Messer an den Hals gesetzt

Hanau - Ein 19-jähriger kurdischstämmiger Deutscher muss sich derzeit vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Hanau verantworten. Die Anklage: Unter anderem versuchter Totschlag. Von Hans-Jürgen Krosse

Der 19-Jährige soll am 7. Mai 2010 auf dem Hanauer Freiheitsplatz versucht haben, auf einen zwei Jahre älteren Mann mit einem Messer einzustechen. Außerdem soll er gedroht haben, ihn und seine Familie „abzustechen“. Bei diesem Fall gab es vor Gericht widersprüchliche Aussagen von Zeugen. Bei drei anderen Fällen war die Beweislage klar und der Angeklagte auch geständig.

So soll er am 13. Mai vergangenen Jahres an einer Esso-Tankstelle in Hanau gegen 4 Uhr einem unbekannten jungen Mann erst zwei Ohrfeigen verpasst und ihm dann mit einem Gegenstand in den Bauch gestochen haben - grundlos.

Bei einem weiteren Vorfall im April 2010 besuchte er einen Hanauer Jugendtreff. Dort bedrohte er den Diskjockey, weil ihm dessen Musik nicht gefiel, mit einem spitzen Gegenstand und sagte „Hanau ist meine Stadt. Und wenn du weiter Musik machst, steche ich dich ab!“

Ebenfalls im April traf er an einer Tankstelle einen ehemaligen Schulkameraden. Den bat er, ihn und seine zwei Begleiter zum Heinrich-Fischer-Bad mitzunehmen. Als der junge Mann dann am Zielort seinen Mini-Cooper stoppte, wurde ihm ein Messer oder ein spitzer Gegenstand an den Hals gehalten.

Das Opfer konnte sich gerade noch aus dem Auto fallen lassen und die Polizei verständigen. Der Angeklagte nahm ihm dann den Autoschlüssel ab und schlug ihn mehrmals mit der Faust ins Gesicht.

Ein Gewaltbereiter, der nur die eigenen Regeln kennt

Der Verteidiger des 19-Jährigen versicherte, dass sein Mandant zu keinem Zeitpunkt vor hatte, jemanden zu töten. Auch bei der Beweisaufnahme konnte dem Angeklagten keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden. Deshalb wurde die Anklage auf gefährliche Körperverletzung und Bedrohung reduziert.

Im Moment sitzt der 19-Jährige in Weiterstadt ein und verbüßt dort eine Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Die bekam er 2009 wegen schwerer Körperverletzung und schwerem Raub. Die Strafe war damals zur Bewährung ausgesetzt. Wegen der jetzigen Straftaten wurde die Bewährung aufgehoben und T. musste die Haft antreten.

Ein Sachverständiger beschreibt den Angeklagten als stets gewaltbereit und einen Patriarchen, der nur seine Regeln kenne, denen sich alle andere fügen müssen. So lieferte sich der 19-Jährige auch in der Justizvollzugsanstalt eine Schlägerei mit einem Zellengenossen und zertrümmerte ihm das Kinn.

Der Angeklagte hat keinen Schulabschluss, keinen Beruf und nimmt seit seinem zwölften Lebensjahr Drogen. Geld dafür besorgte er sich mit Straftaten. So bedrohte er Jugendliche mit einem Messer und nahm ihnen die Handys ab.

Staatsanwalt Mathias Pleuser beantragte in seinem Plädoyer eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft, wobei die zur Zeit abzusitzende Strafe von zwei Jahren und neun Monaten darin enthalten ist.

Das Urteil wird am Donnerstag gesprochen.

Rubriklistenbild: © Michael Grabscheit/pixelio.de

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