Gewonnen und doch verloren

Kreis-SPD ist ihre Koalitionsmehrheit los

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Main-Kinzig-Kreis - Gewonnen und doch verloren haben die Sozialdemokraten im Main-Kinzig-Kreis. Aber die Sozialdemokraten bleibt stärkste politische Kraft. Von Dirk Iding 

Laut dem gestern nachmittag vom Kreiswahlleiter übermittelten vorläufigen Endergebnis der Wahl vom vergangenen Sonntag konnte die SPD trotz Verlusten von zwei Prozentpunkten mit einem Stimmenanteil von 33,6 Prozent zwar ihre Position als stärkste politische Kraft im Main-Kinzig-Kreis behaupten, die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern hat aber ihre Mehrheit im Kreistag verloren. Das liegt vor allem an den deutlichen Verlusten der Grünen, die bei dieser Wahl nur noch auf einen Stimmenanteil von 8,3 Prozent kamen, das waren satte 6,8 Prozent weniger als bei der 2011er-Wahl. Die Freien Wähler hingegen konnten mit 5,0 Prozent exakt ihr Ergebnis von vor fünf Jahren wiederholen.

Ausgedrückt in Sitzen heißt das, dass SPD (29 Sitze), Grüne (7 Sitze) und Freie Wähler (4 Sitze) zusammen nur noch auf 40 Sitze in dem 87 Sitze zählenden Main-Kinzig-Kreistag kommen. Damit werden die politischen Karten im Main-Kinzig-Kreis wohl zumindest teilweise neu gemischt. Ebenfalls herbe Verluste mussten die Christdemokraten auch auf Kreisebene hinnehmen. Sie verloren 6 Prozent Stimmenanteil und kommen nun nur noch auf 27,1 Prozent und damit 24 Sitze im künftigen Kreistag. Zugewinne verbuchte die FDP, die auf 5,7 Prozent (5 Sitze) kam und die Linken mit nun 3,3 Prozent (drei Sitze). Während CDU und SPD jeweils ihre schlechtesten Kreistagswahlergebnisse seit der Gebietsreform 1974 einfuhren, ist die erstmals angetretene Alternative für Deutschland (AfD), die aus dem Stand 14,6 Prozentpunkte und damit 13 Sitze holte, der klare Wahlsieger. Demgegenüber schnitten Republikaner und NPD mit je 0,9 Prozent gegenüber der 2011er-Wahl zwar schlechter ab, werden aber auch künftig jeweils mit einem Sitz dem Kreistag angehören.

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Die Piraten, die bislang mit zwei Kreistagsabgeordneten vertreten waren, sind mit 0,4 Prozent in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und werden nicht mehr dem Kreistag angehören. Was dieses Ergebnis nun für die künftige Mehrheitsbildung im Kreistag bedeutet, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert, die als Spitzenkandidatin der Union bei der Kreistagswahl antrat, hatte sich bereits am Wahlabend für eine Große Koalition ausgesprochen. Denkbar wäre aber auch ein Vierer-Bündnis aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP, das mit 45 Sitzen über eine Mehrheit im Kreistag verfügen würde. Landrat Erich Pipa, Spitzenkandidat der SPD, hatte bereits am Wahlabend angekündigt „mit allen demokratischen Parteien“ Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit führen zu wollen. Die Alternative für Deutschland zählt der Landrat allerdings nicht dazu. Der AfD wirft er vor, für eine Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas zu sorgen, ohne Lösungen liefern zu können.

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