Prozess um Räumung im Westkarree

Ali K. will nicht weichen

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Die Gebäudezeile entlang der Hahnenstraße wird als erste abgerissen. Derzeit läuft die Entkernung und Asbestsanierung des Komplexes.

Hanau - Ali K. will nicht weichen. Weil er sich „ungerecht behandelt fühlt“ und er „kein Vertrauen hat“ in die Baugesellschaft Hanau. Von Dirk Iding

Deshalb verharren er, seine Frau und seine beiden inzwischen erwachsenen Söhne als letzte in zwei Wohnungen des vor dem Abriss stehenden Westkarrees an der Französischen Allee. Ein Termin vor dem Amtsgericht Hanau, das die Räumungsklage der Baugesellschaft gegen Ali K. verhandelt, brachte gestern erneut keine Einigung.

Seit 1984 wohnt Ali K. an der Französischen Allee. 2002 mietete er nebenan eine zweite Wohnung für seine Söhne. Nachdem K. auf mehrere Wohnungs- und Abfindungsangebote der Baugesellschaft nicht einging, flatterte ihm - wie fünf anderen Mietern - die Räumungsklage ins Haus. Mit den übrigen 118 Mietparteien, die 2009 noch im Westkarree wohnten, konnte sich die Baugesellschaft zwischenzeitlich einigen. Immerhin rund 290.000 Euro an Abfindungen, Umzugshilfen, Instandsetzungsunterstützung wurden dafür aus einem Sozialfonds des städtischen Wohnungsunternehmens gezahlt, sagt Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft.

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Doch Ali K. schlug alle Angebote der Baugesellschaft aus, zweifelt die Kündigungsgründe an und ließ es auf eine Räumungsklage ankommen. In einem ähnlichen Fall wurde der Räumungsklage der Baugesellschaft bereits stattgegeben, doch bei Ali K. ließ die Amtsrichterin durchaus Zweifel über die Rechtmäßigkeit der Kündigung durchblicken. Zumindest will sie genauer belegt haben, warum eine Sanierung des Westkarrees wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, wie von der Baugesellschaft behauptet. Die in den Kündigungen an die Mieter dazu gemachten Angaben seien unzureichend, so die Richterin.

Zur Vermeidung einer „gegebenenfalls zeit- und kostenintensiven Beweisaufnahme“ hatte die Richterin schon vor dem gestrigen Termin einen Vergleich angeregt. Doch das Angebot einer Abfindung von 15.000 Euro schlug der Anwalt von Ali K. aus. Er forderte 15.000 Euro für jede der beiden Wohnungen. Eine Einigung blieb aus. Nun soll am 7. Dezember weiterverhandelt werden, während am Westkarree bereits die Abrissarbeiten für den ersten Gebäudekomplex vorbereitet werden. Der Verhandlung vor Gericht blieb Ali K. gestern übrigens fern. Aber vor dem Gerichtsgebäude begründete er Journalisten ausführlich, warum er nicht weicht.

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