Mode geht auch ohne Geld

Evangelische Kirche möchte mit „TauschRausch“ ein Zeichen setzen

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Eine gute Idee aus Kassel soll nun auch in Hanau Schule machen: der „TauschRausch“. Mode wird nicht gekauft, sondern getauscht. Seine Hanau-Premiere erlebte der „TauschRausch“ am Freitagabend in der Christuskirche.

Hanau - Flohmarkt kann jeder. Aber wie wäre es einmal mit Tauschen? So schwer ist das nicht, wie Helena Tillert von der TauschRausch Initiative in Kassel am Freitagabend bei einer Veranstaltung der evangelischen Fachstelle Zweite Lebenshälfte in den Räumen der Christuskirche an der Ehrensäule vor einem Dutzend interessierter Frauen bei einem „Werkstattabend“ der besonderen Art berichtete. Von Dieter Kögel 

Vorwiegend junge Leute waren es, Studenten und Schüler, die den „TauschRausch“ im Jahr 2012 in Kassel initiiert haben. Getragen von dem Gedanken, Ressourcen zu schonen, Alternativen zum Wegwerfen zu bieten, Geld als Zahlungsmittel außen vor zu lassen und nicht zuletzt auch davon, über die Zustände zu informieren, unter denen Textilien heute häufig hergestellt werden, wurde dieser alternative Modebasar ins Leben gerufen. Zwei Euro Lohn für einen Zwölf-Stunden-Tag, 2 700 Liter Wasser für die Erzeugung von Baumwolle für ein einziges T-Shirt, unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Produktion, inakzeptable Ökobilanzen beim Transport zu den Abnehmern – das sind oft die Kehrseiten unserer modernen Modewelt. Der „TauschRausch“ will das ins Bewusstsein rücken, ist also auch ein Projekt mit politischem und aufklärerischem Hintergrund, wie Helena Tillert betonte. Und dennoch landen jährlich gut 150.000 Tonnen Textilien in Containern. Unnötig, wenn Mode auch getauscht werden kann.

Anfänglich bekamen die Tauschenden Stempel für ihre zum Tausch angebotenen Textilien oder Accessoires. Gemäß der Stempelanzahl konnten die Kunden dann Waren eintauschen. Mittlerweile hat „TauschRausch“ Abstand genommen von diesem Verfahren. Nun bringt jeder mit was er will, jeder tauscht ein was er mag. Ganz ohne Entgelt. „Es gibt keine Währung mehr.“ Und das funktioniere hervorragend, versichert Tillert von der „TauschRausch“-Initiative Kassel. Aber wie wird eine solche Tauschbörse organisiert? Auch dazu gab Tillert Anregungen. Werbung über Flyer betreiben, Versicherungsfragen klären, Helfer organisieren, die das Tauschgut sichten und vorsortieren, und vor allem auch einen geeigneten Raum finden.

Diese Farben wählen erfolgreiche Frauen

Das dürfte, falls der „TauschRausch“ in Hanau Schule machen sollte, kein Problem sein, sagen Sabine Schött vom Bereich Frauenarbeit und Annegret Zander von der Fachstelle Zweite Lebenshälfte der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Da stünden viele kirchliche Räumlichkeiten zur Verfügung.

Ziel des Werkstattabends in der Evangelischen Christuskirche war es, die Idee der jungen Leute aus Kassel „in die Generation der Zweiten Lebenshälfte zu bringen.“ Und es müsse zunächst einmal gar kein großer Rahmen sein. Ob auf Vereinsebene, im Nachbarschafts-, Freundes- oder Bekanntenkreis, die Idee des Kleidertausches könne sich zunächst auch im Kleinen bewähren – und dann wachsen. „Wir wollen das anschieben,“ so Annegret Zander. Und das geschah am Freitag nicht nur theoretisch. Alle Teilnehmerinnen hatten genügend Textilien mitgebracht, um einen kleinen Tauschmarkt auf die Beine zu stellen. Da wechselten dann Jacken, Pullover oder Blusen den Besitzer, und das mit einem ziemlich hohen und kommunikativen Spaßfaktor. Deshalb will man auch alles daran setzen, den „TauschRausch“ auch in der Brüder-Grimm-Stadt zu etablieren.

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