Was passierte in Maintal-Dörnigheim?

Ehepaar getötet: Gericht hält Notwehr für wahrscheinlich

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Hanau - Bei der Tötung des Ehepaares Harry und Sieglinde Klock könnten die beiden derzeit im Hanauer Landgericht angeklagten Männer auch in Notwehr- und Nothilfesituationen gehandelt haben und dementsprechend verurteilt werden. Von Andreas Ziegert

Das teilte die 1. Große Strafkammer mit und sorgte damit für Entsetzen bei den als Nebenklägern an der Verhandlung teilnehmenden Angehörigen der Opfer. Die beiden 60 und 30 Jahre alten Angeklagten, Vater und Sohn, hatten zugegeben, das Ehepaar am 6. Juni 2014 auf einem Grundstück nahe Maintal-Dörnigheim getötet zu haben. Über ihre Verteidiger hatten sie aber zu Prozessbeginn verlautbaren lassen, dass die Aggressionen vom Ehepaar Klock ausgegangen seien.

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Nach Auffassung des Gerichts kommt für den 30-Jährigen, der wegen Totschlags angeklagt ist, laut der aktuellen Beweislage auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlages und Einstechens auf den bereits leblose Harry Klock in Frage. Zudem könnte von einem minderschweren Fall und von Notwehr als Rechtfertigungsgrund ausgegangen werden, auch eine verminderte Schuldfähigkeit komme in Betracht. Das mögliche Strafmaß für den 30-Jährigen, der zugegeben hatte, 17 Mal mit einem Messer auf Harry Klock eingestochen zu haben, würde sich damit erheblich reduzieren. Gleiches gilt für seinen Vater, dem die Staatsanwaltschaft Hanau in der Anklage den Mord an Sieglinde Klock vorwirft. Auch hier sei nach derzeitigem Stand eine Verurteilung wegen Totschlags in einem minderschweren Fall nicht auszuschließen, möglicherweise ebenfalls unter Berücksichtigung einer verminderten Schuldfähigkeit. Zudem könnte auch eine Nothilfesituation angenommen werden. Der 60-Jährige hatte gestanden, die zwei Schüsse abgegeben zu haben, die Sieglinde Klock tödlich verletzten.

Die Strafkammer brachte damit zum Ausdruck, dass sie den von der Verteidigung vorgetragenen Tatablauf derzeit für am wahrscheinlichsten hält. Demnach handele es sich um Notwehr. „Ich bin etwas geschockt“, erklärte daraufhin ein Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Markus Roscher-Meinel. Er habe damit gerechnet, dass auch der 30-Jährige wegen Mordes verurteilt werden könnte.

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Für Diskussionen sorgte die Aussage von Professor Ansgar Klimke, der als Sachverständiger die Persönlichkeit der Angeklagten begutachtete. „Wenn Harry Klock ihn tatsächlich mit einem Messer bedroht hat, könnte dies das Fass zum Überlaufen gebracht haben“, hält Klimke eine Schuldunfähigkeit des 30-Jährigen nicht für ausgeschlossen.

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