Prozess in Hanau

Mord in der Gallienstraße: Angeklagte in Finanznot?

Hanau - Ein Erbschaftsstreit zwischen Bruder und Schwester soll der Grund dafür gewesen sein, dass am 7. September 2013 in der Gallienstraße tödliche Schüsse fielen. Von Laura Hombach

Hätte eine juristische Niederlage in der Auseinandersetzung die wirtschaftliche Existenz der Angeklagten bedroht? Darum ging es am gestrigen Verhandlungstag. Wegen gemeinschaftlichen Mordes müssen sich ein 52-Jähriger und seine 31-jährige Lebensgefährtin vor dem Landgericht Hanau verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, den Schwager des 52-Jährigen am 7. September 2013 mit Schüssen durch die Wohnungstür seines Hauses in der Gallienstraße getötet zu haben.

Ihr Bruder habe stets auf großem Fuß gelebt, habe viel Geld für sein Jagd-Hobby ausgegeben, sei gleichzeitig aber keiner geregelten Arbeit nachgegangen, hatte die Schwester des Angeklagten und Frau des Opfers im ersten Verfahren ihren Bruder beschrieben. Ein Bild, das sich auch bei den Ermittlungen zu dessen Finanzen bestätigte, für die seine deutschen Konten für den Zeitraum von September 2011 bis September 2013 und die Konten in Österreich, wo der Angeklagte zuletzt wohnte, von April 2009 bis April 2014 ausgewertet wurden.

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Auf keinem der Konten hatten die beiden Ermittlerinnen, die gestern ihre Aussage machten, regelmäßige Einkünfte aus Gehaltszahlungen oder Mieteinnahmen finden können. Stattdessen ging auf einem der deutschen Konten 2012 eine erhebliche Summe ein, die eine Versicherung dem jetzigen Angeklagten nach dem Brand seines Wohnhauses ausbezahlte. Das österreichische Konto speiste sich indes hauptsächlich aus diversen Bareinzahlungen sowie Überweisungen durch die Frau und den Sohn des Angeklagten.

Dem standen erhebliche Ausgaben des jetzigen Angeklagten - unter anderem für Einkäufe bei einem Jagd-Handel und eine Jagdreise nach Afrika - von bis zu 4000 Euro monatlich sowie Kredite für den Kauf eines teuren Autos und zur Baufinanzierung gegenüber. Hätte der Angeklagte nach der Niederlage in dem juristischen Erbstreitsverfahren mit seiner Schwester dieser tatsächlich ihren Anteil auszahlen müssen, die Rede ist von rund 40.000 Euro, dann wäre am Ende auf den Konten nichts übrig geblieben, so das Ergebnis der Ermittlungen.

Die Verteidigung des Angeklagten meldete indes Zweifel daran an, dass die Ermittler tatsächlich die Vermögensverhältnisse ihres Mandanten überblickt hätten. Sie spielten auf die Existenz weiterer Konten und auf die erheblichen Summen an, die der Angeklagte durch den Verkauf von Immobilien aus dem Familienbesitz eingenommen haben müsse, für deren Verbleib die Ermittler aber keine Spur hatten finden können.

Auf finanzielle Unterstützung seitens seiner mitangeklagten Lebensgefährtin hätte der 52-Jährige indes wohl kaum setzten können. Wie die Recherchen der Ermittler ergeben haben, reichten bei ihr die regelmäßigen Eingänge aus Unterhaltszahlungen ihres geschiedenen Mannes, der Familienkasse und der Bundesagentur für Arbeit gerade einmal aus, um die Ausgaben zu decken. Morgen soll der Prozess mit der audio-visuellen Vernehmung eines verdeckten Ermittlers, der in das persönliche Umfeld des Angeklagten eingeschleust worden war, fortgesetzt werden. Der Ermittler wird dabei per Monitor zugeschaltet und sein Aussehen verfremdet.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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