„An der Zukunft gearbeitet“

Al-Wazir gibt Startschuss für „H2anau – Wasserstoff bewegt“

Evonik-Standortleiter Berndt Vendt ließ sich von Minister Tarek Al-Wazir bei der Jungfernfahrt einer der Testwagen übers Gelände des Industrieparks Wolfgang chauffieren. -  Fotos (4): Iding
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Evonik-Standortleiter Berndt Vendt ließ sich von Minister Tarek Al-Wazir bei der Jungfernfahrt einer der Testwagen übers Gelände des Industrieparks Wolfgang chauffieren.

Hanau - Sechs Kooperationspartner teilen sich sieben Autos, die ein Stück weit die Mobilität der Zukunft sein könnten. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat gestern den Startschuss für das Projekt „H2anau – Wasserstoff bewegt“ gegeben. Von Dirk Iding

Dabei soll die Alltagstauglichkeit von strombetriebenen Autos mit Brennstoffzellentechnologie zur Reichweitenverlängerung getestet werden. Am Ende seiner Rede in einer Halle der Firma Umicore auf dem Gelände des Industrieparks Wolfgang kam der grüne Minister gestern kurz ins Sinnnieren: „Vielleicht erinnern wir uns alle einmal an diesen Tag zurück, als es in Berlin einen Dieselgipfel gab und wir hier in Hanau an der Zukunft arbeiteten“.

Diese sechs Kooperationspartner haben sich zum Projekt „H2anau – Wasserstoff bewegt“ zusammengefunden.

Tatsächlich hätte der Zeitpunkt für den offiziellen Startschuss des Projekts „H2anau - Wasserstoff bewegt“ passender kaum sein können, soll damit doch der Beweis angetreten werden, dass emissionsfreie Mobilität, die weder Mensch noch Klima gefährdet, möglich und auch praxistauglich ist. Und so waren die eigentlichen Stars des Vormittags im Industriepark Wolfgang die sieben Renault Kangoo-Lieferwagen mit Brennstoffzellen-Technologie, die die Kooperationspartner Umicore, IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Stadtwerke Hanau, Fraunhofer Projektgruppe IWKS, Evonik und Heraeus mit Unterstützung des Landes Hessen aus Fördertöpfen der Europäischen Union angeschafft haben, um in den nächsten Jahren deren Alltagstauglichkeit zu testen.

Sie waren gestern die heimlichen Stars beim Start des Projekts „H2anau – Wasserstoff bewegt“: Fünf der insgesamt sieben Renault-Kangoo-Lieferwagen, die zusätzlich zum E-Antrieb mit Brennstoffzellen-Technologie zur Reichweitenverlängerung ausgerüstet sind.

Zum Projektpaket gehört auch eine „Wasserstoff-Zapfstelle“ auf dem Gelände des Industrieparks, an der die Fahrzeuge mit vom Industriegasehersteller Linde in Flaschen gelieferten Wasserstoff bei einem Druck von 350 bar betankt werden können. Das, so Evonik-Standortleiter Bernd Vendt, sei aber nur eine „Notlösung“, weil es bislang an der Infrastruktur für eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in der Region fehle. Tatsächlich wollten sich die Kooperationspartner auch für öffentliche Wasserstoff-Tankstellen einsetzen. Bei den Kangoos handelt es sich um so genannte Hybridfahrzeuge. Die serienmäßigen Elektro-Kangoos wurden mit der Wasserstofftechnologie der Firma Symbio FCell nachgerüstet. Dank dieser Reichweitenverlängerung kommen die Wagen mit einer Strom- und Wasserstofffüllung rund 350 Kilometer weit, als „reiner Stromer“ wären es nur rund 100 Kilometer.

Hersteller setzen wieder auf die Brennstoffzelle

Seit 2013 auf dem Markt: Hyundai verkauft seine Brennstoffzelle in einem umgerüsteten ix35. Foto: Hyundai
Im Teststadium: BMW hat insgesamt acht alltagstaugliche Prototypen mit Brennstoffzelle auf Basis des 5er GT gebaut. Foto: BMW
Kraftstoff Wasserstoff: Auf der Motorshow in Detroit zeigte Audi Anfang Januar die Studie H-Tron Quattro Concept. Foto: Audi
Wenn der Honda Clarity mit Brennstoffzelle im Frühjahr in den Handel kommt, stößt er nur Wasserdampf aus. Foto: Honda
Hersteller setzen wieder auf die Brennstoffzelle
Über diesen Stutzen werden die Kangoo bei einem Druck von 350 bar mit Wasserstoff befüllt. Zudem „tanken“ sie Strom.

„Mit dieser gemeinsamen Aktion wollen wir die Brennstoffzellentechnologie ganz praktisch erfahrbar machen“, erklärte Evonik-Standortleiter Vendt. Die Firma Evonik ist bei dem Kooperationsprojekt federführend. Aus Sicht von Vendt ist es bedauerlich, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die E-Mobilität bislang noch weitgehend auf reine Elektrofahrzeuge beschränkt sei und die Wasserstoff-Technologie dabei noch nicht die gebührende Beachtung finde. Vendt: „Mit diesem Projekt wollen wir auch in der Region eine Plattform schaffen, um diese innovative Technik weiter zu entwickeln.“

Mit den Unternehmen Umicore und Heraeus sowie dem Fraunhofer-Institut forschen drei Kooperationspartner seit Jahren aktiv in der Brennstoffzellen-Technologie. Für Dr. Bernhard Fuchs vom Vorstand der Umicore kombiniert die Brennstoffzelle „die Umweltvorteile des Batterieantriebs mit der Reichweite und Betankungszeit eines modernen Verbrennungsmotors.“ Die Experten der Fraunhofer-Projektgruppe IWKS werden das Projekt wissenschaftlich begleiten, indem sie Verbräuche, Reichweiten und allgemeine Betriebserfahrungen mit den Lieferwagen erfassen und auswerten.

Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir begrüßte das Projekt ausdrücklich. Es sei richtig, dass Hessen und die EU zur Zeit verschiedene Techniken für eine emissionsfreie Mobilität förderten, „denn keiner kann heute sagen, welche Technik sich am Ende durchsetzen wird“.

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