Adoptivvater umgebracht

Mordprozess in Hanau: Blutige Details und eine düstere Prognose - Täter ist „ein Psychopath“

DNA-Abstrich an Messer
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„Große Kaltblütigkeit“: Das Hanauer Schwurgericht hat sich am dritten Verhandlungstag mit den blutigen Details des Verbrechens am Harzweg beschäftigt.

Am dritten Verhandlungstag im Prozess um den Mord an einem Mann aus Hanau sagen die Gutachter aus. Es kommen grauenhafte Details ans Licht. Eine Prognose erschüttert.

  • Am 13. Januar wird die Leiche eines Mannes in Hanau gefunden
  • Der Adoptivsohn des Opfers muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten
  • Am dritten Prozesstag kamen grauenhafte Details zur Tat ans Licht

Hanau – Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel warnt die zahlreichen Zuschauer vor dem, was gleich kommt. Es ist erneut nichts für schwache Nerven in diesem Mordprozess gegen den 37-jährigen Andreas M., denn eine sachverständige Zeugin, wie sie von Juristen genannt wird, bereitet sich auf ihre Aussage vor.

„Wir müssen das öffentlich erörtern, das ist unsere Aufgabe, um den Fall aufzuklären. Sie sollten es sich aber gut überlegen, ob Sie sich das anschauen wollen.“

Prozess in Hanau: Grauenhafte Bilder vom Tatort

Die Vorsitzende der 1. Schwurgerichtskammer kennt die Akten bereits. Und die Bilder von den grauenhaften Verletzungen. Dr. Constanze Niess hat Fotos vom Tatort am Großauheimer Harzweg sowie aus dem Frankfurter Sektionssaal mitgebracht.

Grausige Inhalte, die nötig sind, um das Kapitalverbrechen aus Sicht der Gutachterin zu rekonstruieren. Die Obduzentin vom Rechtsmedizinischen Institut der Universität Frankfurt ist sehr gewissenhaft. Daher sind es zahlreiche blutige Details, die sehr schnell dafür sorgen, dass plötzlich viele Stühle im Zuschauerraum leer sind.

Hanau: Tatablauf bei Mord an Vater eindeutig

Das Gruselige: Der Tatablauf deckt sich fast komplett mit dem umfassenden Geständnis von Andreas M., der seinen Adoptivvater zunächst geschlagen sowie gewürgt und anschließend erstochen hat. „Vom Morphologischen her ist das plausibel“, bestätigt Niess, die unzählige Wunden an der Leiche den Messerstichen und Schlägen zuordnet.

Sie muss das grausame Geschehen wissenschaftlich analysieren. „Es sind zwei Messer zum Einsatz gekommen“, berichtet sie. Die Klingenlängen liegen bei 15 und 18 Zentimetern. „Es sind insgesamt 19 Stich- und Schnittwunden“, sagt Dr. Niess kommt zum Ergebnis: „Ein Stich in die Brust war die tödliche Verletzung.“

Prozess in Hanau: Täter bringt wehrloses Opfer um

Dass der 71-jährige Hubert M. von seinem Adoptivsohn zunächst gewürgt wurde, dann jedoch wieder aufgestanden sein soll, hält sie für realistisch. Dass Andreas M. dann zwei Messer aus der Küche geholt und das wehrlose Opfer umgebracht hat, deckt sich ebenfalls mit den Erkenntnissen der Obduktion. Allerdings fügt die Wissenschaftlerin am Ende ihrer Aussage hinzu: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Der Angeklagte schaut sich die schauderhaften Bilder an – völlig ohne Emotion. Mehr noch: Er hilft der Gerichtsmedizinerin sogar und liefert aus seiner Sicht blutige Analysen des Ablaufs.

Völlig emotionslos: Täter gesteht Mord in Hanau

Verblüfft ist auch Dr. Sven Krimmer, der forensisch-psychiatrische Gutachter aus der Klinik in Haina, der mehrfach mit M. in der Untersuchungshaft gesprochen hat: „In einer solchen Deutlichkeit ist das sehr selten.“ Meistens würden Angeklagte Ausflüchte suchen und den Tatablauf bewusst beschönigen, die Menge von Alkohol oder eingenommenen Drogen dagegen aber betonen.

M. habe sich jedoch komplett anders verhalten. „Er war geradeaus und hat die Tat schonungslos beschrieben. Niemals hat er etwas anderes gesagt.“ Emotionen zeige der 37-Jährige jedoch nicht. „Reue oder Bedauern gibt es bei ihm nicht“, so der Gutachter, der das als „Tatzufriedenheit“ einordnet.

Mordprozess in Hanau: Hass und Wut sind mögliche Motive

„Da ist schon eine große Kaltblütigkeit, mit der er das Geschehen beschreibt.“ In den Gesprächen habe er niemals von seinem „Vater“ gesprochen. „Er hat ihn in den Gesprächen immer ‘den Getöteten’ genannt.“ Für den Psychiater steht daher fest: „Herr M. hat seinen Vater seit vielen Jahren gehasst.“ Und er nennt Hass und Wut als mögliche Motive für das Blutbad.

Doch Krimmer hat eine sehr eindeutige Erklärung für das seltsam anmutende Verhalten. Der 37-Jährige habe eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. „Daran bestehen aus psychiatrischer Sicht keine Zweifel“, stellt der Experte fest.

Hanau: Täter ist laut Gutachter ein Psychopath

Nach dem Verbrechen hat die Polizei keinerlei Alkohol im Blut von M. festgestellt. Allerdings nimmt er seit Jahren Amphetamine. „Es gibt keinen Zweifel, dass er auch am Tag der Tat unter dem Einfluss von Amphetaminen gestanden hat. Allerdings ist er geplant und gezielt vorgegangen – und er ist an die Substanzen seit Jahren gewöhnt.“ Krimmer hält M. daher für „voll schuldfähig“.

Und der Gutachter hat am Ende noch seiner Aussage eine noch viel düstere Prognose: „Eine Rückfallwahrscheinlichkeit ist sehr hoch – bis hin zur Tötung.“ M. sei ein Psychopath, der „gefühlskalt und antisozial“ eingestellt sei. Mitleid mit seinen Opfern kenne er nicht.

Mordprozess in Hanau: Plädoyers stehen an

Damit biegt der Mordprozess bereits auf die Zielgerade. Am Donnerstag (9. Juli) werden Staatsanwältin Lisa Pohlmann und Strafverteidigerin Andrea Sawa ihre Plädoyers halten.

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