Ausbildungsplätze frei

Mit dem Lehrprinz auf die Pirsch: Jagdclub Hanau legt bei seiner Ausbildung Wert auf Praxis und Tradition

Waffenkunde gehört auch zur Ausbildung: Hans-Walter Schäfer (links) unterrichtet Frank Giese im Umgang mit dem Jagdgewehr.
+
Waffenkunde gehört auch zur Ausbildung: Hans-Walter Schäfer (links) unterrichtet Frank Giese im Umgang mit dem Jagdgewehr.

Frank Giese hatte sein Erweckungserlebnis auf dem Heimweg. Auf der Landstraße Richtung Marköbel begegnete er einem kräftigen Raubvogel, der auf einem Zaunpfahl am Straßenrand saß. Bussard, Habicht oder Falke? „Ich war nicht in der Lage, das Tier zu bestimmen, auch nicht bei einer späteren Recherche im Internet“, sagt der 53-Jährige. „Irgendwie haben wir uns doch von der Natur entfremdet“, musste der Fachanwalt für Steuerrecht konsterniert feststellen.

Region Hanau – Seit Kurzem nun sind Giese und sein 19-jähriger Sohn Philipp Jagdschüler beim Hanauer Jagdclub. Sie nehmen an Online-Seminaren und internen Vorträgen teil, schießen am Stand in Oberrodenbach mit dem Jagdgewehr auf Distanzen von rund 100 Metern. Und am Ende ihrer Ausbildung müssen sie auch eine Woche in die Jagdschule Linslerhof im Saarland. Dort steht auch die Prüfung auf dem Programm, die man für den Jagdschein bestehen muss. Diese ist dermaßen anspruchsvoll und mit so viel Fachwissen verbunden, dass man beim Jagdschein auch gerne vom grünen Abitur spricht.

Dass man einen großen Teil seiner Ausbildung heimatnah und nach der Arbeit machen kann, ist ein Teil des sogenannten Hanauer Modells, erklärt Hans-Walter Schäfer, der Jungjägerkoordinator im Jagdclub Hanau. Aber das Konzept soll vor allem dazu beitragen, dass die Ausbildung praxisnah ist und sich an den Werten und Traditionen des Jägertums orientiert.

Hanau: Bei Jagen kommt es nicht nur auf das Schießen an

Frank Giese beispielsweise nimmt nicht nur an dem Unterricht teil, er ist auch ein sogenannter Jungjäger, der einen erfahrenen Waidmann, einen sogenannten Lehrprinz, mindestens ein Jahr lang immer wieder in den Wald und aufs Feld begleitet, ihm bei Pflege und Hege hilft. Dort lernt er, worauf es beim Jägersein wirklich ankommt. „Und das ist nicht nur das Schießen“, erklärt Hans-Walter Schäfer, der selbst seit nunmehr 48 Jahren den Jagdschein besitzt und gemeinsam mit einem Kollegen ein Revier in Butterstadt und Oberissigheim gepachtet hat. Etwa zu zwei Dritteln bestehe das Tun des Jägers aus Hege und Pflege: Zäune und Hochsitze bauen, Waschbärenfallen aufstellen und vieles mehr. Aufgaben, die von vielen Nachwuchsjägern nicht mehr sehr ernst genommen und geschätzt würden. „Viele wollen nur schnell den Schein und dann auf die Jagd“, stellt Schäfer zunehmend fest. Dazu habe auch das allgemeine Ausbildungssystem beigetragen, glaubt er. Denn mittlerweile böten viele Jagdschulen komprimierte Ausbildungen an. In drei Wochen, in denen die Neuen in den Jagdschulen kaserniert seien, bekämen sie in Vollzeit alles Wissen eingebläut, was man zum Bestehen des Scheines braucht. Man orientiere sich dort vorwiegend an den Prüfungsfragen. Dementsprechend niedrig sei die Durchfallquote.

Das größte Problem an dem System sei jedoch die Entkopplung von den Klubs. Nach der Schulausbildung verschwänden viele Jungjäger in der Anonymität und aus dem Blickfeld der Klubs. Das Hanauer Modell sei auch eine Antwort auf diese Tendenz. „Wir wollen, dass die Jäger sich wieder mehr mit einem Klub identifizieren“, so der Niederissigheimer. Deswegen sei es auch so wichtig, dass man sie als Jungjäger an erfahrene Lehrprinzen anbinde. Frank Giese hat diese Lehrzeit bisher noch nicht bereut. Er genießt die Waldgänge und die Tatsache, dass er bei jedem einzelnen etwas dazu lerne. Seit er sich mit der Jagd befasse, gehe er mit einem anderen Bewusstsein durch den Wald, berichtet er. Und sicher: Auch das Schießen habe seinen Reiz, die Technik und die Fähigkeit, über 100 Meter das Ziel zu treffen. Die Jägerei war für ihn keine Liebe auf den ersten Blick. Bereits vor 23 Jahren war er kurz davor, die Jägerausbildung zu beginnen. Doch damals habe man dafür noch ein ganzes Jahr gebraucht. Das habe er aus zeitlichen Gründen mit seinem Beruf nicht vereinbaren können. Jetzt kann Giese bereits im November an der Prüfung teilnehmen, obwohl der Kurs gerade erst begonnen hat.

Ausbildung

Im Kurs sind noch Plätze frei. Informationen erteilt Hans-Walter Schäfer unter 0157 71060096.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare