Millioneninvestition

Blockade am Steilhang

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Auf dem im Foto rechten Teil des Parkplatzes sollte der Veranstaltungstrakt des Steinheimer Hotels „Villa Stokkum“ entstehen.

Steinheim - Weil Fachleute seit einem Jahr über bautechnische Varianten zur Sicherung eines Steilhangs streiten, liegt eine Millioneninvestition des Hotels „Villa Stokkum“ am Hainberg in Steinheim auf Eis. Von Erwin Diel

Den 20. Geburtstag ihres Vier-Sterne-Hauses hatte sich Inhaberin Gabriele Christ ganz anders vorgestellt, mit einer Feier im neuen Veranstaltungstrakt zum Beispiel. Der Neubau sollte in Nachbarschaft des Hotels entstehen, auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs. Im vergangenen Jahr hatte die Unternehmerin das Grundstück gekauft, Baupläne erstellt, die Finanzierung organisiert, eine Baugenehmigung erhalten und das Projekt öffentlich vorgestellt. Am 2. Juli vergangenen Jahres sollte es los gehen, schon im Februar davor waren Bäume und Büsche auf der Erweiterungsfläche gerodet worden. Was Christ nicht hatte, war die Prüfstatik für die Sicherung der 12 Meter hohen Basaltwand die von der Straße auf dem Hainberg steil zum Hotelgrundstück abfällt. Was zunächst als Formsache erschien, könnte das Projekt zum Scheitern bringen.

Könnte für die Bauherrin teuer werden

Die von Christ beauftragten Planer schlugen zur Sicherung der Steilwand den Einbau eines Stahlnetzes vor. Ausführen sollte das Netz ein mit solchen Arbeiten vertrautes Unternehmen aus der Schweiz. Problem: Das Verfahren wird in Deutschland zwar zu Sicherung von Bahnstrecken eingesetzt, hat aber im privaten Bau keine allgemeine Zulassung. Daran stört sich der Prüfstatiker. Er verlangt über die vorliegenden geologischen Gutachten hinaus gehende Bodenuntersuchungen und will, dass die Wand komplett unter einer Betonschale verschwindet.

Das könnte für die Bauherrin teuer werden. Während das Stahlnetz für 160.000 Euro zu haben ist, könnte die Betonverschalung im ungünstigsten Fall bis zu 1,2 Millionen Euro kosten. Das, so Christ, sprenge ihre Finanzierung und mache das komplette Projekt unwirtschaftlich.

Kredite gekündigt und Fördermittel des Landes zurückgegeben

Bislang hat die Eigentümerin für Planungen, Gutachten und Vorleistungen bereits einen Millionenbetrag ausgegeben. Um den Bestand ihres Familienbetriebes nicht zu gefährden, zog sie Anfang des Jahres die Reißleine. „Ich habe die Kredite gekündigt und Fördermittel des Landes zurückgegeben, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen,“ sagt Christ im Gespräch mit unserer Mediengruppe.

Bereits gebuchte Termine im geplanten Veranstaltungszentrum mussten abgesagt, für den Betrieb ausgebildetes und eingestelltes Personal entlassen werden. Der Neubau sollte das Hotel vor allem an den Wochenenden beleben. 4 bis 5 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz hatte sich Christ von den neuen Räumen jährlich erwartet.

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