Zweite Premiere der „Flip Flops“

Sieg der Liebe über Hass und Vorurteile

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Der arrogante Bauernlümmel Gustav hetzt das Dorf auf, die tödliche Jagd auf das Biest beginnt. 

Hanau - Nach rund zweijähriger Vorbereitung feierte die neue Produktion der 14- bis 17-jährigen Tänzer, Darsteller und Sänger der Musical-Gruppe „Flip Flops“ am Sonntagabend im sehr gut besetzten Paul Hindemith Saal des Congress Parks Hanau eine rundum gelungene Premiere. Von Dieter Kögel 

Jeder Handel mit unbekannten Mächten, um einer Notlage zu entfliehen, sollte wohl überdacht werden. Sonst drohen hinterher womöglich Seelenqualen, wie sie der Vater (Steffen Schmidt) erleidet, der im Musical „Die Schöne und das Biest“ der „Flip-Flops Teens“ seine Tochter Bella (Kristin Riedel) dem fürchterlichen Biest (Jan Kleinert) verspricht.

Unter der Gesamtleitung von Annett Riedel und Iris Schmidt haben Ensemble und die vielen Helfer hinter der Bühne einen spannungsreichen und farbenfrohen Bilderreigen entworfen, bei dem der Stimmungsbogen vom ausgelassenen Dorffest über geheimnisvolle und magisch anmutende Bilder bis hin zu bewegenden und anrührenden Szenen geschlagen wird. Und als der arrogante Bauernlümmel Gustav zur tödlichen Jagd auf das Biest bläst und die willige Dorfgemeinschaft in einen regelrechten Blutrausch versetzt, da überläuft den Zuschauer angesichts aktueller Aufmärsche mit ähnlichen Parolen, gegen das, was vermeintlich anders ist, schon eine eiskalte Gänsehaut.

Zauber der Inszenierung nicht gebrochen

Der Zauber der gesamten Inszenierung wird dadurch allerdings nicht gebrochen. Vielmehr wird der Kontrast deutlich zwischen jenen, die nur mit den Augen sehen, und jener Bella, die auch mit dem Herzen sieht und hinter der Fassade eines abscheulichen Biestes tiefe Verletztheit, Trauer – und auch Liebe entdecken kann. Dann stehen einem auch wohlgesonnene Wesen zur Seite, wie die munteren Waldkobolde in ihren schönen Blättergewändern.

Opulent und farbenfroh sind die rund 100 Kostüme aus der eigenen Werkstatt, die bei der Inszenierung zum Einsatz kommen und die Bilder auf der Bühne zum Erlebnis für die Augen werden lassen. Der verzauberte Stuhl (Marcel Sievering), Oliver Ramme als „Lumiere,“ Selin Aydin als „Staubwedel,“ Carolin Hunold als „Herr von Unruh“ und Anja Loges als lebendes Cello sorgen im Schloss des Biests für Alice im Wunderland-Stimmung. Ein Blick in eine andere Welt, in die die Feengestalt, verkörpert von Vanessa Goth, singend mit einer wirklichen Ausnahmestimme, den Weg weist. Sie ist es auch, die dem tödlich getroffenen Biest wegen Bellas Liebesgeständnis ins Leben zurückholen und ihm seine Gestalt als Prinz wieder verleihen kann. Ein großer Sieg der Liebe über Hass, Vorurteile und Ausgrenzung.

Frenetischer Applaus der Gäste war verdienter Lohn für eine zauberhafte Inszenierung, die am kommenden Freitag, 30. Januar, 19.30 Uhr, noch einmal im Hindemith-Saal des Hanauer Congress Parks am Schlossplatz zu sehen sein wird.

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