Vom Aussterben bedrohte Nager

Gegner eines Baugebiets setzen auf die Hamster-Karte

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Der vom Aussterben bedrohte Feldhamster könnte für die Gegner des Neubaugebiets am Lützelberg zum Trumpf werden.

Mittelbuchen - In ihrem Bemühen, das umstrittene Neubaugebiet doch noch zu verhindern, setzt die Interessengemeinschaft Bauvorhaben Mittelbuchen Nordwest verstärkt auf die Karte „Schutz des bedrohten Feldhamsters“. Von Dirk Iding 

Die Stadt Hanau gibt sich gelassen und strebt einen baldigen Satzungsbeschluss für die rund vier Hektar große, derzeit noch landwirtschaftlich genutzte Fläche an. Unstrittig ist, dass auf dem bereits im Flächennutzungsplan zur Wohnbebauung vorgesehenen Areal, auf dem die Hanauer Bien-Ries AG ein Wohngebiet mit rund 120 Wohneinheiten errichten möchte, vom Aussterben bedrohte Feldhamster leben. Naturschützer sehen in dem Areal am Lützelberg einen der letzten Rückzugsräume für den possierlichen Nager im westlichen Main-Kinzig-Kreis. Nach ihrer Ansicht verstößt eine Bebauung nicht nur gegen das Bundesnaturschutzgesetz, sondern auch gegen EU-Recht, da das geplante Neubaugebiet in einer sogenannten Bundesmonitoringfläche liege, in der EU-pflichtig die Entwicklung des Feldhamsters überwacht und von Deutschland an die EU gemeldet werden müsse.

In einem zehn Punkte umfassenden Fragenkatalog an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hanau hat die IG Bauvorhaben Mittelbuchen Nordwest zudem deutliche Kritik am Umgang mit der Fläche und dem zur Umsiedlung des Feldhamsters vorgesehenen Areal geäußert. Da ist von weiterer ackerbaulicher Nutzung mit tiefen Furchen durchs Umpflügen ebenso die Rede wie von Jagdhundeprüfungen, die ausgerechnet auf diesen Flächen stattgefunden hätten, oder von fehlenden Schildern zum Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit.

„Wir werden zu allen Kritikpunkten im Rahmen des weiteren Verfahrens detailliert Stellung nehmen“, sicherte gestern Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle im Gespräch mit unserer Zeitung zu. Er hoffe auf einen baldigen Satzungsbeschluss über das umstrittene Neubaugebiet, „denn dann besteht die Möglichkeit, dass all diese Fragen nötigenfalls auch juristisch geklärt werden können.“ Davon, dass die Gegner des Baugebiets einen Satzungsbeschluss juristisch anfechten werden, geht Bieberle mittlerweile fest aus.

Doch für eine gerichtliche Auseinandersetzung sieht er die Stadt Hanau gut gewappnet. „Wir sind sicher, dass der Feldhamster dank der vorgesehenen Maßnahmen künftig dauerhaft bessere Lebensbedingungen in Mittelbuchen haben wird, als er sie heute hat“, so Bieberle. Wie berichtet, ist eine Umsiedlung der Feldhamster-Population auf eine ganzjährig geschützte Fläche geplant. Alles werde mit der Oberen Naturschutzbehörde abgestimmt und stehe selbstverständlich auch in Einklang mit EU-Vorschriften, erklärte Bieberle. Am Ende werde das Thema Feldhamsterschutz insgesamt in den Abwägungsprozess zur Realisierung des Baugebiets einfließen.

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Hanaus Stadtentwickler verwahrt sich allerdings gegen Verdächtigungen, die Stadt Hanau habe ein Interesse daran, „den Feldhamster in irgendeiner Art und Weise zu vergraulen“. Der von der Interessengemeinschaft der Unteren Naturschutzbehörde vorgelegte Fragenkatalog impliziere nämlich genau dieses.

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