Todesursache nach über zwei Jahre noch ungeklärt

Klinikum: Musste Maximilian wegen Fehler sterben?

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - Auch über zwei Jahre nach dem Tod des kleinen Maximilian G. aus Bad Orb ist weiterhin nicht geklärt, ob der Junge aufgrund einer fehlerhaften ärztlichen Behandlung am Klinikum Hanau ums Leben gekommen ist. Von Andreas Ziegert 

Noch immer wartet die Staatsanwaltschaft Hanau auf aussagekräftige Gutachten und erntet von den Eltern heftige Kritik. Die Eltern sind davon überzeugt, dass ihr Kind sterben musste, weil das Klinikum Hanau, in das der damals dreijährige Maximilian Anfang 2014 eingeliefert worden war, dessen lebensgefährliche Erkrankung nicht erkannt habe. Der Junge starb schließlich am 9. Februar 2014 auf der Kinderintensivstation des Uniklinikums Frankfurt. Die Staatsanwaltschaft Hanau hat nun zwar ein Gutachten vorgelegt, das von den Eltern und ihren Anwälten allerdings abgelehnt wurde. Grund: Der als Sachverständige hinzugezogene Arzt ist an einer hessischen Klinik tätig und laut Kindeseltern bestehen somit zahlreiche Verbindungen zum Klinikum Hanau.

Maximilian G. aus Bad Orb wurde Anfang 2014 zweimal mit starken Atemproblemen in die Kindernotfallambulanz des Klinikums Hanau eingeliefert. Laut Aussage der Eltern wurden sie beide Male von den Ärzten nach Hause geschickt, was die Klinikleitung bereits im vergangenen Jahr in einer Pressemitteilung bestritten hatte (wir berichteten). Demnach sollen die Eltern beim ersten Mal dem Rat zu einer stationären Aufnahme nicht gefolgt sein;

„Ich fühle mich im Stich gelassen“

und beim zweiten Mal soll für eine vorgesehene Operation aufgrund des hohen Fiebers des Jungen ein neuer Termin vereinbart worden sein. Die Mutter hingegen erhebt schwere Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte des Klinikums und wirft ihnen letztlich tödliche Behandlungsfehler vor.

Doch nach ihrer Anzeige bei der Polizei wartete sie bislang vergeblich auf Ermittlungsergebnisse: „Ich fühle mich von der Staatsanwaltschaft Hanau im Stich gelassen“, versteht die 39-Jährige nicht, warum sich die Aufklärung des Todes ihres Sohnes so lange hinzieht. Das im Dezember von der Staatsanwaltschaft vorgelegte kinderärztliche Gutachten wurde unter anderem auch abgelehnt, weil einer der jetzt beschuldigten Ärzte früher in jenem Krankenhaus praktiziert hat, wo jetzt der Sachverständige tätig ist.

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„Mit der Dauer und den bisherigen Ergebnissen der Ermittlungen können die Staatsanwaltschaft und die Kindeseltern nicht zufrieden sein“, räumt auch der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze ein. Allerdings gestalte es sich weiterhin extrem schwierig, geeignete Gutachter im Bereich der Kindermedizin zu finden. Die Staatsanwaltschaft hat im Januar 2016, über zwei Jahre nach dem Tod des kleinen Maximilian, nun damit begonnen, unter anderem in München und Düsseldorf nach geeigneten Experten zu suchen, die für Aufklärung sorgen könnten.

„Kindeseltern können nicht zufrieden sein“

„Es reicht nicht nur ein Gutachten aus, sondern hier sind mehrere Gutachten einzuholen“, erklärte Heinze zudem gegenüber dem Fernsehsender RTL, der ebenfalls erneut über den Tod des Jungen berichtete.

Die private Initiative der Eltern war in dieser Hinsicht deutlich schneller erfolgreich: Im August 2015 wurde das Gutachten eines Chefarztes einer Kinderklinik in Norddeutschland vorgelegt, der laut Rechtsanwalt Martin Reinboth über viel Erfahrung in der Beurteilung derartiger Fälle verfügt. „Man muss hier ganz klar von einem Arztfehler sprechen“, berichtete Reinboth anschließend aus dem Gutachten. Laut Oberstaatsanwaltschaft Heinze reicht dieses durch die Kindeseltern eingeholte Gutachten als Grundlage für eine Anklage allerdings nicht aus.

Die Mutter von Maximilian will weiterhin kämpfen und vermutet eine Hinhaltetaktik: „Die glauben anscheinend, dass die Eltern irgendwann schon aufgeben werden, aber bei mir erreichen sie genau das Gegenteil.“

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Rubriklistenbild: © dpa

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