Vier Jahre für Messerangriff auf Ex-Frau

Flucht rettet vor längerer Haft

Hanau - „Eigenwillig“ - dieses Wort fällt immer wieder, als Richter Peter Graßmück das Urteil im Prozess gegen Kerim K. verkündet. Von Steffen Müller

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss der 25-Jährige nun vier Jahre ins Gefängnis und 10.000 Euro Schmerzensgeld an seine Ex-Frau Sevinc K. zahlen, weil er am Abend des 26. Juli 2015 mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen hatte. Das Gericht folgte mit seinem Urteil nicht der Staatsanwaltschaft, die auf versuchten Totschlag und achteinhalb Jahr Haft plädiert hatte, sondern entschied auf gefährliche Körperverletzung, da es sich laut Richter Graßmück bei dem Angriff von Kerim K. um einen „unbeendeten Versuch des Totschlags“ handele. „Aus der Sicht des Angeklagten muss die Frage gestellt werden, ob er alles getan hat, um das Opfer umzubringen“, erklärt Graßmück. Und das sei bei Kerim K. nicht der Fall gewesen. Nach Ansicht des Gerichts hätte K. durchaus die Chance gehabt, seine Ex-Frau zu töten und damit seine Tat zu vollenden. Und zwar als Sevinc K. aus ihrer Wohnung flüchtete und auf die Straße rannte. Wie eine Zeugin angab, habe der 25-Jährige aber die Verfolgung seiner zwei Jahre ältere Ex-Frau aufgegeben und das Messer weggeschmissen.

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Zugunsten des Angeklagten spricht laut Richter Graßmück außerdem, dass die Situation am Abend des 26. Juli in der Wohnung sehr aufgeladen gewesen sei. „Eigenwillig“ sei die Beziehung zwischen Kerim und Sevinc gewesen. Trotz der Trennung habe auch Sevinc K. immer wieder den Kontakt zu ihrem Ex-Mann gesucht und ihm Hoffnung auf ein Liebes-Comeback gemacht, obwohl sie nach eigener Aussage einen neuen Partner hatte.

Auch sein „eigenwilliger“ Charakter spreche bei der Strafbeurteilung für den Angeklagten. Dem in Hanau geborenen Türken wurde in einem psychiatrischen Gutachten verminderte Intelligenz attestiert. Kerims IQ soll bei 78 liegen. Durch seine Einschränkung sei es möglich, dass er bei Zurückweisungen schneller überreagiert, was letztendlich der Auslöser für die Tat gewesen sei, als Sevinc K. ihrem Ex-Mann den Sex verweigerte und den Kontakt endgültig abbrechen wollte. Deshalb sei die Verurteilung zu vier Jahren Haft bei einem Strafrahmen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren im mittleren Bereich anzusiedeln. Damit folgt das Gericht der Forderung der Verteidiger, nicht mehr als vier Jahre Haft auszusprechen.

Die 10.000 Euro Schmerzensgeld hatte die Anwältin Gönül Halat-Mec für ihre Mandantin Sevinc K. gefordert, die als Nebenklägerin aufgetreten war. Wird das Urteil rechtskräftig, droht Kerim K. die Zwangsvollstreckung, da der Arbeitslose die Summe wahrscheinlich nicht wird aufbringen können.

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Rubriklistenbild: © dpa

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