„Solidarität statt Spaltung“

23000 Menschen demonstrieren gegen Hetze und Rassismus in Hanau

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Am Samstag versammelten sich rund 6000 Menschen auf dem Freiheitsplatz, anschließend zog ein Protestmarsch durch die Innenstadt (links). 

Rund 23000 Menschen haben am Freitag, am Samstag und gestern in Hanau bei mehreren Trauermärschen, Kundgebungen und Mahnwachen gegen Hetze, Rassismus und Menschenverachtung demonstriert.

Hanau – Nach den Schüssen in der Nacht zu Donnerstag gab es in der Innenstadt und gestern auch am Kurt-Schumacher-Platz, einem der Tatorte, Bilder der Trauer, aber auch der Wut. Am Freitagabend fand, wie berichtet, ein Protestmarsch mit 7000 Teilnehmern statt. Am Samstag versammelten sich 6000 Menschen auf dem Freiheitsplatz. Die Veranstalter hatten mit 2000 gerechnet.

„Wir sind in tiefer Trauer und wir sind wütend“, sagte die Sprecherin des Bündnisses „Solidarität statt Spaltung“, Newroz Duman. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir legte zusammen mit Vertretern der Kurdischen Gemeinde und im Beisein von Angehörigen der Opfer am Heumarkt, dem ersten Tatort, einen Kranz nieder.

Kurz vor der Kranzniederlegung schrie ein Angehöriger eines Opfers seine Trauer und seine Wut heraus. Unter Tränen brach der Mann fast zusammen und musste von Freunden gestützt werden. Aus der Gruppe der Angehörigen und Freunde rief eine Frau in Richtung von Polizisten: „Jetzt seid ihr da, wo es zu spät ist.“

Viele der Teilnehmer hatten Transparente, Schilder und Plakate dabei. Fotos: Häsler (2)/Kögel (3)

Mit Tränen in den Augen verharrten auch die Demonstranten, die vom Freiheitsplatz aus durch die Stadt zogen, am Heumarkt. Sie gedachten der Toten, der Verletzten und derer, die Augenzeugen der grausamen Tat wurden. Bei dem Umzug trugen sie Plakate mit Aufschriften wie „Muss erst getötet werden, damit ihr empört seid?“, „Menschenrechte statt rechte Menschen“ oder „Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“. Immer wieder zeigten Teilnehmer Bilder der Opfer.

Gestern folgten laut Polizei bis zu 10000 Menschen dem Demonstrationsaufruf der Initiative „Gemeinsam gegen Terror“, bestehend aus muslimischen Gemeinden, Vereinen und der Stadt Hanau. Vom zweiten Tatort am Kurt-Schumacher-Platz starteten die Teilnehmer ihren Marsch über die Philippsruher Allee in Richtung Innenstadt. Viele türkische und deutsche Fahnen wurden geschwenkt, auf Transparenten hieß es „Nein zu Fremdenfeindlichkeit“, „Islamhetze ist die Mutter aller Probleme“ oder „Nein zu Islamfeindlichkeit und Antisemitismus“.

Immer mehr Menschen reihen sich gestern in den Demonstrationszug ein. Fotos: Häsler (2)/Kögel (3)

„Nazis raus“ skandierten die Demonstrationsteilnemer auf ihrem Weg. Hunderte Menschen reihten sich erst nach und nach auf der Route ein. Denn aufgrund der riesigen Teilnehmerzahl gab es schon vor Beginn des Trauermarsches kaum ein Durchkommen in Richtung Schloss und Kurt-Schumacher-Platz.

Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot versammelten sich die Menschen zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz. Daran nahmen auch Angehörige der Opfer, der türkische Botschafter Ali Kemal Aydin, OB Claus Kaminsky sowie Vertreter verschiedener Religionen teil. Es sei dringend nötig, ein Gegengift zu finden für den Hass, sagte Botschafter Aydin. 

Alle Entwicklungen nach dem Terror-Anschlag in Hanau gibt es in unserem Liveticker.   

cs./dpa/zdk

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