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Mit Tatkraft in die berufliche Zukunft: Im Forum können zehn Wochen lang Handwerksberufe ausprobiert werden

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Von: Monica Bielesch

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Wo früher Mode verkauft wurde, können Jugendliche im Forum nun Handwerksberufe selbst erleben: So wie Hadi El-Khatib (rechts), der sich bei Holzarbeiten im neuen Pop-up-Store „Tatkraft“ ausprobiert.
Wo früher Mode verkauft wurde, können Jugendliche im Forum nun Handwerksberufe selbst erleben: So wie Hadi El-Khatib (rechts), der sich bei Holzarbeiten im neuen Pop-up-Store „Tatkraft“ ausprobiert. © Monica Bielesch

Die Späne fliegen, als Hadi El-Khatib beherzt mit einem großen Hobel ein Holzstück bearbeitet. Es macht ihm sichtlich Spaß und er hat den Schwung gut raus. Der 20-Jährige ist einer der ersten, die die Schreiner- und Tischlerstation im neuen Pop-up-Store „Tatkraft“ im Forum Hanau ausprobiert. „Es ist toll, dass man hier neue Erfahrungen machen und einfach in Berufe reinschnuppern kann“, sagt Hadi El-Khatib.

Hanau – Zehn Wochen lang, bis zum 30. Juli, präsentieren 13 Innungen auf besondere Art und Weise im Obergeschoss des Forums auf rund 1000 Quadratmetern ihre Handwerksberufe. Die Idee: Jugendliche sollen an den einzelnen Stationen direkt Hand anlegen können. So kann unter anderem ein Stück Gehweg gepflastert werden, Fliesen werden an die Wand geklebt, an Perücken können Frisurentechniken ausprobiert werden und an einem Waschbecken ist die Aufgabe, die Abflussrohre richtig zu stecken.

Und wenn sich jemand tatsächlich für einen Beruf begeistert, bekommt er direkt eine Liste mit Ausbildungsbetrieben, die aktuell einen Lehrling suchen in die Hand gedrückt. So wie Hadi El-Khatib, der einen Beruf sucht, bei dem er wirklich anpacken und fleißig sein kann.

Auf den Weg gebracht haben laut Kreishandwerksmeister Martin Gutmann den Pop-up-Store drei Frauen: Heike Hengster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Hanau, Nicole Laupus, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, sowie Erika Schulte, Wirtschaftsförderin der Stadt Hanau. Hengster: „Wir wollen mit diesem neuen Format Betriebe und junge Menschen persönlich zusammenbringen.“ Gutmann betonte in seiner Eröffnungsrede, dass es nicht nur darum gehe, Lehrlinge für die Betriebe und Berufe zu begeistern. „Es ist auch ein gesellschaftlicher Auftrag.“

Bei der Eröffnung: Heike Hengster (rechts) von der Arbeitsagentur ist eine der Macherinnen des „Tatkraft“.
Bei der Eröffnung: Heike Hengster (rechts) von der Arbeitsagentur ist eine der Macherinnen des „Tatkraft“. © Monica Bielesch

Die Energiewende sei nur mit Handwerkern zu leisten, die Dächer dämmen, Photovoltaikanlagen aufbauen oder E-Autos reparieren können. Gutmann betonte ebenso wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass im Handwerk für junge Menschen große Chancen liegen. Gutmann: „Die Zeit war noch nie so gut, im Handwerk beruflich etwas zu erreichen.“

Für Kaminsky passt der Ansatz von „Tatkraft“ in das Gesamtkonzept der Stadt, mit innovativen Ideen und Aktionen die Innenstadt nachhaltig zu beleben. „Im Forum sind die jungen Leute unterwegs, da holen wir sie ab.“ Und der OB betonte: „Handwerk ist die Zukunft.“ Er dankte den Macherinnen für die schnelle Umsetzung, denn die Idee, das „Tatkraft“ zu machen, sei erst Ende Januar entstanden.

13 Handwerksinnungen ermöglichen im „Tatkraft“ an ihren Stationen praktische Einblicke in Berufsbilder.
13 Handwerksinnungen ermöglichen im „Tatkraft“ an ihren Stationen praktische Einblicke in Berufsbilder. © Monica Bielesch

So wurde aus dem Ladengeschäft, wo zuletzt das Impfzentrum seinen Sitz hatte, mit Unterstützung von vielen Seiten eine Bühne für das Handwerk. Und nicht nur Jugendliche sollen angesprochen werden. Denn auch Eltern müssen überzeugt werden. Diese Erfahrung hat Janette Kratz gemacht. Die Leiterin das Hanauer Standortes des Aus- und Weiterbildungszentrums Fischer & Klimesch sagt: „Bei vielen Eltern herrschen noch Vorurteile und negative Klischees über Handwerksberufe vor.“ Gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher und Kollegen ist Kratz zur Eröffnung des „Tatkraft“ gekommen. Die Dozenten sind angetan von den Stationen, die neugierig auf die Berufe machen würden. „Hier können die Jugendlichen wortwörtlich etwas in die Hand nehmen“, sagt Dozent Andreas Peppler.

Und sie erfahren, wie die Aufstiegschancen und die Gehälter im Handwerk sind. Die können sich sehen lassen: So verdient ein Elektroinstallateur im letzten Ausbildungsjahr rund 1000 Euro, ein Maurer sogar 1475 Euro. Schulklassen können sich ab sofort für Besuche anmelden. Geplant sind auch besondere Aktionen zu konkreten Berufen. Unterdessen fegt Hadi El-Katib die Späne weg, die er produziert hat. Ein junger Mann mit viel Tatkraft.

Weitere Informationen

„Tatkraft“: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr. Schulklassen und Gruppen werden um Anmeldung gebeten telefonisch unter z 06181 80910 oder per E-Mail an info@tat kraft-hanau.de. Infos im Internet: tatkraft-hanau.de.

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