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„Manche Handwerker sind wie Kinder“

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Der Hanauer Bauunternehmer Wolfgang Ries (rechts) hat den Erfolg seines Unternehmens insbesondere den Frauen in seiner Mannschaft zu verdanken. -   Foto: Iding
Der Hanauer Bauunternehmer Wolfgang Ries (rechts) hat den Erfolg seines Unternehmens insbesondere den Frauen in seiner Mannschaft zu verdanken. © Iding

Hanau -  Frauen in Führungspositionen sind in vielen Firmen noch immer nicht die Regel – schon gar nicht in von Männern dominierten Branchen. Die Hanauer Bien-Ries AG, einer der größten Bauträger im privaten Wohnungsbau im Rhein-Main-Gebiet, ist da eine Ausnahme. Von Dirk Iding

Nicht nur, dass die Hälfte der 66 Köpfe zählenden Belegschaft Frauen sind, viele von ihnen erledigen Führungsaufgaben. Marleen Bergmann hat in ihrem noch kurzen Berufsleben eine bemerkenswerte Erfahrung gemacht: „Manche Handwerker sind wie Kinder. Sie testen ihre Grenzen aus.“ Die 26-Jährige muss es wissen, denn sie hat täglich mit Handwerkern zu tun. Denn Bergmann ist eine der jüngsten, wenn nicht sogar die zur Zeit jüngste Bauleiterin nach Hessischer Bauordnung.

Für die Bien-Ries AG ist die 26-Jährige verantwortlich für Bauprojekte am Frankfurter Riedberg. Hier baut Bien-Ries mehr als 330 Wohnungen. Als Bauleiterin hat Bergmann das Sagen auf der Großbaustelle. Für manchen Handwerker ist das nicht einfach zu akzeptieren. „Unter Handwerkern gibt es eigentlich nur zwei Sorten: Für die einen gehören Frauen nicht auf eine Baustelle. Die anderen haben damit überhaupt keine Probleme. Für die ist nur wichtig, dass ich Ahnung habe,“ erzählt Bergmann.

Die 26-Jährige teilt damit die Erfahrungen, die auch ihre Kolleginnen Daniela Debesai, Sandra Weigel und Duygu Sezgin gemacht haben. Auch diese jungen Frauen sind für die Bien-Ries AG als Bauleiterinnen tätig. Auch sie haben mit Skepsis und Vorurteilen zu kämpfen. „Da bleibt einem nur, mit Fachwissen zu überzeugen“, meint Sandra Weigel, „dann spielt das Geschlecht irgendwann keine Rolle mehr.“

Und manchmal sei es sogar ein Vorteil, wenn Frauen auf einer Baustelle das Sagen hätten. „Ich habe den Eindruck, dass auf unseren Baustellen der Ton nicht ganz so rau ist“, meint Daniela Debesai. Das liege wohl daran, dass sich Handwerker gegenüber Frauen nicht so leicht im Ton vergriffen. „Und“, glaubt Debesai, „wir Frauen haben vielleicht doch ein wenig mehr Einfühlungsvermögen als unsere männlichen Kollegen.“

Doch am Termindruck ändert das nichts. Termine müssen eingehalten werden, auch wenn das Überstunden und Samstagsarbeit bedeutet. Aber ein paar Kannen Kaffee mit reichlich Kreppel, die Bauleiterin Sandra Weigel schon mal auf ihrer Baustelle „als Motivationshilfe“ verteilte, können Wunder wirken.

Mitunter unterschätzt wird auch Jessica Hesse-Kadlec, hinter Firmenchef Wolfgang Ries die Nummer 2 in der Bien-Ries AG. Die zierlich wirkende junge Frau ist Prokuristin und Leiterin der Projektentwicklung. Die Immobilien-Ökonomin ist unter anderem für den Kauf von Grundstücken zuständig und gilt als harte Verhandlerin. „In der Branche habe ich mir den Spitznamen „Pestbeule“ eingehandelt“, schmunzelt Hesse-Kadlec. Sie sieht darin eine gewisse Auszeichnung. Dass sie bereits über millionenschwere Grundstücksgeschäfte mit entscheidet, wertet die junge Frau als großen Vertrauensbeweis ihres Chefs Wolfgang Ries.

Der 63-Jährige hat vor 14 Jahren die Bien-Ries AG gegründet, die binnen eines Jahrzehnts zu einem der großen Anbieter von Eigentumswohnungen im Rhein-Main-Gebiet wurde. An dieser Erfolgsgeschichte hätten Frauen von Beginn an einen erheblichen Anteil gehabt, sagt Firmenchef Ries. „Nicht, weil das so geplant war. Es hat sich so ergeben,“ meint der Unternehmer. Wenn in seiner Firma eine Stelle zu besetzen sei, dann komme es allein auf die Kompetenz der Bewerber an, und da hätten Frauen nun mal immer öfters die Nase vorn.

So kommt es, dass inzwischen 50 Prozent der Belegschaft von Bien-Ries weiblich ist. In der kaufmännischen Abteilung, in der Projektentwicklung, der Planungsabteilung sowie in der Sonderwunschberatung und dem Marketing sind Frauen sogar deutlich in der Mehrheit. Lediglich in den Bereichen Auftrag und Vergabe, Bauleitung, Kaufberatung und Gewährleistung gibt es noch mehr Männer als Frauen bei der Bien-Ries AG.

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