Missbrauchs-Vorwürfe zurückgewiesen

Sportstudio-Trainer gesteht Gewalttaten

Sinntal/Hanau - Im Prozess um gewalttätige Übergriffe und sexuellen Missbrauch in einem Sportstudio in Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) hat der angeklagte Trainer ein Teilgeständnis abgelegt. Von Jörn Perske

Der 46-Jährige räumte gestern zum Verhandlungsauftakt am Landgericht Hanau die angeklagte Körperverletzung ein. Sie sei aber nicht sexuell motiviert gewesen, ließ der Kampfsporttrainer und Sporttherapeut über seinen Verteidiger mitteilen.

Der Mann soll im aktuellen Fall in einem Sportstudio in Sinntal jahrelang sein Unwesen getrieben haben – bis zum sexuellen Missbrauch. Zwischen Januar 2012 und Dezember 2017 soll er 330 Taten an elf Geschädigten begangen haben. Seine Opfer seien zum Tatzeitpunkt zwischen fünf und 21 Jahre alt gewesen und alle männlich, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bemerkenswert: Trotz der Vielzahl an Geschädigten meldete sich bis zum Prozessauftakt kein Opfer als Nebenkläger.

Der Angeklagte soll Jugendliche in Behandlungsräumen einzeln angewiesen haben, sich vollständig auszuziehen, um dann unter anderem an ihren Geschlechtsteilen zu hantieren. Zudem soll er vollständig entkleidete Opfer mit der flachen Hand oder einem Holzstock auf das Gesäß geschlagen haben. Während des Trainings von Gruppen soll es zudem zu einer Vielzahl körperlicher Übergriffe des Angeklagten gekommen sein. Er verteilte laut Anklage Schläge und Tritte gegen das Gesäß sowie Schläge gegen den Hinterkopf.

Der Angeklagte wurde bereits wegen ähnlicher Vorfälle mit zwei 13 und 15 Jahre alten Jungen in einem Sportverein in seinem Geburtsort Rheda-Wiedenbrück (NRW) verurteilt. Das Amtsgericht Gütersloh verhängte im März 1996 ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. Die Unterbringung in einer Psychiatrie wurde angeordnet. Ein Gutachter hatte damals von einer sadistisch geprägten Persönlichkeit des Angeklagten und einer „schweren seelischen Abartigkeit“ gesprochen. Immer wieder kam es den Angaben zufolge zu körperlichen Misshandlungen mit rituellem Charakter. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich, so der Gutachter damals über den Angeklagten.

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Die Ex-Frau (46), die sich im April vom Angeklagten scheiden ließ, beschrieb ihren ehemaligen Partner als Mann, der mit Zärtlichkeiten wenig habe anfangen können. Er habe sich lieber um seine jungen Sportler gekümmert, als um das Gelingen seiner Ehe. Von Schlägen gegen Kinder und Jugendliche habe sie nichts mitbekommen. Sie arbeitete ebenfalls in dem vom Angeklagten geführten Sportstudio. Als Sadisten habe sie ihn nicht kennengelernt. (dpa)

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