Mord in der Gallienstraße: Verdeckter Ermittler schildert Treffen mit Angeklagtem

Töten als Gesprächsstoff

Hanau - Lange war sie im Mordprozess um die tödlichen Schüsse, die am 7. September 2013 in der Gallienstraße fielen, erwartet worden: Die Zeugenaussage des verdeckten Ermittlers mit Tarnnamen Errol. Von Laura Hombach

Seit Donnerstag letzter Woche ist es nun endlich soweit: Per Videoschaltung in den Gerichtssaal übertragen und hinter einer Plastikplane als Sichtschutz verborgen, berichtet Errol von seinen Erkenntnissen. Der verdeckte Ermittler war auf den heute 53-jährigen Angeklagten angesetzt worden, nachdem dieser bereits kurz nach der Tat in das Visier der Polizei geraten war, die Beweise gegen ihn aber nicht ausgereicht hatten. Vor dem Hanauer Landgericht wird gegen den 53-Jährigen sowie eine heute 31-Jährige, die bis vor Kurzem die Lebensgefährtin des Angeklagten war, wegen gemeinschaftlichen Mordes am Schwager des Angeklagten verhandelt (wir berichteten).

Während man bereits am ersten Tag von Errols Aussage nicht über die Schilderung des ersten Treffens des verdeckten Ermittlers mit der Angeklagten hinauskam, verlief auch der zweite Teil von Errols Aussage am gestrigen Verhandlungstag nur schleppend. Denn kaum hatte Errol mit seiner Aussage begonnen, hieß es auch schon wieder Sitzungsunterbrechung.

Und so zeigten die Zeiger der Uhr im Gerichtssaal A 215 bereits auf 15 Uhr, als man sich endlich der ersten Begegnung des verdeckten Ermittlers mit dem Angeklagten zuwenden konnte. Errol, der sich unter dem Vorwand, Interesse am Jagen zu haben, in die Gunst des Angeklagten - einem passionierten Jäger - eingeschlichen hatte, schilderte, dass der Angeklagte ihm zunächst sehr sachlich begegnet sei. Die anfängliche Zurückhaltung habe sich aber schnell gelegt: Bereits am zweiten Tag erzählte der Angeklagte dem verdeckten Ermittler vom Mord an seinem Schwager und davon, dass er der Tat verdächtigt worden sei.

Der Angeklagte habe viel zu dem Mord zu sagen gehabt. Etwa, dass er perfekt geplant gewesen sei, weil der Täter von niemandem gesehen und auch von einer in der Nähe befindlichen Kamera nicht aufgezeichnet worden sei. Zudem seien die Schüsse genau zu dem Zeitpunkt abgegeben worden, als in Hanau ein Feuerwerk gezündet wurde. Das alles habe der Angeklagte in sehr sachlichem Ton erzählt. Genauso wie er auch die Aussage, er sei nicht traurig über den Tod des Schwagers, der ein „Arschloch“ gewesen sei, ganz nüchtern und ohne Empathie getroffen habe.

Fotos zum Exorzismus-Prozess in Frankfurt

Bilder zum Exorzimus-Prozess in Frankfurt
Bilder zum Exorzimus-Prozess in Frankfurt
Bilder zum Exorzimus-Prozess in Frankfurt
Bilder zum Exorzimus-Prozess in Frankfurt
Fotos zum Exorzismus-Prozess in Frankfurt

Überhaupt ging es an jenem zweiten Tag zwischen Errol und dem Angeklagten viel und lange um Waffen und das Töten. Nicht nur um das Töten von Tieren - wie es beim Zusammentreffen von Jagdinteressierten ja nicht weiter verwunderlich wäre - sondern auch um das Töten von Menschen. Der Angeklagte habe dabei erklärt, dass er kein Problem damit haben würde, jemanden zu töten, wenn derjenige das verdient habe. Thema sei aber auch gewesen, an welchen Körperstellen man einen Menschen mit einem Messer treffen muss, damit er am schnellsten verblutet.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion