Natur

Marga Albach hat in ihrem Garten ein Paradies für kleine und größere Tierchen geschaffen

Unzählige Pflanzenschalen hat Marga Albach in ihrem Garten platziert. Nicht nur Naturschützer Heinz Ross ist von der Vielfalt begeistert.
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Unzählige Pflanzenschalen hat Marga Albach in ihrem Garten platziert. Nicht nur Naturschützer Heinz Ross ist von der Vielfalt begeistert.

Wo andere in Panik wegrennen, bleibt Marga Albach völlig ruhig. Vor Hornissen hat sie nämlich keine Angst – im Gegenteil. Wenn die 77-Jährige in ihren Garten geht, dann ist sie den großen schwarz-gelben Insekten am liebsten ganz nahe. Sie hat den Hornissen sogar eine eigene Futter-Tankstelle aufgebaut. „Wenn ich mich dort hinstelle, umschwärmen sie mich oft. Die Flügelschläge kann ich dann am eigenen Körper spüren“, sagt sie begeistert.

Wolfgang – Die Hornissen werden von Marga Albach mit Zuckerwasser versorgt, eine weitere Tränke gibt es für Wespen. Damit sich beide Insektenarten nicht auf dieselben Teller stürzen, gibt es Abdeckungen mit unterschiedlich großen Schlitzen. Die Hornissen und Wespen sind nicht die einzigen Gäste im Gartenparadies, das sie am Haus im Argonnerweg geschaffen hat, wo sie mit ihrem Mann Peter wohnt. Viele seltene und geschützte Insektenarten haben dort ein neues Zuhause gefunden. Manche stehen sogar auf der sogenannten Roten Liste. Kein Wunder, auf dem großzügigen Grundstück mit Pflanzen und Sträuchern verschiedenster Arten und Größen finden sie alles, was sie brauchen.

Viel Platz: Auf 474 Quadratmetern finden viele Tiere ein Zuhause.

Eine 45 Jahre alte Erika-Pflanze etwa wird von Marga Albach liebevoll gepflegt. Auch Efeu, bei vielen akkuraten Gärtnern regelrecht als Unkraut verschrien, hat sie nicht aus dem Garten verbannt. „Das ist eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel“, betont sie. Nach dem Verblühen werden die blauschwarz heranreifenden Früchte von Amseln, Staren und Drosseln gefressen. Zudem gibt es einen kleinen Teich, einen großen Steinhaufen mit vielen Rückzugsmöglichkeiten für kleine Tierchen, Insektenhotels und viele, viele Blumentöpfe mit unterschiedlichsten Pflanzen und Blumen. Eine große Kräuterspirale ist mit verschiedenen Sorten Bohnenkraut, mit Majoran, Fenchel und einigem mehr bestückt. „Die Kräuter sind nicht für die Küche, sondern für Insekten“, erklärt Marga Albach.

Die meiste Zeit verbringt sie im Garten

Auch an liebevolle Details hat Marga Albach gedacht.

Viele Stunden am Tag verbringt sie in dem 474 Quadratmeter großen Garten. „Fragen Sie mich lieber, wie oft ich im Haus bin“, erklärt sie dem HA-Reporter bei dessen Besuch, als dieser die Frage stellt, ob sie ihre Gartenzeit beziffern kann. „Mein Mann sieht die meiste Zeit nur meinen Boppes“, sagt sie und schmunzelt. Wenn sie ihren Garten pflegt, muss sich die Naturfreundin naturgemäß häufig bücken.

Aber die Vielfalt in ihrem Garten dankt es ihr. Die seltene Schwarze Holzbiene lässt sich ebenso blicken wie das Taubenschwänzchen – ein kleiner, hektischer Schmetterling, der bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell sein kann und das Doppelte seines Körpergewichts am Tag verputzt. Auch der grünlich-goldene Rosenkäfer zieht dort seine Runden. Unzählige Käfer- und Schmetterlingsarten, vom Kaisermantel bis zum Zitronenfalter, hat Marga Albach schon in ihrem Garten beobachtet, sie alle zu erwähnen, wäre unmöglich. Persönlich überzeugen können wir uns am Tag unseres Besuchs leider nicht, da es das Wetter nicht gut mit uns meint und es immer wieder regnet. Albachs Mann Peter allerdings hat viele der seltenen Gäste mit dem Smartphone fotografiert, er stellte uns einige Aufnahmen zur Verfügung. Nicht nur kleinste Lebewesen sind im Garten der Albachs zugange, auch Vögel haben dort perfekte Brutbedingungen gefunden. „Wir haben gerade zwei Nester von Ringeltauben, drei Nester von Amseln sowie welche von Zaunkönig und Rotkehlchen entdeckt“, berichtet Marga Albach. Zudem seien in den Nistkästen Blau- und Kohlmeisen zu Gast, außerdem sei seit April die Mönchsgrasmücke fleißig am Singen. „Einen Garten mit so einer Vielfalt dürfte es in Hanau nicht so häufig geben“, merkt Heinz Ross an. Der Wolfgänger Natur- und Vogelschützer und Jäger kennt Albach seit vielen Jahren, hat den Kontakt zu unserer Zeitung hergestellt und begleitet den Besuch im Gartenparadies. Sich um Insekten zu kümmern, sei enorm wichtig. „Wenn die kleinen Tierchen nicht da wären, wären es die großen auch nicht“, verweist Ross auf die Nahrungskette in der Natur.

Riesen-WG für Insekten war nicht von vornherein geplant

Schmetterlinge fühlen sich dort wohl.

Dass sich der Garten mal zu einer Art Riesen-WG für Insekten entwickelt, war nicht von vornherein geplant, berichtet die emsige Hobbygärtnerin. „Wir haben das Haus vor 55 Jahren von meinen Schwiegereltern übernommen. Leider sind sie sehr früh verstorben. Und so habe ich mich schon früh um Haus und Garten gekümmert.“ Eins sei zum anderen gekommen. Seit Jahrzehnten ist Marga Albach auch im Großauheimer Vogelschutzverein engagiert. „In manchem Jahr habe ich über 300 Nistkästen gereinigt“, berichtet sie. Aber auch in einem ganz anderen Bereich war sie lange engagiert: als Vorleserin in der Stadtteilbibliothek Großauheim. Ein ganz anders gelagertes Hobby hat sie auch noch: Preisrätsel lösen. Als Gewinn seien schon einmal 250 Euro für ein Wochenende rumgekommen, neben manch kleinerem Preis.

Am liebsten aber ist Marga Albach in der Natur. Dort kann sie auch entspannen. „Ich schaue überhaupt kein Fernsehen. Wenn ich abends Unterhaltung brauche, setz’ ich mich raus und beobachte die Fledermäuse“, sagt sie.

Das gilt auch für diesen Rosenkäfer.

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