„Das Publikum nicht unterfordern“

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Steigern sich nach durchzechter Nacht immer absurder in die Rolle von Mördern hinein: Fabrikant Naube (Michael Quast, links) und sein Schulfreund Fuchs (Rainer Ewerrien).

Hanau - Vor 38 Jahren fand die Uraufführung des hessischen Mundart-Stücks „Loch im Kopf“ von Autor und Regisseur Wolfgang Deichsel im Wilhelmsbader Comoedienhaus statt. In der Hauptrolle: Günter Strack. Von Christian Spindler 

Nun kehrt die Komödie ins Hanauer Barocktheater zurück, in einer neuen Produktion von Michael Quasts „Fliegender Volksbühne“ aus Frankfurt. Gestern stellte Quast, der auch schon im Hanauer Amphitheater mit seinen Molière-Komödien („Barock am Main“) veritable Erfolge feierte, die Inszenierung vor. Dabei bedarf es eigentlich kaum mehr viel Werbung. 60 Prozent der Karten für die vier Veranstaltungen im 211 Zuschauer fassenden Comoedienhaus sind nämlich bereits verkauft, so Nicole Rautenberg von der Comoedienhaus Betriebsgesellschaft - noch bevor die Aufführungen überhaupt groß publik gemacht wurden.

„Hochwertiges Volkstheater“ werde mit Quast in Hanau geboten, lobt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) das Kooperationsprojekt. Das war voriges Jahr vereinbart worden, nachdem eine feste Spielstätte für die „Fliegende Volksbühne“ in Frankfurt derzeit nicht gesichert ist. Für „Loch im Kopf“ hat Quast mit der TV-bekannten Anke Sevenich und mit Rainer Ewerrien („Götter wie wir“) namhafte Darsteller verpflichtet. Zudem stehen Dominic Betz, Pirkko Cremer und Detlev Nyga (Brüder-Grimm-Festspiele) auf der Bühne. Quast führt nicht nur Regie, er spielt als Kommerzienrat Albert Naube auch eine der beiden Hauptrollen. Allein Michael Quasts lebhafte Schilderung des Inhalts beim gestrigen Pressetermin lässt einiges erwarten.

Nach einer durchzechten Nacht im Frankfurter Worschtquartier wachen Farbenfabrikant Naube und sein Schulfreund Fuchs (Rainer Ewerrien) gemeinsam im Bett auf - ohne jede Erinnerung. Nachdem just im Worschtquartier ein Mord passiert ist, legen Indizien nahe, dass Naube und Fuchs die Täter gewesen sein könnten. Zumindest steigern sich beide just in das hinein - und werden tatsächlich zu Mördern, um die vermeintlichen Spuren zu verwischen. Das wird einerseits humorvoll erzählt, andererseits zeige die Geschichte, wie schnell die bürgerliche Welt ins Wanken geraten kann, sagt Quast, der anspruchsvolle Unterhaltung verspricht. Sein Credo: „Man darf das Publikum nicht unterfordern.“

„Loch im Kopf“ feiert am Donnerstag, 20. November, im Comoedienhaus Premiere. Weitere Aufführungen folgen am 21., 22. und 23. November,19.30 Uhr. Die Karten kosten im Vorverkauf von 20 bis 26 Euro. Im Anschluss wird das Stück in Frankfurt und bei weiteren Gastspielen gezeigt. Für 2015 ist mit Michael Quast eine weitere Produktion in Hanau vereinbart.

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