Mit Liegefahrrad durch die Mongolei

Mit Muskel- und Windkraft

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Mit der Kraft des Windes und seiner Beine will Mathias Ramsel die unendlichen Weiten der mongolischen Steppe überwinden. Dass diese Kombination funktionieren kann, haben erste Testfahrten des Hanauer Abenteurers in Holland bewiesen.

Hanau - Auf die Kraft seiner Beine und auf die des Windes vertraut der Hanauer Matthias Ramsel, wenn er ab Mai drei Monate mit einem dreirädrigen Liegefahrrad, unterstützend gezogen von „Kites“ genannten Drachen, 5000 Kilometer quer durch die Mongolei „radeln“ will. Von Dieter Kögel 

Dass die Kombination Liegerad/Kite funktionieren kann, haben Testfahrten in Holland bewiesen. Erste Versuche, das Liegefahrrad auch mit den vom Fahrrad aus gesteuerten Drachen voranzubringen, hat Ramsel im Herbst bereits absolviert. Und seitdem ist der Diplom-Designer sicher: Es kann klappen. Auch wenn der 34-Jährige bei seiner Mongolei-Tour noch um die 40 Kilogramm Gepäck auf seinem Gefährt im Rücken haben wird, um für die rund 5000 Kilometer lange Strecke durch das teils sehr, sehr einsamen Gebiete zwischen Nowosibirsk und Peking gerüstet zu sein. Immerhin verfügt der Wahlhanauer aus Schleswig bereits über einschlägige Erfahrungen. In Australien hat er das zuverlässige Fahrrad als Fortbewegungsmittel dem anfälligen Auto vorgezogen und 1600 Kilometer zurückgelegt. Und dabei die Vorteile des langsamen Reisens entdeckt. Angeregt durch seinen in Australien lebenden Onkel, für den der Veloantrieb ohnehin das Nonplusultra ist und der sogar ein pedalbetriebenes Wasserfahrzeug entwickelt hat, das aber auch an Land zu benutzen ist.

Für sich selbst entdeckte Ramsel zunächst das Mountainbike, mit dem er vor zwei Jahren von Hanau aus über 13 Länder durch das Pamirgebirge und den Himalaya bis nach Indien radelte. Neben vielen persönlichen Erfahrungen brachte Ramsel natürlich auch Videos und Fotos von seiner Reise mit nach Hause, verarbeitete diese in Vorträgen, die auf großes Interesse stießen und letztendlich auch dafür sorgten, die Ausgaben zumindest ein Stück weit zu refinanzieren und in eine noch bessere Foto- und Filmausrüstung zu investieren. Die soll den Hanauer nun auf seine ungewöhnliche Mongolei-Tour begleiten. Die ersten Termine für Vorträge nach der für August geplanten Rückkehr sind bereits ausgemacht. Die Reise selbst, sie wird wieder ein Abenteuer. Da ist sich Ramsel sicher. Mit der transsibirischen Eisenbahn soll es bis Nowosibirsk gehen. Ob die gesamte Ausrüstung auch diesen Weg nehmen kann, das werde sich zeigen. Ansonsten tritt Plan B in Kraft. Weniger attraktiv, aber letztlich auch effektiv: Anreise per Flugzeug.

So oder so, in Nowosibirsk wird dann aufs Liegerad umgestiegen und per Muskelkraft geht es etwa 1000 Kilometer auf russischem Boden in Richtung Südosten. Des Verkehrs wegen werden die Drachen auf diesem Streckenabschnitt wohl noch in den Packtaschen bleiben. Spätestens am Rande des Altaigebirges hofft Ramsel dann allerdings, dass er sich unterstützt von einem seiner Drachen, von denen er gleich mehrere für verschiedene Windstärken im Gepäck haben wird, ziehen lassen kann - getrieben von einem in dieser Jahreszeit stetigen Nordwestwind. „Da kann man die Uhr nach stellen,“ weiß Ramsel.

Auf dem Sattel durch den Kiez

Auf dem Sattel durch den Kiez - Fahrradtouren durch Berlin

In der Mongolei selbst liegen dann 3500 Kilometer mehr oder weniger Einsamkeit auf rund 1500 Metern Höhe vor dem Hanauer. Der 34-Jährige rechnet schon damit, auch einige Tage lang keinem Menschen zu begegnen. Das mache ihm nichts aus, versichert er. Er könne Einsamkeit genießen. Genauso wie er aber auch die Begegnungen mit den Einheimischen genieße. Und auf die werde er irgendwie auch angewiesen sein, weiß Ramsel. Nicht nur wegen der Versorgung mit dem Nötigsten. Denn die geplante Reiseroute ist nur eine grobe Orientierung. Regenfälle, Auswaschungen, Erdrutsche und ähnliches können dafür gesorgt haben, dass ausgesuchte Routen unpassierbar geworden sind, selbst wenn es sich um Hauptverkehrswege handelt. Alles schon erlebt bei der letzten Tour. Und keiner weiß besser, wie man alternativ weiterkommt, als die Einheimischen. Nicht zuletzt deshalb bereitet sich Ramsel auch mit seinen Russischkenntnissen intensiv auf die anstehende Reise vor.

„Es hat einen großen Reiz, neue Ideen umzusetzen,“ sagt der 34-jährige Hanauer, für den das Konzept für die neuerliche Abenteuerreise vor etwa einem Jahr Gestalt angenommen hat. Und „es soll keine Jagd werden,“ sagt Ramsel. Geschwindigkeitsrekorde bedeuten ihm nichts. Ebensowenig wie die Summe der gefahrenen Kilometer oder die überwundenen Höhenkilometer. Für ihn ist das persönliche Erlebnis wichtig. Erfahrungen mit einer einmaligen Natur, Begegnungen mit Menschen, der Weg als solcher mit all seinen Überraschungen. Vieles ist dabei nicht planbar. Es geschieht einfach, wenn man es zulässt und aus den gewohnten Alltagsstrukturen heraustreten kann. Matthias Ramsel ist dazu bereit und bringt mit Sicherheit viele neue Erlebnisse und Erfahrungen von seiner dreimonatigen Reise mit, die die Gäste seiner Vorträge in Staunen versetzen. Aber man kann schon während der Reise an den Erlebnissen teilhaben. Über den schon jetzt während der Vorbereitungen gepflegten Blogspot im Internet.

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