19. Februar

Nach Äußerung zum Gedenken an den Terroranschlag in Hanau: Berliner Stiftung kritisiert Heiko Kasseckert

Kerzen am Fuß des Brüder-Grimm-Denkmals zu Ehren der Opfer des 19. Februars
+
Das Brüder-Grimm-Denkmal ist zu einer Art Gedenkstätte für die Opfer des 19. Februars geworden.

Die Berliner Amadeu Antonio Stiftung hat am Donnerstag im Nachrichtendienst Twitter den CDU-Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert für seine Äußerungen in seinem Gastkommentar für den HANAUER zum Gedenken an den 19. Februar kritisiert.

Hanau/Berlin – Kasseckert hatte gefordert, Hanau müsse zu einer Normalität zurückkehren können. Das Brüder-Grimm-Denkmal solle nicht auf längere Zeit Ort der Trauer bleiben. Die Ehrenplakette sei nicht die richtige Form der Ehrung, OB Claus Kaminsky solle diese überdenken. Mit den Äußerungen hatte Kasseckert eine kontroverse Diskussion zu dem Thema angestoßen.

„Ist die Ermordung Walter Lübckes schon vergessen?“, fragt die Berliner Stiftung auf Twitter. „Es ist dieselbe Rhetorik, die wir bereits kennen: Von den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen oder der Mordserie des NSU-Komplexes. Für die Betroffenen und Überlebenden rechter Gewalt sind diese Forderungen ein Schlag ins Gesicht“, heißt es in einem der Beiträge.

Initiative 19. Februar Hanau: Es könne nach den Terroranschlägen keine Rückkehr zur Normalität gegen

Die Stiftung erwähnt auch, dass die Initiative 19. Februar Hanau den Vorstoß mit den Worten kritisiert hatte: „Es darf kein zurück zu einer Normalität geben, in der sich ein solch rassistischer Anschlag ereignen konnte. Es muss sich etwas ändern in dieser Gesellschaft.”

Die Amadeu-Antonio-Stiftung fragt auf Twitter: „Wie kann ein ‘Loslassen’ gefordert werden, wenn es die Überlebenden, Angehörigen und Betroffenen sind, die tagtäglich für eine lückenlose Aufklärung kämpfen müssen?“ Sie fragt weiter, wie von ‘Bewältigung der Trauer’ die Rede sein könne, wenn die hessische Landesregierung Gelder für die Opferverbände zur Unterstützung der Hinterbliebenen blockiere, wie im Fall der Opferberatung „Reponse“. Diese kümmert sich um die Opfer des Anschlags von Hanau. Wegen eines Streits mit dem hessischen Innenministerium wartet die Einrichtung weiter auf 50 000 Euro vom Bund.

Terroranschläge in Hanau sollen laut Stiftung zur Zäsur werden

„Das hat auch die Bundesregierung verstanden, die mit dem neuen Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus auf den Anschlag von Hanau reagierte. Hanau muss zur Zäsur werden! Jahrzehntelang wurden Betroffene rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt nicht ernst genommen. Das muss ein Ende haben! Betroffenen muss zugehört werden. Wer versucht, rassistische Gewalt zu vergessen, verharmlost sie“, schreibt die 1998 gegründete Stiftung abschließend.

Laut Homepage ist es Ziel der Amadeu-Antonio-Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Man unterstütze Initiativen und Projekte, die sich kontinuierlich für eine demokratische Kultur engagieren und für den Schutz von Minderheiten eintreten. Die Stiftung fördere unkompliziert und verteile das Geld gezielt dort, wo es am dringendsten benötigt wird. Die wichtigste Aufgabe der Amadeu-Antonio-Stiftung ist laut Homepage über eine finanzielle Unterstützung hinaus: Aufmerksamkeit für engagierte Menschen vor Ort zu schaffen und das Thema Rechtsextremismus dauerhaft auf die Tagesordnung zu bringen.

Stiftung ist nach Opfer eines rechtsextremen Anschlags benannt

Die Stiftung ist nach Amadeu Antonio benannt, der 1990 von rechtsextremen Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde ins Koma geprügelt wurde, weil er schwarz war. Wenige Tage später erlag er seinen Verletzungen. Amadeu Antonio war eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt im wiedervereinigten Deutschland.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare