am Samstag auf der großen Bühne die „Wilhelmsbader Sommernacht“. Von Dieter Kögel 

Niemand mochte widersprechen angesichts der vielen tausend Gäste, die auch in diesem Jahr zu dem musikalischen Crossover der Neuen Philharmonie Frankfurt in Kombination mit Picknick und Schlemmen in den Park gezogen waren, um das aktuelle Programms „Made in Germany“ zu erleben.
Die Stunden vor der Sommernacht gerieten aber zu einer echten Zitterparty. Bereits um 16 Uhr öffneten die Catering-Stände, viele Gäste hatten sich auf den Wiesen und Freiflächen bestens eingerichtet, als kurz vor 17 Uhr ein Wolkenbruch die Stimmung trübte. Doch nach einer halben Stunde war alles vorbei, die Sonne lugte wieder vom locker bewölkten Himmel und verdampfte die Niederschläge auf Parkplätzen und im Park. Durch den Dampf schoben und zogen die Besucher Wagen und Karren mit Speis und gekühltem Trank, schleppten Campingtische und -stühle in den Park auf der Suche nach einem noch freien Platz auf den Wiesen vor der Bühne.

Die ganz besondere Atmosphäre der „Wilhelmsbader Sommernacht“ entfaltete sich auch diesmal im Staatspark.  

In der tropischen Hitze mühten sich derweil die Caterer damit ab, die Pfützen vor den Verkaufstheken mit Besen zu verteilen. Großeinsatz auch für die Mitarbeiter des städtischen Veranstaltungsbüros, die die rund 1000 vor der Bühne aufgestellten Stühle trocknen mussten. Stressmomente für die Beteiligten. Doch alles lief glatt, und der unerwartet heftige Wolkenbruch tat der Stimmung im Park letztlich kleinerlei Abbruch.

Achim Dürr und Anja Loges gehörten zu den mit viel Beifall bedachten Gesangssolisten.

Wegen des Niederschlags hätten sogar wieder Kerzen und Teelichter benutzt und aufgestellt werden können, die wegen der Trockenheit der letzten Tage verboten wurden. Die Fanpakete für zehn Euro mit Programm, Eulenbutton und Lampion waren bereits im Vorfeld auf LED-Leuchten umgestellt worden. Zehn Euro, die laut Stadtrat Morlock dazu beitragen, dass der „Hanauer Kultoursommer“ mit seiner „Wilhelmsbader Sommernacht“ auch in den kommenden Jahren stattfinden kann. Norbert Schalinski, Vorsitzender des Hanauer Marketingvereins und Geschäftsführer von Saturn, packte auf das Budget eine 2000-Euro-Spende seines Unternehmens drauf, bevor die Bühne dem Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt gehörte, das mit Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ die Stunde der Streicher und Bläser schlagen ließ.

Auch das ist „Made in Gemany“, wie Ralf Phillipp Ziegler von der Neuen Philharmonie in seiner Moderation hervorhob. Überhaupt kommt so vieles aus dem Land zwischen See und Alpen, dessen Pfeiler auf dem Grundgesetz, dem Reinheitsgebot und der Rechtschreibreform ruhten. Aber auch eine Portion Rebellentum könne man den Deutschen nicht absprechen. Schon gar nicht in der Musik, wo „Extrabreit“ mit „Hurra, hurra, die Schule brennt“ sogar von Rundfunkanstalten boykottiert wurden, weil konservative Kreise mit diesem Lied aus den 90ern die Aufforderung zur Brandstiftung assoziiert hätten.

Bilder der Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau

Da ist „Moskau“ von „Dschingis Khan“ schon anders gestrickt, dient mehr zur Verständigung. Ja, austrinken und Gläser an die Wand werfen, das wär’s doch. Ach, wenn Putin sich doch auch

auf die in dem Lied besungenen Tugenden besinnen würde, es wäre vieles einfacher, ist sich Ziegler sicher. Denn die Zeiten des „Wind of Change“, den die Scorpions nach dem Mauerfall besungen haben, sie scheinen vorbei oder zumindest auf Eis zu liegen.

Was hatten wir eigentlich von der Wiedervereinigung? „Die Einheit hat viel gebracht. Nicht zuletzt viele lustige Dialekte“, so Zieglers Resümee. Die bei der „Wilhelmsbader Sommernacht“ gebotene Reise durch die Seelenzustände der Deutschen, sie war kurzweilig, unterhaltsam und die Musik dazu grandios. Stimmlich getragen wurden die Songs unter dem Dirigat von Steven Lloyd Gonzales von den Solisten Achim Dürr, Andrew Gräser, Anja Loges und Anna Haase, für die der Sprung zwischen Wagner und Toten Hosen, zwischen Strauss und Udo Lindenberg oder zwischen Schubert und Rio Reiser kein Spagat war. „Made in Germany“ eben, und das ist auch musikalisch gesehen eine Art Markenzeichen.

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