AUS DEM GERICHT

Drogen sorgen für Drohungen: Brüder wollten Kleindealer angeblich im Main versenken

Schwunghafter Handel im Hintergrund: Ein Bruderpaar soll in Maintal „veruntreute“ Drogen mit Gewalt eingefordert haben.  
Symbol
+
Schwunghafter Handel im Hintergrund: Ein Bruderpaar soll in Maintal „veruntreute“ Drogen mit Gewalt eingefordert haben. Symbol

Zwei Brüder aus Hanau müssen sich nun vor dem Landgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie einen Kleindealer im Main versenken wollten.

Maintal/Hanau – Vor der 2. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht hat am Montag der Prozess gegen zwei 25 und 26 Jahre alte Hanauer begonnen.

Staatsanwältin Grumann legt den beiden Brüdern Tahir S. und Asland S. gemeinschaftlich begangenen Raub und räuberische Erpressung sowie Körperverletzung zur Last, begangen im März 2016 und April 2017. Dabei sollen eine 16-jährige Jugendliche und zwei 18-jährige Männer verletzt worden sein.

Der Hintergrund: Es ging um jede Menge Drogen. Konkret um eine Tüte mit rund einem Kilogramm Haschisch sowie Marihuana im Schwarzmarktwert von etwa 14 000 Euro. Jedenfalls sei das der Betrag gewesen, den die beiden Angeklagten von der 16-Jährigen und deren Freunden als „Schadensersatz“ verlangt und sogar per Facebook eingefordert haben sollen. Die Jugendliche habe nämlich das Marihuana angeblich „veruntreut“.

Prozess um Drogengeschichte wurde aus prozessökonomischen Gründen eingestellt

Doch die Drogengeschichte ist bereits abgetrennt, das Verfahren eingestellt – auf Betreiben der Staatsanwaltschaft. Das habe prozessuale Gründe und stehe im Zusammenhang mit der Prozessökonomie, meinte die Staatsanwältin dazu. Denn die doch recht komplexen Zusammenhänge lägen mehr als vier Jahre zurück, und zwischenzeitlich habe auch die Kammerbesetzung, die den Fall verhandelt, gewechselt.

Die beiden Brüder befinden sich derzeit auf freiem Fuß, haben einen festen Wohnsitz, doch der mögliche Strafrahmen im Fall einer Verurteilung bewegt sich auch für die verbliebenen Delikte im Bereich von bis zu fünf Jahren Haft.

Die Verlesung der Anklageschrift nahm nur rund eine Viertelstunde in Anspruch, der Prozess könnte recht schnell über die Bühne gehen. Denn Rechtsanwalt Gordian Hablizel, der Verteidiger Tahirs, schlug unmittelbar an die Anklageverlesung ein „Rechtsgespräch“ hinter verschlossenen Türen vor, dem die Kammer unter der Vorsitzenden Richterin Dr. Katharina Jost folgte. Als die Verhandlung dann gegen Mittag öffentlich fortgesetzt wurde, erläuterte die Vorsitzende das Ergebnis des Rechtsgesprächs: Eine „verfahrensbeendende Absprache“ sei zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Kammer in Aussicht gestellt worden, für den Fall von Geständnissen der beiden Angeklagten. Ein Täter-Opfer-Ausgleich ist ebenfalls Bestandteil des „Deals“.

Mehrere Vorwürfe stehen noch aus

Was nach der „Drogengeschichte“ vom Fasching 2016 noch bleibt, ist die Ahndung mehrerer Drohungen, Raub, Erpressung von 4000 Euro, und eine Körperverletzung nach einem Fest im April 2017.

Die beiden Angeklagten hätten dem 18-jährigen Opfer gedroht, ihn im Main bei Dörnigheim zu ertränken. Sie hätten ihn gezwungen, an einer dunklen Stelle des Ufers knietief ins Wasser zu steigen. Außerdem erpressten sie angeblich 4000 Euro von ihm, deren Rückzahlung sowie weitere 2000 Euro Schmerzensgeld nun Bestandteil des Täter-Opfer-Ausgleichs sein sollen.

Das Opfer hatte nach den Worten der Staatsanwältin eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen erlitten, er musste stationär im St.-Vinzenz-Krankenhaus behandelt werden.

Außerdem hätten die beiden Angeklagten gedroht, der Familie des Opfers etwas anzutun, seine Schwester zu vergewaltigen. Der Prozess wird am Montag, 31. August, fortgesetzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare