Nach Erhöhung der Deponie-Gebühren

Müllabfuhr wird viel teurer

Hanau - Den Hanauern steht eine drastische Steigerung der Abfallgebühren bevor. Satte 30,2 Prozent müssen sie mehr bezahlen. Und das bereits in wenigen Tagen. Denn die Steigerung wird schon ab 1. Oktober gelten. Von Christian Spindler 

Ein Beispiel: Wer seine 120-Liter-Restmülltonne alle 14 Tage leeren lässt, zahlt dafür bisher 164,04 Euro pro Jahr. Nun sind es 213,60 Euro. Die Gebühren für die Restmüll-Entsorgung waren in Hanau zuletzt 2011 um sieben Prozent erhöht worden. Anfang 2017 hatte es dann sogar eine Senkung um etwa zehn Prozent gegeben. Dass es wieder nach oben gehen würde, wurde vor ziemlich genau zehn Monaten bei der Haushaltspressekonferenz angekündigt. Von einer voraussichtlichen Steigerung der Abfallgebühren um zehn Prozent ab 2019 ging der zuständige Dezernent Thomas Morlock (FDP) damals aus.

Es sollte anders kommen. Grund: Im Juni dieses Jahres erhöhte der Main-Kinzig-Kreis, über den auch der Abfall aus Hanau entsorgt wird, die Deponiegebühren um rund ein Viertel (25,2 Prozent). Die anfallenden Defizite bei den Müllgebühren könnten nicht mehr durch Rücklagen ausgeglichen werden, hieß es. Zuvor hatte der Kreis-Eigenbetrieb Abfallwirtschaft mehr als zehn Jahre lang die Gebühr nicht erhöht, heißt es von der Stadt Hanau. Das sei eine Folge davon, kritisiert Hanaus Stadtrat Morlock, dass der Kreis offenbar „über Jahre keine Gebührenbedarfsberechnung vorgenommen hat“. Wohl deshalb seien allein in den Jahren 2013 bis 2016 „Kostenunterdeckungen über alle Abfallarten in Höhe von mehr als 15 Millionen Euro im Kreis-Eigenbetrieb Abfallwirtschaft aufgelaufen“.

Erschwerend komme hinzu, dass die Erhöhung der Deponiegebühren vom Kreis rückwirkend zum 1. Januar 2018 beschlossen wurde. Für die bisherigen Monate dieses Jahres habe die Stadt Hanau die Mehrkosten über ihre eigene Gebührenrücklage noch ausgeglichen. Diese sei mit einem Restbestand von etwa 200.000 Euro zum Jahresende 2018 aber annähernd aufgezehrt. Daher sei ein sofortiger Gebührenanstieg „unaufschiebbar“. Gestern fasste bereits der Magistrat den entsprechenden Beschluss.

Bilder: Elektro-Müllwagen schont Umwelt und Ohren

 

 

 

 

 

 

Für einen Vier-Personen-Haushalt bedeutet die Erhöhung eine jährliche Mehrbelastung von knapp 50 Euro, rechnet die Stadt vor. Im Einzelnen steigt die Gebühr im Zusammenhang mit der gewählten Behältergröße für Restmüll wie folgt:

Wer seine 80-Liter-Tonne 14-tägig leeren lässt, zahlt künftig im Jahr 142,44 Euro und damit 33 Euro mehr als bisher. Bei der wöchentlichen Leerung verdoppelt sich der Zuschlag auf die neue Gebührenhöhe von 284,76 Euro. Bei der 120-Liter-Tonne im 14-tägigen Leerungsrhythmus steigt die Gebühr von 164,04 auf 213,60 Euro, bei wöchentlicher Abfuhr von 328,08 auf 427,20 Euro. Der Tarif für die nur wöchentlich leerbare 240-Liter-Restmülltonne geht von bisher 656,28 auf 854,40 Euro hoch.

Im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis liege Hanau auch nach der Erhöhung „immer noch im guten Mittelfeld, sagt Stadtrat Morlock. Als Beispiel führt er die 120-Liter-Restmülltonne bei wöchentlicher Leerung an. Während in Hanau dafür ab Oktober 427,20 Euro zu zahlen sind, verlangen andere Kreiskommunen laut Morlock zwischen 300,24 und 828 Euro. Es bleibe abzuwarten, wann und in welcher Höhe andere Gemeinden im Kreis den Anstieg der Deponiegebühren an die Bürger weitergeben. In Hanau fallen pro Person und Jahr um die 200 Kilogramm Restmüll an. Jährlich werden in Hessen um die 1,2 Millionen Tonnen Restmüll entsorgt.

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