Steinheim

Mit Hitze gegen giftige Chemikalien: Millionenaufwand für mit Reinigungsmitteln verseuchtes Grundwasser

In Steinheim wird ein Millionenaufwand betrieben um mit Reinigungsmitteln verseuchtes Grundwasser zu reinigen.
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In Steinheim wird ein Millionenaufwand betrieben um mit Reinigungsmitteln verseuchtes Grundwasser zu reinigen.

Bevor an der Berliner Straße in Steinheim private Wohnhäuser entstanden, war dort auf einem Grundstück von 1951 bis 1979 die Gebäudereinigungsfirma Gieser ansässig, die auch Reinigungsmittel herstellte. Durch die Produktion gelangten Rückstände von sogenannten Leichtflüchtigen Halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) in Boden und Grundwasser.

Steinheim – Seit 2000 wird dieser Grundwasserschaden im Auftrag des Landes Hessen durch die Hessische Industriemüll GmbH (HIM), die verantwortlich für Altlastensanierung ist, betreut. Seitdem wurden zahlreiche Untersuchungen und Bohrungen durchgeführt. Der Schadensherd, ein ehemaliger Betriebsbrunnen, in dem Betriebsabfälle gelagert wurden, wurde 2017 mithilfe von Zeitzeugen aufgespürt. Damit die Chemikalien nicht weiteres Grundwasser verunreinigen, wurde bereits eine sogenannte Grundwassersicherung installiert, wie der zuständige HIM-Projektleiter, Dr. Ulrich Langer, berichtet: „Die Grundwassersicherung besteht aus zwei Brunnen, die das verunreinigte Wasser zu einer Reinigungsanlage fördern. Damit wird der Grundwasserstrom unterbrochen und eine Ausbreitung der Verunreinigung verhindert.“ In der Reinigungsanlage werden unter anderem mit einem Aktivkohlefilter die Schadstoffe aus dem Wasser entfernt.

Trotz Filterung gibt es weiterhin eine sehr hohe Konzentration von Chemikalien im Umfeld des Schadenszentrums. Im Bereich der Grundwassersicherungsbrunnen haben die Konzentrationen allerdings deutlich abgenommen. Deshalb soll der Schadensherd nun nachhaltig saniert und gereinigt werden. Das dazu nötige Verfahren nennt sich thermische Sanierung. Dabei wird der Boden in einer Tiefe von mehr als drei Metern unter der Erdoberfläche und auf einer Fläche von 70 Quadratmetern aufgeheizt. Dafür werden rund sechs Meter lange Heizlanzen in den Boden eingebracht. Diese erhitzen den Boden und das eingelagerte Schadstoff-Wasser-Gemisch, sodass es sich verflüchtigt und zu Gas wird. Mithilfe von sogenannten Sauglanzen werden anschließend die entstehenden Gase abgesaugt.

Steinheim: Verfahren zur Entgiftung sei sehr sicher

Da die LHKW sowohl für die Gesundheit als auch die Umwelt schädlich sind, ist besondere Vorsicht geboten. Laut Projektleiter Langer ist das Verfahren allerdings sehr sicher: „Die Technik der thermischen Sanierung ist so bemessen, dass die Absauglanzen im Untergrund den kompletten Schadensbereich abdecken und demnach die entstehende Bodenluft vollständig absaugen. Die Oberfläche ist mit Folie gesichert, der Außenbereich wird durch Messungen überwacht.“

Seit Ende Juli wird die Sanierung vorbereitet. Im ersten Schritt wurden Bohrungen durchgeführt. Die Anlagentechnik wird zurzeit in Containern untergebracht. Die Sanierungsanlage wird ab Oktober für rund drei Monate im Betrieb sein. Die Nettokosten für die thermische Sanierung, die aus Landesmitteln finanziert wird, belaufen sich laut Langer auf 550 000 Euro, die Gesamtkosten für das Projekt in der Berliner Straße auf 1,67 Millionen Euro.

Von Lukas Reus

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